Blick auf das EVO-Rechenzentrum.

Blick auf das EVO-Rechenzentrum.

Bild: © EVO

Das Geschäftsjahr des Versorgers läuft vom 1. Oktober bis zum 30. September. Der Jahresüberschuss der EVO AG in diesem Zeitraum beträgt 25,8 Mio.Euro und liegt damit deutlich unter dem Vorjahresergebnis von 76,1 Mio. Euro.

Trotz eines Rückgangs in absoluten Zahlen zeigte sich Christoph Meier, Vorstandsvorsitzender der EVO AG, bei der Vorstellung der Zahlen zufrieden. Der hohe Wert des Vorjahres resultiere nämlich vor allem auf einmaligen Sondereffekten – dem Verkauf der Anteile am Rechenzentrum Main DC und der Mobilheat GmbH.

Eigenkapital für Großprojekte

Die Umsatzerlöse der EVO AG sind aufgrund steigender Preise und des deutlich höheren Materialeinsatzes von 327 Mio. auf 394 Mio. Euro gewachsen. Die regionale Wertschöpfung konnte EVO ebenfalls steigern. "Rund 130 Mio. Euro beträgt unsere regionale Wertschöpfung laut einer aktuellen Studie. In dieser Summe enthalten sind unter anderem Löhne und Gehälter, Mieten und Pachten, Gewinnausschüttungen, Investitionen, Steuern aller Art und Konzessionsabgaben", sagte Meier. Vor der Coronapandemie lag dieser Wert noch bei gut 100 Mio. Euro.

Investitionen in Hochspannungsnetz

Auch das Eigenkapital konnte die MVV-Tochter von 190,1 Mio. Euro auf 193,9 Mio. Euro steigern. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens legte damit von 42 auf 46 Prozent zu. "Die Sondererlöse haben die Aktionäre bei uns gelassen." Die Steigerung der Eigenkapitalquote sei eine gute Basis, um die Finanzierung für die anstehenden Vorhaben zu meistern. Denn dieses Geld hat EVO angesichts der anstehenden Projekte dringend nötig.

Zum einen seien das die Ertüchtigung und der Ausbau des Hochspannungsnetzes auf der Spannungsebene 110 kV, erläuterte EVO-Technikvorstand Günther Weiß. Der Offenbacher Versorger reagiere damit auf die steigende Stromnachfrage. Denn wenn es bei der Elektromobilität und Wärmepumpen wellenartige Bewegungen gebe, zeige der Trend ungebrochen nach oben.

Die Höhe der Investitionen in den kommenden Jahren bewegen sich in einem dreistelligen Millionenbereich. Für den Versorger seien dies "in den vergangenen zehn Jahren nie dagewesene Dimensionen". Insgesamt arbeite EVO in Stadt und Kreis Offenbach an Trassen auf einer Länge von 120 Kilometern. Davon profitieren rund 500.000 Einwohner und 34.000 Unternehmen vor Ort.

KI-Einsatz

Mit der wachsenden Bevölkerung steige auch der Strombedarf. So sei auch die Anzahl der Anträge für die Installationstechnik für Wallboxen, Wärmepumpen und PV-Anlagen deutlich gestiegen. Konkret stieg sie seit 2019 um 1.500 Prozent, sagte Meier. In Eigenarbeit habe EVO dann KI-Tools zusammengeführt und entwickelt. Diese Technik könne unter anderem Handschriften, Anmeldungen, Anträge und Zertifikate lesen und verarbeiten. Innerhalb einer Stunde sei KI in der Lage, bis zu 136 Anträge zu bearbeiten.

Die Besonderheit Offenbachs und Umgebung liege nicht unbedingt im Netzausbaubedarf aufgrund von Wärmepumpen und Elektromobilität, so Meier weiter. Vielmehr stehe die wachsende Anzahl von Rechenzentren in der Region symbolisch für den Energiehunger der boomenden Region. Da seien die Hochspannungsleitungen unabdingbar.

Ambitionierte Dekarbonisierungsprojekte

In den kommenden Jahren will die EVO ihr Energiewerk weiter optimieren und zum Innovationsstandort für die Dekarbonisierung ausbauen. Unter anderem plant dort die EVO eine deutlich höhere Auskopplung von Abwärme, ohne dabei eine einzige Tonne Abfall mehr zu verbrennen.

Unter anderem sollen die Anlagen dafür für die Nutzung des Turbinen-Abdampfs und der Abwärme aus Rauchgasen errichtet und ein Fernwärmespeicher gebaut werden. Geplant sei darüber hinaus der Bau einer sogenannten Power-to-Heat-Anlage, mit der Wärme aus elektrischer Energie erzeugt werden kann.

Mehr Platz für die Erzeugungsanlagen

Später soll auch eine Anlage zur Abscheidung des Kohlendioxids (Carbon Capture, Utilisation and Storage) folgen. "Mit diesen Umbaumaßnahmen werden wir deutlich effizienter und verlieren einfach weniger Abwärme", resümierte Meier im Gespräch mit der ZfK.

Das alles brauche allerdings Platz, deswegen sei EVO in Zusammenarbeit mit der Stadt in Verhandlungen über 5 Hektar zusätzlicher Fläche. Ende 2023 habe es dazu einen Scooping-Termin mit zahlreichen Umweltbehörden gegeben, mit guten Ergebnissen. Anfang Februar wurde ein Bebauungsplan beschlossen, um die kommunale Wärmewende voranzutreiben. Ein wichtiger Schritt in Richtung der Klimaneutralität in der gesamten Region.

Abwärme aus Rechenzentren

Bis 2030 will der Offenbacher Versorger sein Kohlekraftwerk umrüsten und damit den Kohleausstieg besiegeln. Für die Wärmeproduktion will die EVO übergangsweise auf Holzpellets zurückgreifen. Diese stammen aus der Eigenproduktion aus regionalen Ressourcen. Die Biomasse sei allerdings nur eine Übergangslösung, denn die EVO setzen verstärkt auf die Standortvorteile.

Offenbach verfügt zwar über keine energieintensive Industrie, liegt allerdings in der Nähe des weltweit größten Internetknotens DE-CIX. Damit verfügt die Stadt über Flächen, die die Betreiber der Rechenzentren sehr begehren.

Aktuell seien mehrere in Betrieb, einige in Planung. "Mehrere Dutzend" hätten zudem eine Baugenehmigung beantragt, so Meier. Wenn diese Zentren nach und nach in Betrieb gehen, würde die EVO die entstehende Abwärme zunehmend in ihrem Fernwärmenetz nutzen und sie damit sukzessive grüner machen. (am)

Mehr über die Planungen der EVO mit der Abwärme aus Rechenzentren lesen Sie in der März-Ausgabe der ZfK.

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