Von Artjom Maksimenko
Mit den zunehmend komplexen Regulierungsvorschriften und technologischen Hürden sehen sich viele kommunale Versorger im Alltag mit einer deutlich steigenden Komplexität konfrontiert. Das Ergebnis: verlangsamte Prozesse, sinkende Rentabilität, erschwerte Bedingungen bei Investitionsvorhaben. Als Lösung entscheiden sich viele von ihnen für Kooperationen mit geeigneten Partnern: Energieversorgern oder Unternehmen aus der privaten Wirtschaft.
Diese können einen entscheidenden Hebel darstellen, so das Ergebnis einer aktuellen "Kooperationsstudie Energie 2025" der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner.
Kooperationen funktionieren überwiegend
Die Erfolgsquote solcher Kooperationen zeigt eine deutliche Tendenz auf: Laut Rödl & Partner bewerten über 96 Prozent der befragten Unternehmen laufende oder abgeschlossene Kooperationen als erfolgreich. Im Fokus stehen dabei vor allem die Bereiche Einkauf und Beschaffung sowie Energieerzeugung.
Als zentrale Hemmnisse der Kooperationen nannten die Rezipienten die oft fehlenden personellen Kapazitäten, Schwierigkeiten bei der Partnerfindung sowie Zielkonflikte und mangelnde Flexibilität. Im Vergleich der Kooperationsstudie aus dem Jahr 2013 hat das Risiko eines Kontrollverlusts deutlich an Bedeutung verloren, heißt es.
In der Praxis zeigen sich laut Studie deutliche Unterschiede je nach Unternehmensgröße und Tätigkeitsfeld. Am häufigsten kooperieren die Versorger im Bereich Einkauf und Beschaffung (42 %), was vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Umsatzabsicherung und Risikominimierung darstellt. Große Energieversorger hingegen setzen Kooperationen verstärkt in der Energieerzeugung um (54 %), da hier hohe Investitionen und Synergiepotenziale bestehen.
Nur selten finden sich bisher Kooperationsmodelle in den Bereichen Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Smart City oder Immobilienwirtschaft, wo weniger als zehn Prozent Erfahrungen vorweisen können. Der Grund ist unter anderem, dass die regulatorischen Impulse abgeschwächt und andere energiewirtschaftliche Prioritäten dringlicher sind. Gleichwohl bleibt die Wärmewende eine zentrale Herausforderung.
Kostensenkung und Know-how für bessere Wettbewerbsfähigkeit
Für die Studie wurden im Zeitraum von Mai bis August 2025 bundesweit 81 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger von Energieversorgern befragt. Dabei gaben zwei Drittel der befragten Unternehmen an, Kooperationsprojekte bereits umgesetzt zu haben. Besonders kleine und mittlere Versorger sehen demnach in Kooperationen "eine wirksame Strategie zur Steigerung von Effizienz und Wachstum", heißt es in der Studie.
Als zentrale strategische Ziele der Kooperationen nannten die Befragten vor allem die Verbesserung der Rentabilität, die Senkung von Kosten und die Erweiterung des Know-hows. Besonders attraktiv seien dabei Dienstleistungskooperationen, gefolgt von der gesellschaftsrechtlichen Beteiligung.
Weiterhin keine Zustimmung für Fusionen
Bereits erzielte positive Effekte betreffen insbesondere die Prozessoptimierung und Renditesteigerung. Gerade kleinere Energieversorger berichten, durch gemeinsame IT- und Verwaltungsstrukturen Prozesse effizienter gestalten und Renditen verbessern zu können. Weitergehend können durch Kooperationen neue Geschäftsfelder erschlossen und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden.
Mit Blick auf die Zukunft sehen die Befragten vor allem in der Digitalisierung sowie im Vertrieb und Kundenservice große Potenziale. Auch die Wärmewende bleibt ein zentrales Handlungsfeld für Kooperationen. Die Ergebnisse bestätigen auch einen langjährigen Trend: Wie schon in der "Kooperationsstudie" aus dem Jahr 2013 bleibe eine Fusion für die große Mehrheit weiterhin keine Option, schreiben die Experten von Rödl & Partner.
Für eine bessere Nutzung der Kooperationspotenziale empfehlen die Studienautoren, auf die entscheidenden Erfolgsfaktoren zu setzen: Kooperation, Kommunikation, Vertrauen sowie klar definierte Zuständigkeiten und Kompetenzbündelung zwischen den Partnern. "Für Energieversorger wird es entscheidend sein, Potenziale frühzeitig zu erkennen und strukturiert zu nutzen", resümiert Anton Berger, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Energie und Infrastruktur bei Rödl & Partner.


