Die Lage hat sich wieder etwas gebessert für das 2013 ans Netz gegangene Trianel-Steinkohlekraftwerk Lünen im Ruhrgebiet. Anders als im vergangenen Jahr, als ein coronabedingt niedriger Stromnachfrage, ein überdurchschnittlicher Erneuerbaren-Output sowie ein Generatorschaden Volllaststunden nach unten drückten, ist die Anlage 2021 wieder deutlich häufiger in Betrieb.
Stand Ende Juli fuhr das Kraftwerk laut Daten der Fraunhofer-Plattform Energy Charts zu etwas mehr als 50 Prozent auf Volllast. Einer der Hauptgründe für den Aufschwung ist die vergleichsweise schwache Erneuerbaren-Erzeugung im ersten Halbjahr.
Fehlbetrag in 2020: mehr als 40 Mio. Euro
Man sei mit der Auslastung bislang "sehr zufrieden", teilt eine Sprecherin des Unternehmens auf ZfK-Anfrage mit. Das Kraftwerk profitiere aktuell von den gestiegenen CO2-Preisen, da es wegen seines hohen Wirkungsgrads häufiger zum Einsatz komme als Anlagen mit einem höheren CO2-Ausstoß. Gemeint sind insbesondere ältere und weniger effiziente Kohlekraftwerke.
Einmal mehr war im vergangenen Jahr das Strompreisniveau zu niedrig, um die Fixkosten des Kraftwerks decken zu können. Am Ende stand ein Fehlbetrag von 40,6 Mio. Euro. Konkrete Zahlen nennt die Trianel für das laufende Geschäftsjahr nicht. Man rechne aber mit einem "guten Jahr", heißt es.
Lage könnte sich aufhellen
Und die Lage könnte sich weiter aufhellen. Zumindest kurzfristig. "Es gehen in den nächsten Jahren nicht nur alle Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz, sondern auch einige Kohlekraftwerke", sagt Energiemarktexperte Lukas Bunsen vom Beratungsunternehmen Aurora Energy Research. "Durch das sinkende Angebot steigt der Preis, den die verbliebenen [Kohlekraftwerke] für ihren Strom erzielen können. Das dürfte gerade jüngere Kraftwerke wirtschaftlicher machen."
Eine komplette Kehrtwende sei das allerdings nicht. "Wir gehen davon aus, dass die CO2-Preise bis 2030 weiter steigen und die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden. Beides wird Kohlekraftwerken weiter zusetzen."
Abschaltung wohl bis spätestens 2031
Zudem zwingt das Kohleausstiegsgesetz das Kraftwerk Lünen dazu, wohl noch vor Kredittilgung vom Netz zu gehen. Die Trianel rechnet mit einer Abschaltung bis spätestens 2031. Das könnte den kommunalen Anteilseignern Hunderte Millionen Euro kosten.
Diese Erwartung spiegelt sich immer mehr in den Bilanzen der Gesellschafter wider. So stockten die Stadtwerke Ulm-Neu-Ulm (SWU) ihre Rückstellungen für drohende Lünen-Verluste von 22,4 Mio. auf 25,2 Mio. Euro auf. Die SWU halten 5,3 Prozent der Anteile am Kraftwerk.
Stawag stockt deutlich auf
Auch die Rhönenergie Fulda erhöhte ihre Rückstellungen um 3,3 Mio. auf nun 29,8 Mio. Euro, wie die ZfK erfuhr. Die Hessen halten 8,5 Prozent der Anteile.
Die bislang größte Summe legte der Aachener Regionalversorger Stawag zurück. Er stockte um knapp 65 Mio. Euro auf insgesamt 87,5 Mio. Euro auf. (Die ZfK berichtete.)
Künftig drohende Verluste "vollumfänglich" abgebildet
Damit will das Unternehmen alle künftig drohenden Verluste vollumfänglich abgebildet haben. "Wir erwarten, dass Lünen von jetzt an die Bilanz der Stawag kaum bis gar nicht mehr belasten wird", sagt Stawag-Chef Christian Becker. (aba)
Mehr zur Zukunft des Kraftwerks Lünen erfahren Sie in der aktuellen ZfK-Printausgabe auf Seite 19. Welche Lehren Stawag-Chef Christian Becker aus dem Lünen-Projekt zieht, lesen Sie im ZfK-Newsletter am Mittwoch. Zum Abo geht es hier.



