Hohe Rückstellungen im konventionellen Kraftwerksbereich haben dem Aachener Stawag-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr ein negatives Ergebnis im einstelligen Millionenbereich eingehandelt.
Für drohende Verluste aus dem Trianel-Kraftwerk Lünen sowie der Trianel-Gasspeicher Epe GmbH legte der Regionalversorger etliche Millionen zurück, wie aus dem frisch veröffentlichten Geschäftsbericht für 2020 hervorgeht. Durch die hohen Rückstellungen werde die Stawag für 2020 trotz "sehr guten operativen Ergebnisses" keinen Gewinn an die Muttergesellschaft EVA ausschütten können, wird Vorstand Christian Becker zitiert.
Umsatz leicht gesteigert
Insgesamt schloss die Stawag mit einem negativen Ergebnis vor Steuern (Ebt) von 5,5 Mio. Euro ab. Im Vorjahr war noch ein Plus von 32 Mio. Euro gestanden. (Die ZfK berichtete.)
Der Umsatz stieg dagegen leicht von 610 auf 616 Mio. Euro.
Millionenrückstellungen für Lünen
Vor allem das Steinkohlekraftwerk Lünen erwies sich einmal mehr als große Belastung. Die Aachener, die 8,45 Prozent der Anteile halten, rechnen Stand jetzt nicht mehr damit, dass die Anlage bis zur Stilllegung Gewinne erwirtschaften wird. Im vergangenen Jahr etwa seien die Erträge aufgrund niedrigerer Strompreise noch geringer als geplant ausgefallen.
Vielmehr stockte der Konzern seine Drohverlustrückstellung für den Kraftwerksbetrieb bis Ende 2020 um knapp 65 Mio. Euro auf insgesamt 87,5 Mio. Euro auf. Damit sollen künftig erwartete Verluste als Barwert vollumfänglich im Jahresabschluss 2020 abgebildet werden, heißt es.
Trianel-Gasspeicher Epe
Auch der Betrieb des Trianel-Gasspeichers Epe war im vergangenen Jahr ein Verlustgeschäft. Die Stawag hält 13,7 Prozent der Anteile am Speicher. Im Geschäftsbericht nannte das Unternehmen anhaltende witterungsbedingt geringe Preisvolatilitäten sowie eine zunehmend hohe Verfügbarkeit von LNG-Importen als Gründe für das Defizit.
Für mittelfristig weiterhin erwartete Verluste bildete die Stawag nach eigenen Angaben bis Ende 2020 Rückstellungen in Höhe von 6,4 Mio. Euro.
Ansonsten "sehr gute Ergebnisse"
Zufrieden zeigen sich die Stawag-Vorstände Christian Becker und Wilfried Ullrich mit dem Vertrieb, dem Abrechnungsgeschäft und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. In diesen Sparten habe das Unternehmen trotz Corona-Krise "sehr gute Ergebnisse" erzielt.
Im Vertriebsbereich seien die Verkaufsmengen in der Stromsparte 2020 gegenüber dem Vorjahr um etwa 97 Mio. kWh gesunken, heißt es im Geschäftsbericht. Der Großteil der Abweichung lasse sich dabei auf coronabedingte Absatzrückgänge bei Industrie- und Gewerbekunden zurückführen.
122.000 Stromkunden
Insgesamt setzte die Stawag im vergangenen Jahr 728,5 Mio. kWh Strom ab. Ende 2020 zählte sie 122.000 Stromkunden.
In der vertrieblichen Gassparte sank der Absatz ebenfalls um etwa 97 Mio. kWh auf nunmehr 1,1 Mrd. kWh. Die Stawag erklärt dies mit der vergleichsweise warmen Witterung. Insgesamt hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben Ende vergangenen Jahres 45.000 Gaskunden.
Stawag-Vorstand für 2021 optimistisch
Der Stawag-Vorstand geht davon aus, dass die Bilanz ohne zusätzliche Lünen-Belastungen im laufenden Geschäftsjahr deutlich anders aussehen wird. Unter anderem aufgrund eines kälteren Winters und vermehrter Gasnachfrage sei sogar ein Ergebnisbeitrag nach Steuern von 35 Mio. Euro zu erwarten. Das wären deutlich mehr als die geplanten 24,7 Mio. Euro. (ab)



