Die Hamburger Ökostrom-Onlineplattform Enyway hat beim örtlichen Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Justus von Buchwaldt von der Kanzlei BBL Brockdorff bestellt, wie aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Gerichts hervorgeht.
Enyway ging bei seiner Gründung im Herbst 2017 mit großen Zielen an den Start. Über eine eigene Plattform wollte das Unternehmen privaten Stromerzeugern ermöglichen, Strom direkt an Endkunden zu verkaufen. Zugleich sollten sich Endverbraucher direkt an nachhaltigen Crowd-Funding-Projekten beteiligen können.
Kooperation mit Tchibo
Gründer Heiko von Tschischwitz, der zuvor Ökostromanbieter Lichtblick mit aufgebaut hatte, wollte nichts weniger als "klassische Versorger überflüssig" machen, wie er dem "Handelsblatt" erzählte. Wenige Monate später realisierte das Unternehmen die nach eigenen Angaben erste Crowdfunding-finanzierte Solaranlage Deutschlands, an der sich Stromkunden direkt beteiligen konnten.
Noch im vergangenen November eröffnete Einzelhändler Tchibo über die Enyway-Plattform einen eigenen Stromvertriebskanal. (Die ZfK berichtete.) Die Website ist inzwischen nicht mehr zugänglich.
Gestiegene Energiepreise
In einer Presseaussendung von BBL Brockdorf heißt es nun, dass explosionsartig gestiegene Großhandelspreise für Strom Enyway "wirtschaftlich überfordert" hätten. In der Folge habe das Unternehmen die Stromversorgung einstellen müssen.
Nach Informationen des Insolvenzverwalters hatte Enyway zuletzt rund 9000 Kunden im Strombereich. Sie fallen in die Ersatzversorgung der örtlichen Grundversorger.
Einfluss auf Crowdfunding
"Unsere Stromkunden müssen keine wirtschaftlichen Einbußen befürchten, da die aktuellen Tarife der Grundversorgung derzeit in der Regel sogar unterhalb des aktuellen Enyway-Tarifs liegen," wird Unternehmensgründer von Tschischwitz zitiert. Das Unternehmen habe die Kunden direkt angeschrieben.
Auf das Crowdfunding für eine Solaranlage und ein Waldprojekt auf Borneo habe die Insolvenz keinen Einfluss, wird von Tschischwitz zitiert. Enyway trat hier als Vermittler auf. Die Rückzahlung der Darlehen inklusive Zinsen erfolge zum planmäßigen Zeitpunkt durch die Emittenten.
Auch Tochter insolvent
Insolvenzverwalter von Buchwaldt hoffe nun, den Geschäftsbetrieb von Enyway in Teilbereichen fortführen zu können, heißt es in der Presseaussendung weiter. Er habe bereits einen Antrag auf Insolvenzgeld-Vorfinanzierung für die 30 Mitarbeiter gestellt.
Die Insolvenz betrifft auch die Enyway-Tochter Machdasmalanders Stromversorgung, wie das Amtsgericht Hamburg mitteilt. Das Tochterunternehmen verpachtete Solarzellen und bot Kunden an, sich am Bau einer Solaranlage zu beteiligen.
Bilanzkreisverträge gekündigt
Die Bilanzkreisverträge Enyways mit den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion, Transnet BW und 50 Hertz wurden bereits am 3. Januar um 24 Uhr beendet, wie der ZfK bestätigt wurde. (jk/aba)



