Für den Frankfurter Energieversorger Mainova bedeutet das bereinigte Konzernergebnis von 252,4 Millionen Euro (2024: rund 216 Millionen Euro) einen Rekordwert seiner fast 30-jährigen Geschichte. Dabei konnte sich der Versorger sowohl auf das operative Geschäft als auch auf die positiven Ergebnisse aus den Beteiligungen des Unternehmens verlassen.
"Schöne, hart erarbeitete Zahlen"
Ein wesentlicher Treiber war dabei das operative Kerngeschäft mit Strom, Gas und Wärme. Auffällig ist insbesondere das Gassegment: Das Ergebnis in der Gasversorgung stieg laut Mainova nach einem durch witterungsbedingte Sondereffekte belasteten Vorjahr deutlich auf 72,3 Millionen Euro und damit um 66,5 Millionen Euro im Vorjahresvergleich. Dazu trugen vor allem ein verbessertes Vertriebs- und Netzgeschäft bei.
Unter dem Eindruck von Analysen und Prognosen von Thinktanks wie Agora Energiewende würde man vermuten, dass das Gassegment an Bedeutung verliert, sagte Mainova-Vorstandschef Michael Maxelon bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. "Tatsächlich ist aber eher das Gegenteil der Fall". Mainova werde die wirtschaftlichen Erträge aus dem Gasgeschäft gezielt nutzen, um die "Energiewende und die gesamte Energietransformation mitzufinanzieren".
Dynamische Tarife als Nischenprodukt
Keine zentrale Rolle spielten hingegen die dynamischen Tarife. Trotz steigender Anzahl negativer Stundenpreise und Schlagzeilen über mögliche Einsparungen beim Stromverbrauch sei ein "verändertes Interesse aktuell nicht erkennbar", sagte Maxelon zur ZfK. Es bewege sich insgesamt auf einem niedrigen Niveau. "Die Nachfrage konzentriert sich vor allem auf technikaffine Kundengruppen, insbesondere sogenannte Prosumer zeigen Interesse", führte er weiter aus.
Auch die bundesweit nur langsam voranschreitende Digitalisierung des Messwesens wirke zusätzlich dämpfend auf die Nachfrage. Allerdings falle das Feedback der Bestandskunden mit einem dynamischen Tarif "überwiegend positiv" aus. Gerade bezüglich der App und der Verbrauchsvisualisierung der Energiedaten gebe es laut Mainova positive Resonanz. "Der dynamische Tarif wird ein Bestandteil der Stromlandschaft bleiben und mittelfristig an Bedeutung gewinnen", so die Prognose.
Auf besonderes 2025 folgt besonderes 2026
"Das Jahr 2025 war erneut von besonderen Rahmenbedingungen geprägt", blickt Maxelon zurück. Dazu zählten unter anderem geopolitische Unsicherheiten sowie energiepolitische Fragestellungen und Entscheidungen, die bis heute ausstehen, aber auch "wirtschaftliche und gesellschaftliche Spannungen, die unser Geschäft beeinflusst haben".
Umso wichtiger sei es, dass die Mainova in diesem Umfeld für Stabilität gesorgt und gleichzeitig viel geleistet habe, sagte Maxelon. Sein Unternehmen habe eine Reihe von Großprojekten vorangetrieben und sei "in time and budget" gut vorangekommen. Die wirtschaftliche Performance zeige nun "sehr schöne Zahlen", die "hart erarbeitet" seien.

2026 wird ein Schlüsseljahr für die Energieversorgung
Michael Maxelon
Vorstandsvorsitzender der Mainova AG
Die Mainova investierte 2025 über 452 Millionen Euro, wobei der Netzausbau einen Schwerpunkt bildete. Die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes soll bis in die 2030er-Jahre mehr als verdoppelt werden. Ebenso investierte Mainova in die Fernwärme und die Erzeugung, unter anderem mit den Neubauten zweier wasserstofffähiger Gaskraftwerke in Frankfurt und Hanau, die in diesem Jahr in Betrieb gehen.
Investitionen als Bekenntnis zum Standort
Weiterhin steht der Versorger vor enormen finanziellen Herausforderungen, um die Projekte rechtzeitig umsetzen zu können. Als Teil der Lösung soll eine Kapitalerhöhung dienen: 2025 hat Mainova ihre zweite Tranche erfolgreich platziert und insgesamt 700 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben.
"Die Energiewende ist vor allen Dingen ein kapitalintensives Infrastrukturprojekt", betonte Maxelon. Dafür seien wirtschaftliche Rahmenbedingungen notwendig, aber auch die Fähigkeiten im Unternehmen sowie die Ressourcen, um das zu stemmen. In den kommenden fünf Jahren plant sein Unternehmen Investitionen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. "Bis 2040 bewegen sich unsere Planungen aktuell zwischen sieben und acht Milliarden." Das seien große Zahlen und ein deutliches Bekenntnis zur Infrastruktur und zur Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main.
Ernüchternder Ausblick
Obwohl Mainova auch zum Auftakt des laufenden Geschäftsjahres gute Zahlen vorweisen kann, fällt der wirtschaftliche Ausblick für das Gesamtjahr 2026 eher ernüchternd aus. Laut Mainova-Chef erhöhen die Kriegshandlungen im Nahen Osten den Druck auf Lieferketten und Energiekosten und sorgen für Preisreaktionen auf den Güter- und Finanzmärkten. Diese Effekte erschweren eine Prognose. Dennoch rechnet Mainova mit einem bereinigten Ergebnis (EBT) unter dem Vorjahresniveau.
Dauerkonflikt in Iran?
"Die ursprüngliche Erwartung eines kurzen Konflikts erscheint unwahrscheinlich, und das bedeutet, dass wir auf den Märkten längerfristig mit Unsicherheiten rechnen müssen", sagte Maxelon der ZfK. Für die Kundinnen und Kunden sei die Energieversorgung weiterhin gesichert, betonte er. "Durch unsere vorausschauende Beschaffung sind diese vor kurzfristigen Preissprüngen geschützt."
Maxelon ist überzeugt: "2026 wird ein Schlüsseljahr für die Energieversorgung". Denn die Bundesregierung arbeite derzeit an mehreren zentralen Gesetzesvorhaben, darunter EEG-Reformen, das Netzanschlusspaket, das Kraftwerkssicherungsgesetz und das Gebäudeenergiegesetz. Diese politischen Entscheidungen würden den Rahmen für die nächste Phase der Energiewende neu setzen.


