Von Hans-Peter Hoeren
Sieben Mitarbeiter hat die Geschäftsstelle des Profivolleyclubs Berlin Recycling Volleys. Der mehrfache Deutsche Volleyballmeister beschäftigt zudem 14 Spieler und drei Trainer. "Es ist extrem schwierig mit diesen Mini-Ressourcen einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, der die Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex erfüllt", erklärte Anette Weller, Leiterin des Kompetenzteams Nachhaltigkeit im Beirat der Berlin Recycling Volleys bei einem Talk bei der diesjährigen "ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz" in Berlin.
Die Volleys sind einer wenigen Volleyball-Profivereine, die einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK) erstellen. Erstmals war dies 2024 der Fall. Zuständig für die Erstellung ist ein Werkstudent im Rahmen einer Halbtagsstelle, er ist auch für das Zusammentragen der Berichtsdaten zuständig. Das erste Jahr sei extrem schwierig gewesen, weil die Umsetzung quasi neben dem eigentlichen operativen Geschäft erfolgen musste, berichtet Weller. Die Managerin war über 20 Jahre Geschäftsführerin eines großen Hallenbetreibers in Berlin und zudem Vorständin bei der weltweit tätigen Facilitymanagement-Gruppe Gegenbauer Holding mit der Zuständigkeit für Nachhaltigkeitsthemen.
Verein will bis 2040 klimaneutral sein
Rund 90 Sponsoren umfasst der Beirat der Berlin Recycling Volleys, der den Verein in vielen Fragen berät und für diesen eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt hat. "Uns war irgendwann klar, dass wir alle Facetten von Nachhaltigkeit in den Blick nehmen und uns auch dem Thema ökologische Nachhaltigkeit stellen müssen“, erklärt Weller. Soziale Nachhaltigkeit sei dem Sport immanent, etwa mit Blick auf die Nachhaltigkeitsziele Gesundheit, Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Um diese Themen aber aktiv weiter zu fördern, kooperiert der Verein regelmäßig mit der Stadtmission. "Die Spieler geben dort Essen aus. Sie sind relativ privilegiert und können ihr Hobby zum Beruf machen. Wir wollen, dass sie auch andere soziale Facetten kennlernen, die man sonst nicht so in den Blick nimmt“, verdeutlicht Weller.
Ungleich größer sind die Herausforderungen im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit. Bis 2040 will der Verein klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, sei eine "Summe von kleinen Schritten notwendig". Den mit Abstand größten Anteil der CO2-Emissionen des Vereins machen die An- und Abreisen der Zuschauer zu den Heimspielen aus, diese Emissionen sind für die Volleys aber nur indirekt beeinflussbar.
Der Austragungsort für Heimspiele, die Max-Schmeling-Halle liegt in einem Wohngebiet, es gibt wenig Parkplätze. Das Gros der Zuschauer kommt deshalb mit dem ÖPNV zu den Heimspielen der Profi-Herrenmannschaft. "Selbst wenn wir also die Zuschauerzahlen linear steigern würden, verschlechtert das nicht im gleichen Maße unseren CO2-Footprint." Gleichzeitig wisse man, dass so lange der komplette ÖPNV in Berlin nicht komplett nachhaltig sei, die Zuschauer weiterhin für einen signifikanten CO2-Footprint sorgen werden, den der Verein letztlich nicht beeinflussen kann.
Beliebte Klatschpappen sind mittlerweile zu 100 Prozent recycelbar
Deswegen widmet man sich erst einmal kleineren Maßnahmen, um in anderen Bereichen die Emissionen zu senken. "Jede Kilowattstunde oder jedes CO2-Äquivalent zählt dabei“, so Weller. Die für die Choreographie eines Volleyballspiels wichtigen Klatschpappen für die Zuschauer wurden etwa nicht abgeschafft, sind aber seit einiger Zeit nicht mehr mit Plastik beschichtet und können daher komplett recycelt werden. Im VIP-Bereich der Halle gibt es mittlerweile Mehrwegbecher, neben Fleischgerichten werden unter anderem auch verstärkt vegane Speisen angeboten.
Auch Themen wie Bewusstseins- und Verhaltensänderung adressieren der Verein und sein Titelsponsor, Berlin Recycling, aktiv, etwa mit der Durchführung eines ersten Zero Waste Spieltags in der Max-Schmeling Halle mit über 5000 Besuchern. Hierfür wurden etwa eigene Trennsysteme entwickelt, über zwei Drittel der Abfälle konnten so problemfrei in die Kreislaufwirtschaft überführt werden. "Wir sehen hier schon Erziehungseffekte, etwa dass Besucher sich gegenseitig darauf hinweisen, für welche Trennbehälter welche Abfälle gedacht sind", verdeutlicht Weller. Dieses Konzept soll auch bei anderen Großveranstaltungen zum Einsatz kommen. Für die Idee des Zero Waste Spieltags wurde Berlin Recycling mit dem ZfK-NachhaltigkeitsAWARD 2025 in Gold in der Kategorie Entsorgung ausgezeichnet.
Eigene Arbeitsgruppe mit Sponsoren zum Thema Nachhaltigkeit
Mittlerweile erstellen sowohl Berlin Recycling als auch die Berlin Recycling Volleys eigene Nachhaltigkeitsberichte nach DNK. Der Geschäftsführer von Berlin Recycling, Sascha Förster, sieht in der Einbindung der Sponsoren beim Thema Nachhaltigkeit auch ganz gezielt Chancen, um Mehrwerte über das bloße Sponsoring hinaus zu generieren. "Das erfolgt etwa über den gegenseitigen Austausch auf Fachebene, etwa in einer eigenen Arbeitsgruppe zum Thema Nachhaltigkeit, in der auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Beirat sitzen“, sagt Förster. Vor allem die praktischen Umsetzungserfahrungen aus verschiedenen Branchen seien ein großer zusätzlicher Benefit dieses Netzwerks. Der Wissenstransfer führe in Summe dazu, dass teils auch Schulungskosten in den Unternehmen eingespart werden könnten.
"Man wird Sponsor, weil man sich davon einen Mehrwert verspricht. Und man bleibt Sponsor, wenn man diesen Mehrwert auch erzielt“, bringt es abschließend Anette Weller auf den Punkt. Man habe in Teilen ähnliche Herausforderungen und lerne dabei voneinander und unterstütze sich gegenseitig bei der Umsetzung und Bewältigung.


