Der Mannheimer Energieversorger MVV bietet mit der "Geldanlage Windenergie" ein festverzinsliches Anlageprodukt an.

Der Mannheimer Energieversorger MVV bietet mit der "Geldanlage Windenergie" ein festverzinsliches Anlageprodukt an.

Bild: © MVV

Von Klaus Hinkel

Der Mannheimer Versorger MVV Energie spürt im laufenden Geschäftsjahr die Auswirkungen der schwachen Konjunktur. "Wir bewegen uns weiterhin in einem schwierigen Umfeld, bei dem außen- und innenpolitische Unwägbarkeiten die bereits angespannte gesamt- und energiewirtschaftliche Lage zusätzlich verschärfen", sagte Konzernchef Gabriël Clemens anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025 (1. Oktober 2024 – 30. Juni 2025).

Sowohl die Umsatzerlöse als auch das operative Ergebnis gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spürbar zurück. So sank der bereinigte Umsatz um eine Milliarde Euro auf 4,9 Milliarden Euro. Ausschlaggebend seien vor allem rückläufige Großhandelspreise sowie niedrigere Absatzmengen bei Strom und Gas gewesen.

Volatiles Geschäft mit Erneuerbaren-Projekten

Das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted EBIT) ging auf 323 Millionen von zuvor 385 Millionen Euro zurück. Zwar profitierte der Konzern von regulatorisch bedingten höheren Erträgen bei den Netzgesellschaften und einer höheren Verfügbarkeit der Erzeugungsanlagen. Doch schwächelt das Projektentwicklungsgeschäft für erneuerbare Energien.

"Das ohnehin volatile Projektentwicklungsgeschäft für erneuerbare Energien ist derzeit national wie international durch eine Zurückhaltung bei Investitionen und Finanzierungen gekennzeichnet", sagte MVV-Energie-Chef Clemens.

Im Projektentwicklungsgeschäft hatte die Projektierungstochter Juwi in den USA im vergangenen Jahr drei PV-Projekte vermarktet, die aktuell in Umsetzung sind. Insbesondere im US-Markt führten jedoch veränderte politische Rahmenbedingungen zu Unsicherheiten, hieß es auf ZfK-Nachfrage. Dies erschwere die Entwicklung neuer Vorhaben. Im deutschen Markt zeige sich ebenfalls eine Zurückhaltung, die auch die Wirtschaftlichkeit von Wind- und PV-Projekten beeinträchtige.  

Schwaches Windaufkommen belastet zusätzlich

"Bei der Erzeugung der Erneuerbaren verzeichnen wir geringere Stromerlöse aufgrund eines im Vergleich zum Vorjahr geringeren Windaufkommens", erläuterte ein Unternehmenssprecher. In der Stromerzeugung der Thermischen Abfallbehandlung seien die Stromerlöse preisbedingt zurückgegangen. Ein weiterer Faktor für den Gewinnrückgang: Im Bereich Kundenlösungen habe das Commodity-Services-Geschäft in den ersten beiden Quartalen des Vorjahres noch Ergebnisbeiträge aus großhandelspreisbedingten Mehrerlösen erzielt, die nunmehr nicht mehr eintraten.

In der Folge passen die Mannheimer ihren zuvor kommunizierten Korridor für die Ergebnisprognose nach unten an. Der Energiekonzern geht nun für das gesamte Geschäftsjahr 2025 von einem bereinigten EBIT in der Bandbreite von 350 bis 370 Millionen Euro aus. Bisher hatte das Unternehmen mit einem bereinigten operativen Ergebnis von 350 bis 400 Millionen Euro gerechnet.

Trotz des derzeitigen Gegenwinds im Tagesgeschäft hält MVV Energie an seinen ehrgeizigen Investitionsplänen fest. Im Berichtszeitraum wurden 301 Millionen Euro investiert, rund 50 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Schwerpunkte sind der Ausbau der dekarbonisierten Wärmeversorgung sowie die grüne Stromproduktion. 

EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie zügig umsetzen

Angesichts der anhaltenden Verunsicherung am Markt forderte Konzernchef Clemens die schwarz-rote Koalition zum Handeln auf. Die Bundesregierung müsse "dringend durch verlässliche Rahmenbedingungen für Stabilität sorgen, etwa durch eine zügige Umsetzung der EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie in nationales Recht oder den Aufbau eines Marktes für Negativemissionen“, erklärte der MVV-Chef.         

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