Die Naturstrom AG hat das Geschäftsjahr 2022 mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzes und einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen, das teilte das Energieunternehmen mit Sitz in Düsseldorf diesen Mittwoch auf seiner Bilanzpressekonferenz mit.
Das Ergebnis nach Steuern legte demnachn deutlich zu und beläuft sich auf 24,7 Mio. Euro.
„Das gibt uns im laufenden Jahr die Luft, zugleich die Preise für unsere Kund:innen deutlich zu senken und trotz erhöhter Liquiditätsanforderungen im Energiehandel unsere Projekte konsequent weiterzuverfolgen“, erläutert Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender von Naturstrom. Dazu würde auch die sehr solide Eigenkapitalbasis in der Unternehmensgruppe beitragen, die sich nun dem Ziel von 20 Prozent annähern würde.
Die Umsatzerlöse kletterten auf den Rekordwert von 737 Mio. Euro gegenüber 451 Mio. im Vorjahr, was jedoch wesentlich durch die im vergangenen Jahr massiv gestiegenen Beschaffungskosten für Energie zurückzuführen ist.
„Anders als Stadtwerke“: Glaubwürdig für die Energiewende
Auf der Pressekonferenz grenzte sich Oliver Hummel auch von den Stadtwerke-Konkurrenten ab. Gefragt wurde er von einem Journalisten, was denn Naturstrom noch von den Stadtwerken Düsseldorf unterscheide, die gerade mit 100 Prozent Ökostrom werben. Seine Antwort: „Wir stehen voll hinter der Energiewende.“ Man würde nicht nur Zertifikate einkaufen, sondern auch in den EE-Ausbau investieren und nicht für fossile Geschäftsmodelle den Forstschritt bremsen.
Gute Gesetzesänderungen für EE-Ausbau
Mit der aktuellen politischen Entwicklung zeigte sich Hummel zufrieden. Es sei gut, dass die Politik jetzt Veränderung umsetzte und es nicht wie in der Vergangenheit, bei dem Definieren von Zielen belasse.
„Die Regierung hat viele kleinere Gesetzesänderungen angestoßen, die den Erneuerbaren-Ausbau beschleunigen, die werden in der öffentlichen Debatte jedoch wenig wahrgenommen.“ Stattdessen werde viel über die Wärmepumpe gesprochen, wobei doch längst klar sei das an ihr perspektivisch nichts vorbeiführe.
Leichter Rückgang in der Kundschaft
Zum Jahresende 2022 belieferte Naturstrom rund 325.000 Kund:innen. Allerdings verlor der Versorger nun im ersten Halbjahr im Saldo bis zu 7.000 Kund:innen. Zum Jahreswechsel war eine deutliche Preiserhöhung nötig geworden. Seit einigen Wochen sei man nun dabei, neue Kundschaft zu akquirieren.
„Die breite Aufstellung mit Energieerzeugung und -belieferung unter einem Dach hat sich als Stabilitätsanker erwiesen“, resümiert Vorstandsvorsitzender Hummel. „So konnten wir bis zur Einführung der Erlösabschöpfung unsere eigenen Anlagen preisdämpfend für unsere Stromtarife einsetzen und die Bestandskund:innenpreise bis Ende 2022 relativ stabil halten.“
Mit Kapitalpuffer aus 2022 raus
„Wir freuen uns, dass wir jetzt in den aktuellen Zeiten der Entspannung an den Energiemärkten die Preise senken konnten“, so Finanz-Vorständin Sophia Eltrop. „Dass wir die Möglichkeiten hierzu haben würden, war im auslaufenden Jahr 2022 noch höchst unsicher – nicht zuletzt, weil bis in den November hinein eine rückwirkende staatliche Erlösabschöpfung im Gespräch war. Hinzu kommt, dass die Preisschwankungen im Energiegroßhandel – auch die nach unten – Unsicherheiten im Markt mit sich bringen und daher einen deutlich größeren Kapitalpuffer erfordern.“
Klage gegen RWE-Eon-Deal wird nicht weiterverfolgt
Naturstrom hatte mit zehn anderen Unternehmen gegen ein milliardenschweres Tauschgeschäft von RWE und Eon geklagt. Im Mai wies das Gericht der Europäischen Union (EuG) die Klage jedoch ab. Naturstrom erklärte damals, man würde eine Beanstandung prüfen.
Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen nun, man habe sich entschieden, gegen das Urteil keine Berufung einzulegen. Andere Kläger würden dies jedoch noch in Betracht ziehen. „Wir haben das Gefühl, dass man uns in Brüssel versteht“, erklärte Vorständin Kirsten Nölke. Allerdings sei das Gerichtsurteil dann anders ausgefallen und habe die Marktmacht von RWE zementiert: „Leider hat hier David gegen Goliath verloren.“ (pfa)



