Lena Engel ist Head of Sustainability und Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Joschka Fischer & Company in Berlin.

Lena Engel ist Head of Sustainability und Senior Consultant beim Beratungsunternehmen Joschka Fischer & Company in Berlin.

Bild: © Joschka Fischer & Company

Ab 2026 müssen Unternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten und entweder einer Bilanzsumme von mindestens 20 Mio. Euro oder einem Umsatz von mindestens 40 Mio. Euro einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, sprich für das Geschäftsjahr 2025. Europäischer Rat und Europäisches Parlament haben sich Ende Juni auf eine Ausweitung des Kreises der Berichtspflichtigen verständigt. Die Vorgabe betrifft damit auch eine Vielzahl kommunaler Unternehmen. Die Zeit bis dahin sollten die Kommunalversorger nicht ungenutzt verstreichen lassen, appellierte kürzlich die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew). Im ZfK-Interview spricht Lena Engel, Head of Sustainability beim Beratungsunternehmen Joschka Fischer & Company, über die größten Hürden und Erfolgsfaktoren.

Frau Engel, was sind in Ihrer Einschätzung die größten Herausforderungen in den Vorbereitungen zur Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts?
Lena Engel:
Zum einen gibt es eine regulatorische Veränderung durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Unternehmen verpflichtet absehbare Anforderungen, wie beispielsweise die Erstellung einer Wesentlichkeitsanalyse, proaktiv anzugehen. Zum anderen ist es, insbesondere für Mittelständische Unternehmen eine große Herausforderung Nachhaltigkeit strategisch und prozessual zu verankern. Relevante Standards und ein klares Commitment der Geschäftsführung helfen dabei.  
 

Ein großes Thema ist die Erhebung von Daten. Dazu gehört ein System, das ermöglicht, in einen Reporting-Modus zu kommen.

Worum geht es da genau?
Erstmal geht es darum sich ein Bild zu machen und eine Vielzahl an Rahmenbedingungen, Initiativen und Reporting-Standards zu verstehen. Sie beinhalten sehr komplexe und vielschichtige Themenstellungen, die für kleine Unternehmen sehr herausfordernd sind. Häufig sind die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ein guter Einstieg. Beim Reporting haben sich international vor allem die Global Reporting Initiative-Leitlinien (GRI) durchgesetzt.

Mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) haben wir aber auch einen sehr guten deutschen Standard, der besonders für den Mittelstand ein gutes Rahmenwerk darstellt. Das nächste große Thema ist natürlich die Erhebung von Daten, um Kennzahlen im ökologischen, sozialen und im Governance-Bereich transparent zu machen. Dazu gehört auch ein System, das ermöglicht, in einen Reporting-Modus zu kommen und Verbesserungen und Verschlechterungen aufzeigt, und so als Instrument der Unternehmenssteuerung eingesetzt werden kann.

Letztendlich brauchen gerade kleine Unternehmen eine Vision, auf die man hinarbeitet.

Alle Bereiche eines Unternehmens sind von dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung betroffen, wie wichtig ist Akzeptanz im Unternehmen als Erfolgsfaktor?
Ganz zentral. Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Stakeholder müssen mitgenommen werden. Da nahezu in allen Bereichen Daten erhoben werden, funktioniert das nur, wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit an Bord sind. Das ist eine große Aufgabe, alle gleichwertig mitabzuholen. Dafür gibt es natürlich verschiedene Strategien, die Schaffung von Verantwortlichkeiten und einer zentralen Anlaufstelle durch einen Nachhaltigkeitsverantwortlichen, Nachhaltigkeitsboards, die Bildung von Peer Groups, und regelmäßige interne Kommunikation. Letztendlich braucht man eine Vision, auf die man hinarbeitet – gerade für kleine Unternehmen. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die man da transportieren muss.

Wie anspruchsvoll ist es für kleinere Unternehmen den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) umzusetzen?
Kleinere Unternehmen sind sicher per se nicht aufgestellt dafür, dass sie das einfach so aus dem Stegreif abdecken können. Als Berichtsstandard ist es das Ziel des DNK Orientierung zu geben und Dinge auch zu vereinfachen. Die Stadtwerke Dessau etwa haben ihn genau aus diesem Grund gewählt. Außerdem richten sich Standards an regulatorischen Vorgaben aus und erleichtert somit die Erfüllung von Vorgaben, wie beispielsweise die CSRD. Aber natürlich setzt jede Form von Berichterstattung die Schaffung passender Strukturen und Kapazitäten – ggf. auch durch externe Partner, wie im Fall der Stadtwerke Dessau – voraus.

Aufholbedarf sehe ich noch bei Aspekten, wie der strukturierten Erfassung von Diversity- und Inklusions-Kennzahlen.

Bei welchen Kriterien sehen Sie denn die größten Herausforderungen für Stadtwerke bei der Umsetzung?
Der Berichterstattung geht ein aufwändiger Prozess der Betrachtung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte voran. Fakt ist, dass Stadtwerke noch unzureichend berichten und sich dementsprechend noch nicht ausreichend mit dem Konzept der nachhaltigen Unternehmensführung auseinandergesetzt haben. Das ist alles noch ein bisschen Neuland für die Branche, das so strukturiert in einem Bericht aufzuzeigen.

Im Bereich Soziales sind Stadtwerke als Bindeglied vor Ort sehr stark im Bereich Engagement aktiv. Hier sehe ich noch Aufholbedarf bei anderen Aspekten wie beispielsweise der strukturierten Erfassung von Diversity & Inklusions-Kennzahlen. Grundsätzlich aber sind viele der Themen, gerade aus dem Bereich Klimaschutz und Dekarbonisierung, nicht neu für Stadtwerke. Insofern ist die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts einfach der nächste Schritt, dem sich Stadtwerke irgendwann so oder so stellen müssen.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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