Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Naturstrom 13,4 Millionen Euro erwirtschaftet und damit das drittbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erreicht. Der Umsatz beim Düsseldorfer Ökostromanbieter stieg von 481,4 Millionen Euro (2024) auf 533,2 Millionen Euro an. Für einen positiven Beitrag zum Jahresergebnis sorgte der gesunkene Materialaufwand.
"Die Verbesserung der Materialaufwandsquote resultierte insbesondere aus einer positiven Wirkung der Beschaffungsstrategie der Gesellschaft", sagte Vorständin, Sophia Eltrop, bei der Vorstellung des Jahresergebnisses vor Journalisten.
Bei den Haushalts- und Gewerbekunden bewegt sich Naturstrom nach eigenen Angaben bei 313.000. Naturstrom-Vorständin, Kirsten Nölke, sprach dabei von einer Seitwärtsbewegung seit gut sieben Jahren. Der Stromabsatz bewegt sich entsprechend: 948 Gigawattstunden im Jahr 2025 (2024: 945 Gigawattstunden). Einen Grund dafür sieht Nölke bei den Energieeinsparungen von Haushalten, die weniger Strom verbrauchen. Eine Trendwende erwartet Naturstrom mit der Elektrifizierung von Wärme und Mobilität.
Neue Tarifpalette
Um wieder zu wachsen, baut Naturstrom zudem seine Tarifpalette aus. Neu sei beispielsweise "Naturstrom Mix 30" mit Energiepreisgarantie bis 2030. Parallel setzt Naturstrom auf den dynamischen Tarif. Auch wenn dieser Tarif derzeit "etwas über 600 Kunden zählt", bezeichnet ihn Nölke als "ein wahnsinnig wichtiges Mittel, um fluktuierende Erneuerbare zu integrieren". Um durchzustarten, würden diesem Tarif allerdings noch einige Hindernisse im Weg stehen. Die würden bei den Netzbetreibern liegen sowie bei seiner geringen Bekanntheit. Dieser Knoten würde aber in den nächsten ein-zwei Jahren platzen, so die Erwartung der Naturstrom-Vorstände.
EmpCo ist kein Wettbewerbsvorteil
Wenig Impulse für den Vertrieb von Ökostrom, eher sogar "mehr Aufwand und mehr Rechtsrisiko" verbindet Vorstandschef Oliver Hummel mit EmpCo, der EU-Richtlinie gegen Greenwashing, die Ende September in Kraft tritt. Ein echter Vertriebshebel sei sie nicht, sagte er auf ZFK-Nachfrage. Im Gegenteil werde sie dem Unternehmen "viel Freude" bereiten, merkte er sarkastisch an, weil sie intern enorme Ressourcen binden würde.
Einen klaren Wettbewerbsvorteil erwartet er dadurch nicht, weil aus seiner Sicht am Ende fast jede positive Umwelt-Aussage potenziell angreifbar bleibe. Besonders kritisch sieht Hummel das bekannte Abmahn-Umfeld: Es gebe Akteure, die systematisch nach angreifbaren Stellen suchen und daraus Geschäftsmodelle machen.
Seine Sorge: Wer seriös über Umweltwirkungen spricht, muss künftig noch defensiver formulieren – während Unternehmen, die wenig Nachhaltiges zu berichten haben, am wenigsten Arbeit haben. Als Hoffnung bleibt aus seiner Sicht höchstens, dass Wettbewerber, die bislang "am Rande des Grauens" kommuniziert hätten, stärker eingehegt werden. Ob dieser Effekt tatsächlich eintritt, bezweifelt der Vorstandsvorsitzende, weil die Regeln seiner Einschätzung nach zu pauschal greifen.
Zum Stichtag am 1. Juli 2026 hat Naturstrom ein Direktvermarktungsportfolio mit 1128 Megawatt vorzuweisen. Aktuell liege die wirtschaftlich tragbare Mindestgröße der Anlagen häufig bei rund 300 Kilowatt, sagte Hummel auf ZFK-Anfrage. Ziel sei, künftig auch deutlich kleinere Mengen "vermarkten zu können" – dafür brauche es aber Automatisierung und Digitalisierung, auch über das Joint Venture "Handel Grün".
Auf die Ankündigung einiger Unternehmen angesprochen, in diesem Markt aktiv zu werden, bestätigte er eine gewisse Dynamik in diesem Segment. Zugleich stellt Hummel aber die Nachhaltigkeit und Beständigkeit "mancher jungen Anbieter" in Frage. Derzeit gäbe es nur wenige, die das prozessual wirklich leisten könnten, so Hummel zu der ZFK.
EEG: gute Ansätze – und neue Bremsen
Naturstrom begrüßt, dass die Entwürfe zu EEG und Netzpaket nach langer Wartezeit "endlich" im Verfahren sind, sieht aber "Leerstellen" und warnt: "Die Entwürfe enthalten einige gute Ansätze, es gibt aber auch noch Leerstellen – und vor allem drohen größere neue Hemmnisse", so Hummel. Kernkritikpunkt bleibe die geplante Erlösabschöpfung in der CfD-Logik: Hummel hält die Begrenzung von Erlösen zwar grundsätzlich für richtig, fordert aber Spielräume für PPAs und Direktbelieferung – "den Ökostrom aus unternehmenseigenen Wind- und Solaranlagen direkt zu günstigen Preisen an die Kund:innen zu liefern, ohne dann hohe Abschöpfungsbeträge zu bezahlen."
Beim Netzpaket bleibt aus Sicht des Unternehmens der Redispatch-Vorbehalt ein Unsicherheitsfaktor. "Der Netzbetrieb ist der Flaschenhals der Energiewende", fasste der Naturstrom-Vorstandsvorsitzende die Lage grundsätzlich zusammen. "Der Netzbetrieb ist der Flaschenhals der Energiewende. Als weitere Bremse sieht Naturstrom den geplanten Förderentfall für PV-Kleinanlagen und plädiert für die Reihenfolge: erst digitalisierte Prozesse und massentaugliche Direktvermarktung, dann Umstellung der Förderung.



