Durch den Abschluss zahlreicher Direktverträge mit Betreibern neu errichteter Solarparks und nicht mehr geförderter Windräder hat der Strommix von Naturstrom weiter diversifiziert (Symbolbild).

Durch den Abschluss zahlreicher Direktverträge mit Betreibern neu errichteter Solarparks und nicht mehr geförderter Windräder hat der Strommix von Naturstrom weiter diversifiziert (Symbolbild).

Bild: © Naturstrom AG

Sonderaufwendungen im Rahmen des Konzernumbaus und Sondereffekte aus Bestandsprojekten sowie bei der Neuausrichtung des Geschäfts mit nachhaltiger Wärmeversorgung im ländlichen Raum haben im vergangenen Geschäftsjahr den Jahresabschluss des Ökostromanbieters Naturstrom belastet. Auf Konzernebene fiel das Ergebnis mit 0,7 Mio. Euro (2019: 2,3 Mio. Euro) deutlich niedriger als im Vorjahr.

„Wir sind mit diesem Wert nicht wirklich zufrieden“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende Thomas Banning bei der Bilanzpressekonferenz. Das Ergebnis der im Vertrieb tätigen Muttergesellschaft sei hingegen mit 4,64 Mio. Euro (2019: 4,9 Mio.) befriedigend ausgefallen, die Höhe der Dividende bleibt unverändert. Der Umsatz in der Naturstrom-Gruppe lag 2020 bei rund 409 Mio. Euro (2019: 356 Mio.). Bei der Veranstaltung äußerte sich Banning auch zum Stand der Klage gegen den Eon-/RWE-Deal (siehe separater Artikel).
 

"Können uns vorstellen, in die Minderheitsbeteiligung zu gehen"

Als Reaktion auf die Marktentwicklung in der Energieerzeugung mit  neuen und großen Playern stellt Naturstrom diesen Geschäftsbereich neu auf und öffnet ihn für Beteiligungen und Investoren. Hierfür wurde die NaturEnergy KGaA als neue Führungsgesellschaft gegründet und mit ersten Beteiligungen ausgestattet. Bereits im nächsten Jahr wolle man Aktien ausgeben und das Unternehmen für Drittinvestoren öffnen, so Banning.

Der Naturstrom-Anteil an der eigenen Erzeugungstochter werde sich entsprechend reduzieren. „Wir können uns auch vorstellen, in eine Minderheitsbeteiligung zu gehen, vorausgesetzt wir bleiben der größte Gesellschafter.“ Als Partner kann er sich hierbei sowohl andere mittelständische Unternehmen aus dem Energiesektor als auch professionelle Anleger aus dem Bereich der Stiftungen und Kirchen vorstellen.

"Erheblicher Konzentrationsprozess in der Branche"

„Wir beobachten einen erheblichen Konzentrationsprozess in der Branche“, so Banning. Sowohl von großen Energieversorgern als auch von Seiten der Finanzinvestoren fließe viel Geld in den Erneuerbarenbereich. „Wir fühlen uns hier immer mehr an den Rand gedrängt, das wird verschärft durch das Ausschreibungsdesign“, erklärte er.

Hinzu kämen finanzielle Risiken aus langfristigen Stromlieferverträgen (PPA) und immer längeren Genehmigungsprozessen, die ein kleineres Unternehmen nicht mehr alleine schultern könne. „Wir haben genügend Kraft, um in diesem Markt zu bestehen, wir müssen uns aber entsprechend weiter professionalisieren“, sagte der Naturstromchef.

Energievertrieb bleibt Zugpferd

Als verlässliche Ertragssäule hat sich laut dem Unternehmen im vergangenen Jahr einmal mehr der Bereich Energiebelieferung erwiesen, Seit Kurzem sind 300.000 Kundinnen und Kunden unter Vertrag. Hinzu kommen weitere rund 20.000 Kundinnen und Kunden in der Tochtergesellschaft Change! Energy, die in ihren Produkten Öko-Energie mit einem sozialem Zusatznutzen kombiniert.

Der Stromabsatz an Haushaltskunden konnte auf 534 Mio. kWh (2019: 509 Mio. kWh) gesteigert werden, der Gewerbekundenabsatz war mit 404 Mio. kWh (2019: 422 Mio. kWh) rückläufig. Der Biogasbsatz legte deutlich zu auf 432 Mio. kWh (2019: 379 Mio. kWh).

Vorstand erwartet moderate Preissteigerungen beim Strom und deutliche beim Gas

Mit Blick auf die Sprünge bei den Börsenstrompreisen erwartet der für den Bereich Energielieferung zuständige Vorstand Oliver Hummel einen deutlichen Anstieg der Energiekosten bei allen Versorgern. Diese müssten aber nicht zwingend eins zu eins an die Kunden weiter gegeben werden, sagte er auf die Frage eines Journalisten. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium gebe es bereits Signale, dass die EEG-Umlage für das kommende Jahr um zwei Cent oder mehr sinken könnte.

"Das würde einen großen Teil der Kostensteigerung für Strom auffangen", so Hummel. Er rechne deshalb nicht mit Preissteigerungen für die Endkunden, die über das gewohnte Maß der vergangenen Jahre hinausgingen. Beim Gas hingegen erwarte er zum Jahreswechsel hingegen eine deutliche Anhebung der Preise im Markt.

Durch den Abschluss zahlreicher Direktverträge mit Betreibern neu errichteter Solarparks und nicht mehr geförderter Windräder hat sich zudem der Strommix für die Kunden noch einmal umfassender diversifiziert. Das Unternehmen halte mit dieser Beschaffungspraxis auch alte Windräder am Netz und ermögliche die Errichtung von Solaranlagen außerhalb des EEGs, heißt es. Der Strom stamme in diesem Jahr voraussichtlich zu 15 Prozent aus PV-Anlagen, zu 44 Prozent aus Wasser- und zu 41 Prozent aus Windkraft.

Mehrere Quartiersprojekte

Einzelne der neuen Lieferanlagen hatte Naturstrom vergangenen Jahr selbst außerhalb des EEG-Förderrahmens errichtet. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie mehrere Windenergie- und Photovoltaikprojekte realisiert.

Auch in der dezentralen Energieversorgung aus Wärmenetzen, Mieterstrom- und Quartiersprojekten hat der Anbieter zahlreiche neue Projekte umgesetzt und konnte nach eigenen Angaben die Aufbauarbeit der letzten Jahre fortsetzen.

Neben weiteren Mieterstromprojekten wurden mehrere Quartiersprojekte und ein weiterer Bauabschnitt eines bestehenden Nahwärmeprojektes in Markt Erlbach in die Umsetzung genommen. „Mit der Sektorenkopplung im Quartier, Mieterstrom oder auch kalten Nahwärmenetzen besetzen wir Zukunftsfelder einer dezentralen, subsidiär organisierten Energiewende“, erklärte Vorstand Tim Meyer, der diesen Bereich als Vorstand verantwortet.

Ab 2022 werden wieder bessere Ergebnisse erwartet

„Schon heute sind wir einer der bundesweit führenden Mieterstromakteure. Unsere Projektpipeline wächst und die Strukturen sind vorhanden, um diese sehr gute Position auch bei wachsendem Marktvolumen halten und ausbauen zu können.“

Das Unternehmen will laut dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Banning voraussichtlich nach 2021 die Restrukturierungsarbeiten abschließen. „Ab 2022 erwarten wir wieder bessere Ergebnisse.“ (hoe)

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