Von Hans-Peter Hoeren
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat gemeinsam mit den Leipziger Stadtwerken eine Power-to-Heat-Anlage in Betrieb genommen. Diese steht am Heizwerk Nord-Ost und soll überschüssigen Strom aus Wind- und Sonnenenergie nutzen, um damit Gebäude zu beheizen. Die Anlage hat eine Leistung von zehn Megawatt (MW), 50Hertz investiert rund vier Millionen Euro in das Projekt.
"Mit dem Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (EE) wird es häufiger Zeiten geben, in denen, abhängig von Sonnenschein und Wind, elektrische Energie im Überfluss entsteht und nicht vollständig über die Stromnetze abtransportiert werden kann", sagt Karsten Rogall, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke. Anstatt die EE-Anlagen abzuregeln, kann nun grüne Fernwärme aus diesen Überschüssen produziert werden. Im Gegenzug können wärmeerzeugende Kraftwerke wie das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in der Eutritzscher Straße herunterregelt werden, so Rogall weiter.
Auch mit BASF plant 50Hertz eine größere Anlage
Die Power-to-Heat-Anlage ist das bundesweit mittlerweile achte Projekt des Übertragungsnetzbetreibers; das größte wurde bisher mit den Hamburger Energiewerken in Wedel bei Hamburg umgesetzt und umfasst eine Leistung von rund 80 MW. Weitere Anlagen wurden unter anderem mit den Stadtwerken Neubrandenburg, Rostock, Stralsund, Parchim und jüngst in Halle realisiert, zwei weitere im Rahmen von Contractingprojekten gemeinsam mit dem Energiedienstleister Getec in Hamburg.
"Insgesamt sind mittlerweile rund ein Dutzend Anlagen in Betrieb oder vertraglich fixiert", teilte ein 50Hertz-Sprecher auf Anfrage mit. Auch mit weiteren Industrieunternehmen werde es Kooperationen geben, vor Kurzem wurde etwa ein Vertrag mit dem Chemiekonzern in BASF in Schwarzheide unterzeichnet, ein weiteres kommunales Projekt mit den Stadtwerken in Erfurt befindet sich im Bau.
Aktuell ist der Businesscase für Stadtwerke allein noch unwirtschaftlich
Insgesamt kann das Unternehmen mittlerweile so rund 200 MW für das Netzengpassmanagement nutzen. Laut eigenen Angaben ist 50Hertz, der einzige ÜNB der aktuell Power-to-Heat-Anlagen in Deutschland baut und betreibt. Sinnvoll ist die Nutzung nur in Gebieten mit hohem Erneuerbarenanteil, um bei entsprechenden Netzengpässen ein Abregeln überschüssiger Erzeugungsmengen über eine entsprechende Systemführung verhindern zu können.
Für die Umsetzung eines solchen Projektes ist laut Energiewirtschaftsgesetz immer erforderlich, dass ein in der Regel kommunaler Wärmeversorger mit KWK-Anlagen, diese entweder für die Wärmeversorgung oder auch für industrielle Prozesse nutzt. Dies ist die Voraussetzung für die Kopplung einer KWK- mit einer PtH-Anlage.
Aufgrund der anfallenden Netzentgelte und der hohen Investitionskosten sind die Anlagen derzeit für Stadtwerke nicht wirtschaftlich. Deshalb übernimmt 50Hertz die Aufwendungen komplett, die Kraftwerke müssen sich aber innerhalb von fünf Jahren amortisieren.
"Das Stromnetz wird doppelt entlastet"
"Unsere Systemführung bei Berlin kann die PtH-Anlage im Leipziger Norden zukünftig gemeinsam mit dem Kraftwerk in der Eutritzscher Straße über die Leitstelle der Leipziger Stadtwerke für das sogenannte Engpassmanagement einsetzen. Das entlastet das Stromnetz doppelt – durch zusätzlichen Stromverbrauch in der Power-to-Heat-Anlage und gleichzeitig geringere Strom- und Wärmeproduktion im Kraftwerk", sagt Dirk Biermann, Chief Operations Officer (COO) von 50Hertz. Der mitteldeutsche Raum eigne sich gut für dieses Konzept, weil es hier ein hohes Aufkommen an Windstrom und inzwischen auch große Freiflächensolaranlagen gebe.
"Da durch den Einsatz von Power-to-Heat-Anlagen der Verbrauch fossiler Brennstoffe für Heizzwecke reduziert werden kann, wird diese Technologie in Zukunft eine zunehmende Rolle in der Leipziger Wärmeversorgung und bei der Verwirklichung der Leipziger Klimaziele spielen", sagt Stadtwerke-Projektleiter Thomas Walther voraus.
Stadtwerke planen zweite PtH-Anlage
Es sei bereits eine zweite, 60 Megawatt starke Power-to-Heat-Anlage am Kraftwerksstandort Zentrum-Nord geplant. Ob diese Investition dann auch von 50Hertz finanziert wird, hängt davon ab, ob diese ebenfalls maßgeblich beim Netzengpassmanagement unterstützen kann. Die Region Leipzig sei grundsätzlich sehr geeignet für derartige PtH-Vorhaben, weil es dort mittlerweile einen hohen Erneuerbarenanteil gebe, beispielsweise durch den aktuell größten Freiflächen PV-Park in Deutschland in Witznitz mit 605 MW, heißt es von Seiten des Übertragungsnetzbetreibers.



