Durch die Umverteilung der Belastungen aus Netzgebieten mit hohem Anteil von Erneuerbaren-Anlagen sinken die Strom-Verteilnetzentgelte in vielen Regionen, besonders deutlich in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Bei der gewünschten Solidarisierung der Entgelte scheine es erste Erfolge zu geben, heißt es in einer jetzt vorliegenden aktuellen Auswertung des Datendienstleisters Enet.
Das Preisniveau nähere sich in einzelnen Bundesländern mit entsprechend viel regenerativer Energieerzeugung am Netz und solchen mit weniger fortgeschrittenem Ausbau demnach untereinander sichtbar an. Als Beispiel hierfür werden Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz genannt.
"Nullsummenspiel bei Stromnetzentgelten bisher noch nicht eingetreten"
Dass aber sogar bundesweit der bisherige Trend bisher relativ klar in Richtung Senkungen geht, hat auch Enet-Geschäftsführer Roland Hambach überrascht. "Das haben wir so nicht erwartet. Wir nahmen stattdessen an, dass über den Wälzungsmechanismus die Entlastungen bei den Stromverteilnetzentgelten in Gebieten mit hohem Anteil an Erneuerbarenanlagen über alle Netzgebiete umgelegt werden und wir so einen deutschlandweit ausgeglichenen Schnitt gesehen hätten“, erklärte er auf ZfK-Anfrage.
Dieses Nullsummenspiel sei aber bisher nicht eingetreten. Das vorläufige Bild könne sich aber noch dahingehend ändern, „dass wir in Gebieten mit geringem Erneuerbarenanteil auf Verteilnetzebene doch noch teils Erhöhungen der endgültigen Netzentgelte sehen werden“, sagte er.
Enet hat mittlerweile die Preisblätter von rund 350 Verteilnetzbetreibern zu den vorläufigen Stromnetzentgelten ausgewertet, das entspricht einer Gebietsabdeckung von über 95 Prozent.
Regionale Unterschiede
Stark entlastet werden dabei beispielsweise Gewerbekunden. Bei den kleineren Unternehmen im Strombereich sehe man mittlerweile Entlastungen beim Kleingewerbe von 11 Prozent und in der Mittelspannung von rund 10 Prozent. Bei Haushaltskunden in der Niederspannung wurden Senkungen zwischen 6,5 bis knapp 9 Prozent errechnet.
Die Entwicklung ist insgesamt regional unterschiedlich. Auch in Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Bayern profitieren Netzkunden von stark reduzierten Entgelten. Im Westen und Südwesten Deutschlands mit Ausnahme des Saarlands steigen die Durchleitungskosten dagegen, betroffen seien besonders Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, der Südwesten Niedersachsens sowie Hamburg.
Dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Preisniveau noch ändere, heißt es in der Analyse von Enet. Zumindest punktuell könnten sich noch starke Abweichungen ergeben, weil ein gewichtigerTeil der Preisblätter noch nicht vorliege. Auch weitere Anpassungen in den endgültigen Netzentgelten seien jederzeit möglich.
Große Herausforderung für die Vertriebe
„Für Stromvertriebe, die ohnehin permanent am wirtschaftlichen Limit kalkulieren, stellen Anpassungen der Netzentgelte und insbesondere deren Erhöhung eine große Herausforderung dar. Denn sie sind es am Ende, die ihren Kunden eine notwendige Preisanpassung ankündigen müssen“, so Hambach weiter. Schnell werde dann vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht und in einen scheinbar günstigeren Tarif gewechselt.
„Der erste Lieferant mit einer Preisanpassung riskiert also seine Kundenbindung. Dabei hat der Wettbewerb womöglich noch eine alte Preisstellung und muss kurz darauf ebenfalls anpassen. Man könnte auch sagen: Wer zuerst zuckt, verliert.“
Deutliche Steigerungen bei den Gasnetzentgelten
Beim Gas hingegen zeichnen sich laut Enet drastische Steigerungen bei den Netzentgelten ab von 20 bis teils 24 Prozent für Haushalts- und Gewerbekunden. Hier waren Stand gestern 435 von 687 Preisblättern der Verteilnetzbetreiber ausgewertet, das entspricht einer Gebietsabdeckung von über 92 Prozent.
Ein Grund für die Steigerungen könnte laut Enet sein, dass bereits einige Gasnetzbetreiber von den geänderten Abschreibungsregeln (Stichwort Kanu-2.0-Richtlinie) Gebrauch machen. Zusätzlich könnten auch reduzierte Gasflüsse im vergangenen milden Winter preissteigernd gewirkt haben, da sich die anfallenden Netzkosten auf geringere durchgeleitete Gasmengen verteilen. Neben den anhaltend hohen Beschaffungskosten erschwerten diese Faktoren Gasvertrieben ihre Kalkulation erheblich, heißt es weiter. (hoe)



