Von Pauline Faust
Aus einer losen regionalen Kooperation wird ein gemeinsames Unternehmen – zusammen mit zwei größeren Partnern. Neun südniedersächsische Energieversorger und die Städtischen Werke aus dem nordhessischen Kassel gründen den "Stadtwerke Verbund Südniedersachsen" (SVS). Zweck der Zusammenarbeit soll der Ausbau der erneuerbaren Energien in Südniedersachen und angrenzenden Regionen sowie die Entwicklung weiterer energiewirtschaftlicher Projekte sein, teilten die Versorger mit.
Das neue Unternehmen baut auf der losen Kooperation "Stadtwerke Verbund Südniedersachen" der Energieversorger aus Duderstadt, Bovenden, Clausthal-Zellerfeld, Leine-Solling, Uslar, Hann. Münden, Einbeck und Northeim. Neben dem Kasseler Versorger ist die Harz Energie ebenfalls Gründungsmitglied der neuen Kooperationsgesellschaft.
Vorbild für den SVS soll ein bestehendes Projekt der Städtischen Werke aus Kassel sein, die Stadtwerke Union Nordhessen (Sun). Die Sun gibt es seit 2011 als Zusammenschluss von nordhessischen Stadtwerken; sie hat bereits mehrere Windparks und große PV-Freiflächenanlagen gebaut.
"Als loser Zusammenschluss haben wir schon in der Vergangenheit Kompetenzen gebündelt und gemeinsame Projekte realisiert", erklärt Stefan Poehling, Geschäftsführer der Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld und des SVS. "Aber für wirklich große Bauvorhaben im Bereich der Erneuerbaren fehlen uns die Erfahrungen und Ressourcen. Mit zwei großen Partnern können wir gemeinsam ganz andere Projekte umsetzen."
"Gerade die Städtischen Werke aus Kassel haben in den vergangenen Jahren eine in der gesamten Region kaum erreichte Kompetenz und ein wertvolles Know-how aufgebaut, dass wir gerne für die Energiewende in Südniedersachsen nutzen möchten", ergänzt Bernd Cranen, Geschäftsführer der Stadtwerke Einbeck. "Egal, ob Flächenakquise, Entwicklung bis zur Baureife, den eigentlichen Bau, die Umsetzung von echten Bürgerbeteiligungen und dann die Betriebsführung, die Städtischen Werke haben auf allen Feldern viel Erfahrung"
Das Ziel: Beteiligung und Profite vor Ort
Projekte der Sun und künftig der SVS zeichnen sich durch ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung aus. Das Risiko der Projektentwicklung und des Baus geht grundsätzlich auf die Sun-Mitglieder. Wenn ein Projekt dann erfolgreich abgeschlossen ist, holt der SVS wie bei der Sun regionale und lokale Partner mit ins Boot. "Wir geben einen Großteil der Anteile der Projektgesellschaften ab an Bürgerenergiegenossenschaften, Kommunen und umliegende Energieversorger. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass die Akzeptanz der Energiewende davon abhängt, dass die Menschen mitgenommen werden. Wer mit einem Windrad leben soll, muss die Chance haben, davon zu profitieren", erklärt Olaf Hornfeck, Vorstand der Städtischen Werke aus Kassel.
So funktioniert das Projektprinzip bei den SVS: Zunächst werden geeignete Flächen akquiriert. Im nächsten Schritt gründen die SVS-Mitglieder, die das Projekt umsetzen möchten, ein projektspezifisches Konsortium. Hat ein SVS-Mitglied kein Interesse, muss es sich nicht beteiligen. "Jeder der SVS-Partner soll für sich entscheiden, ob ein Projekt interessant ist und welche Risiken übernommen werden. Niemand soll gezwungen werden, die freie Wahlmöglichkeit ist das Prinzip. Das heißt auch, dass die Anteilsverteilung der Partner im Konsortium anders gewichtet sein kann als im SVS selbst", erläutert Konrad Aichner, Geschäftsführer der Harz Energie, die Arbeitsweise des SVS.
Hann. Münden übernimmt den großen Teil der kaufmännischen Dienstleistungen
Die Gesellschaft wird in Hann. Münden ihren Sitz haben. Die dortigen Versorgungsbetriebe werden auch einen großen Teil der kaufmännischen Dienstleistungen erbringen. Die zwei Geschäftsführer Marc Pfütz und Stefan Poehling stellen die Versorgungsbetriebe Hann. Münden sowie die Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld, also zwei Unternehmen der ursprünglichen Kooperation. Das soll die regionale Nähe gewährleisten.
Partner halten unterschiedliche Anteile
Jeweils sechs Prozent der SVS-Anteile halten die Stadtwerke Uslar, Leine-Solling, Clausthal-Zellerfeld sowie die Gemeindewerke Bovenden und die Eichsfelder Entwicklungs- und Projektgesellschaft. Mit zehn Prozent beteiligen sich die Stadtwerke Einbeck und Northeim sowie die Versorgungsbetriebe Hann. Münden VHM. Die beiden größeren Partner mit je 20 Prozent der Geschäftsanteile sind die Harz Energie und die Städtischen Werke aus Kassel.


