Die Teilprivatisierung der Wärmesparte der Stadtwerke Neumünster (SWN) befand sich bereits auf der Zielgeraden. "Die Verträge waren ausverhandelt und der SWN-Aufsichtsrat hatte dem Projekt zugestimmt – nur die Entscheidung des Rates stand noch aus", sagt SWN-Geschäftsführer Michael Böddeker. Dennoch hat der Kommunalversorger aus Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche überraschend bekannt gegeben, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.
Grund war ein möglicher Bürgerentscheid, der laut SWN das Projekt deutlich verzögert und für das Unternehmen zu hohe Folgekosten verursacht hätte. Die SWN hatten die Wärmesparte in die Tochtergesellschaft MBA Neumünster GmbH ausgliedern wollen. An dieser sollte sich der langjährige Geschäftspartner, der Entsorgungskonzern Remondis, mit 49 Prozent beteiligen.
"Eine Entscheidung in diesem Jahr war die Grundvoraussetzung für alle Beteiligten"
„Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass das Projekt der richtige Weg für die SWN-Wärmesparte und die Stadt Neumünster ist“, so Böddeker. Zwischenzeitlich habe die Bürgerinitiative „Unsere SWN unsere Wärme“ mitgeteilt, über die notwendigen Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu verfügen. Damit sei eine politische Entscheidung der Ratsversammlung noch in diesem Jahr nicht mehr realisierbar.
„Eine Entscheidung in diesem Jahr war Grundvoraussetzung aller Beteiligten, daher werden wir das Projekt jetzt beenden. Dem SWN-Aufsichtsrat, unserem Oberbürgermeister und unserem Kooperationspartner Remondis haben wir dies bereits mitgeteilt“, erklärte Böddeker.
SWN reagierten mit eigener Infokampagne auf Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative
Laut der Initiative hätten die SWN mit einem Teilverkauf der Wärmesparte die Kontrolle über einen wichtigen Teil der Daseinsvorsorge abgegeben. Außerdem bemängelte sie, dass mit dem Projekt Neumünster auf lange Sicht auf die Müllverbrennung als Wärmequelle festgelegt gewesen wäre und hatte dies als kontraproduktiv das Erreichen der städtischen Klimaziele gesehen. Bis 2035 will die Stadt klimaneutral sein.
Auf die Unterschriftensammlung der Initiative hatten die SWN mit einer eigenen Informationskampagne reagiert. Dabei habe manan Info-Ständen und in den Stadtteilbeiratssitzungen, großes Verständnis und Zuspruch für das Wärme-Projekt erfahren, so Böddeker.
Die SWN hatten seit Mai 2020 an einer Neuaufstellung der Wärmesparte gearbeitet. Der Einstieg von Remondis hätte laut einem Artikel des „Holsteinischen Courier“ die Wärmesparte der SWN mit „einem zweistelligen Millionenbetrag gestärkt“.
SWN kooperieren seit längerem bereits mit Remondis
Die SWN und Remondis arbeiten bereits seit längerem beim Betrieb der Anfang der 2000er Jahre eröffneten mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) zusammen. Hier wird ein Drittel des Mülls aus Schleswig-Holstein aufbereitet. Dieser wird anschließend in Dosencontainer gepresst und in der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) verbrannt.
Für die gemeinsame Neuaufstellung wären das SWN-Kraftwerk und die MBA (mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage) in der SWN Wärme GmbH zusammengefasst worden. Das Ziel des Projektes war die Stärkung des SWN-Konzerns und zugleich die Optimierung der Wärmeversorgung in der Stadt Neumünster.
„Bereits durch die globale Pandemie kam es zu einer längeren Unterbrechung der Verhandlungen. Mit der jetzigen erneuten Verzögerung ist ein Abschluss in diesem Jahr nicht mehr realisierbar“, erklärt der SWN-Geschäftsführer. Wesentliche wirtschaftliche Eckpunkte der Verträge müssten erneut bewertet und verhandelt werden, was zu erheblichen Aufwendungen bei SWN führen würde. „Der Ausstieg aus dem Projekt ist somit der richtige und angebrachte Schritt, auch wenn er uns schwerfällt.“
"Wir werden neue Wege gehen, um die Wärmeversorgung noch optimaler zu gestalten"
Wie es mit der Wärmeversorgung in Neumünster weiter geht, ist laut Böddeker noch nicht entschieden. „Die gute Arbeit der Kolleginnen und Kollegen ist nicht verloren, es konnten viele Chancen und Potentiale im Bereich der Wärme aufgedeckt werden. Wir werden neue Wege finden und auch gehen, um die Wärmeversorgung für Neumünster noch optimaler zu gestalten.“
Bei der Erweiterung der Partnerschaft mit der Remondis sei es nicht nur um zusätzliches Kapital, sondern vielmehr auch um den Know-How-Transfer im Bereich der Wärmeerzeugung gegangen, teilen die SWN auf ZfK-Anfrage mit. Man werde daher die kommenden Monate nutzen, um neue, strategische Wege für eine klimafreundliche und tragfähige Wärmeversorgung zu entwickeln. Man denke in alle Richtungen, auch Wärme- oder Erdbeckenspeicher, aber auch ein regionales Beschaffungsportfolio könnten dabei Teil der Lösung sein. (hoe)


