Thermische-Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) der Stadtwerke Neumünster.

Thermische-Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) der Stadtwerke Neumünster.

Bild: © SW Neumünster

Die Stadtwerke Neumünster (SWN) wollen ihre Wärmesparte in die Tochtergesellschaft MBA Neumünster GmbH ausgliedern. An dieser soll sich der langjährige Geschäftspartner, der  Entsorgungskonzern Remondis, mit 49 Prozent beteiligen.

Noch im Mai soll der Aufsichtsrat grünes Licht geben. Doch mittlerweile regt sich Protest gegen das geplante Vorhaben, eine Klima-Initiative plant laut Lokalmedien nun eine Unterschriftensammlung. Das Ziel: ein Bürgerbegehren gegen die Teilprivatisierung.

Ein Drittel des Mülls aus Schleswig Holstein wird in Neumünster aufbereitet

Die SWN und Remondis arbeiten bereits seit längerem beim Betrieb der Anfang der 2000er Jahre eröffneten mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) zusammen. Hier wird ein Drittel des Mülls aus Schleswig-Holstein aufbereitet. Dieser wird anschließend in Dosencontainer gepresst und in der Thermischen Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) verbrannt.

Mit der dort erzeugten Fernwärme werden rund 20.000 Haushalte in Neumünster versorgt. Im Winter kommen teils noch Zusatzkessel für Öl, Kohle und Gas zum Einsatz. Die Kohleverfeuerung endet Ende 2022.

An der MBA GmbH hält Remondis seit längerem 26,3 Prozent der Anteile, die TEV aber gehörte zur Stadtwerke Neumünster GmbH. Vorgesehen ist nun, die TEV in die MBA GmbH zu überführen, das Fernwärmenetz und die Kunden bleiben bei der Stadtwerke GmbH. Für die Aufstockung der Beteiligung zahlt Remondis einen entsprechenden Betrag an die SWN.

Böddeker: "Beseitigen Webfehler im System"

„Wir brauchen kein Geld. Wir beseitigen damit einen Webfehler im System, MBA und TEV hätten von Anfang an in eine Gesellschaft gehört“, erklärte SWN-Chef Michael Böddeker auf ZfK-Anfrage. Die Maßnahme hänge nicht mit den hohen Verlusten der Krisenjahre 2017 und 2018 zusammen.

Die Klima-Initiative spricht nun von einem Verkauf des städtischen Tafelsilbers. „Die Stadt kann nicht bis 2035 klimaneutral werden, wenn sie noch 100 Jahre Müll verbrennt“, heißt es. Die Gruppierung will die Energieversorgung und -erzeugung dezentralisieren und auf erneuerbare Energien umstellen.

Abfall-Aufbereitung im Wirbelschichtverfahren

Die Konstellation aus MBA und TEV sei energetisch hocheffizient, hält dem die SWN entgegen. Der Abfall werde im Wirbelschichtverfahren verbrannt, beide Anlagen verfügten über sehr gute Emissionswerte zum Teil unterhalb der Nachweisgrenze.

Durch die Verwendung der Ersatzbrennstoffe würden pro Jahr knapp 90.000 Tonnen Steinkohle eingespart. Die TEV könne mindestens 15 bis 20 weitere Jahre laufen.

„Durch die Kooperation mit Remondis sichern wir den Stoffstrom für die Anlagen. Wir arbeiten seit 20 Jahren gut zusammen und wollen das ausbauen“, führt Michael Böddeker weiter aus. Natürlich wollten auch die Stadtwerke im Wärmebereich einen signifikanten Beitrag zum städtischen Ziel der Klimaneutralität bis 2035 leisten.

Aufwertung durch Wärmespeicher denkbar

„Wir denken dabei aber nicht nur an eine dezentrale Wärmestrategie“, so Böddeker. Denkbar sei mittelfristig etwa eine Aufwertung des Betriebsstandorts von MBA und TEV vor den Toren der Stadt mit einem Wärmespeicher. Auch der Betrieb eines Erdwärme-Beckenspeichers sei nach wie vor eine Option.

In der 80.000-Einwohner-Stadt Neumünster wird am 9. Mai ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Die Klimainitiative hat den Aufsichtsrat der SWN aufgefordert, seine Entscheidung bis nach der Wahl zu vertagen. Nach heutigem Stand wird das Aufsichtsgremium im Mai einen Beschluss fassen, die Ratsversammlung entscheidet dann voraussichtlich im September. (hoe)

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