Bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit geringerem Einkommen in Osnabrück entwickeln und schaffen – das ist die Aufgabe der im vergangenen Jahr gegründeten Wohnungsgesellschaft „Wohnen in Osnabrück“ (WiO). Erste Projekte des 100-prozentigen Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück (SWO) nehmen bereits Form an. Alleine in den kommenden fünf Jahren sollen rund 100 Millionen Euro in verschiedene Bauvorhaben investiert werden. Bis 2030 sollen im Auftrag der Stadt rund 1000 neue Wohnungen gebaut werden.
Im aktuell größten Baugebiet der Stadt, dem neuen Landwehrviertel, ist der Bau eines bereits vor der Gründung der WiO projektierten Mehrfamilienhauses mit 22 Wohneinheiten schon weit vorangeschritten, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der SWO. Bauherr ist die Stadtwerke-Tochter ESOS, die das Baugebiet entwickelt. Die WiO erhält jedoch Belegrechte für 20 Prozent des Wohnraums in dieser Immobilie zu vergünstigten Mieten. Der Einzug der ersten Mieter ist für Mitte des Jahres geplant.
Neuartiges Wohnprojekt
Im Landwehrviertel sollen mittel- bis langfristig 200 bis 250 Wohnungen für die neue Wohnungsgesellschaft entstehen.
Ein neuartiges Wohnprojekt plant die WiO zudem in direkter Nachbarschaft: Am Eversburger Friedhof entstehen rund 150 Wohneinheiten in vier größeren Mehrfamilienhäusern. Im Projekt „Große Eversheide“ sollen auch die Voraussetzungen geschaffen werden, um mehrere Wohngruppen für junge Menschen mit Einschränkungen anzubieten. Angedacht ist ein Wohnprojekt, in dem die Bewohner weitestgehend selbstbestimmt leben können.
40-20-40-Regelung als Maßstab
Wie an der „Großen Eversheide“ sollen auch in den weiteren WiO-Projekten die Quotenregelungen bezüglich der Mietpreise gelten, die der Rat der Stadt Osnabrück der Wohnungsgesellschaft mit auf den Weg gegeben hat. 40 Prozent der Wohnungen werden preisgebunden zu einer Kaltmiete von 5,80 Euro pro Quadratmeter vermietet und weitere 20 Prozent zu 7,20 Euro pro Quadratmeter. Die restlichen 40 Prozent des Wohnraumes gehen zu Mieten von ein wenig mehr als zehn Euro pro Quadratmeter auf den Markt.
„Damit schaffen wir sozial ausgeglichene Quartiere“, sagen die WiO-Geschäftsführer Marcel Haselof.(Stadtwerke Osnabrück) und Holger Clodius (Stadt Osnabrück).
Die 40-20-40-Regelung soll in Zukunft auch in den anderen WiO-Projekten gelten, beispielsweise am Schinkelbad. Auf Teilen der ehemaligen Liegewiese und der Fläche der ehemaligen Neuapostolischen Kirche sollen hier für die Wohnungsgesellschaft drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt rund 30 Wohneinheiten entstehen.
Mieterbeirat berät WiO-Geschäftsführung
Weit vorangeschritten ist derweil die Etablierung des Mieterbeirates – damit kommt die WiO einer Vorgabe des Rates nach. Das Mieterauswahlgremium soll insbesondere bei der Vergabe des geförderten Wohnraums mitwirken. Durch das Aufstellen von Kriterien zur Wohnungsvergabe soll es für eine „diskriminierungsfreie, transparente Vermietung“ sorgen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Beratung der WiO-Geschäftsführung.
„Die Besetzung des Beirates ist ganz bewusst in der Mehrzahl durch externe Experten besetzt worden, die uns helfen werden, insbesondere bei der Mieterauswahl die richtigen Entscheidungen zu treffen,“ erläutert Marcel Haselof.
Die Stadt Osnabrück ist in den vergangenen Jahren um rund 8.300 Einwohner gewachsen, in den nächsten Jahren werden rund 3000 neue Wohnungen benötigt. In einem Bürgerentscheid 2019 hatten sich die Menschen in Osnabrück mehrheitlich für die Gründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft ausgesprochen. (hoe)



