Nach der Aufsichtsratssitzung am Abend des 2. Juli steht fest, dass die Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Stadtwerke DSW21, Heike Heim, ihren Posten räumen muss. Damit zieht der Aufsichtsrat Konsequenzen aus dem Abrechnungsskandal bei der Vertriebsmarke Stadtenergie, der die Energiesparte DEW21 in die roten Zahlen gebracht hat.
Auf Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Westphal (SPD) hat der Aufsichtsrat von DSW21 ihn damit beauftragt, mit Heim einen Aufhebungsvertrag zu vereinbaren.
Für die Ratsfraktionen der Grünen und der CDU sei der geplante Aufhebungsvertrag ein richtiger Schritt. "Als Vorstandsvorsitzende der DSW21 trägt sie die gesamtkaufmännische Verantwortung für das Unternehmen", teilten die Sprecher der Grünen Ratsfraktion, Katrin Lögering und Christoph Neumann mit. Diese werde sie jetzt mit der Zustimmung zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses übernehmen.
"Angesichts der vorliegenden Fakten ist die angekündigte Auflösung des Vertrags von Heike Heim richtig, notwendig und war überfällig", so der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund, Jendrik Suck. Es sei nun wichtig, neben der kompletten Aufarbeitung der Vorgänge bei DEW21 und Stadtenergie das Vertrauen bei ihren Kundinnen und Kunden und der Dortmunder Bürgerschaft zurückzugewinnen.
Einkaufsstrategie in der Kritik
Neben dem Abrechnungsskandal bei Stadtenergie erwähnen die Grünen auch die Bedeutung der Aufarbeitung der Entscheidungen bei langfristigen Energieeinkäufen zu Höchstpreisen, die in der Kritik stehen. Damals war Heim noch Vorsitzende der Geschäftsführung bei DEW21.
Im Rahmen der Vorbereitungen des Jahresabschlusses von DEW21 für das Jahr 2023 fielen zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen von Stadtenergie-Kunden auf. Kurz darauf wurde eine zuständige Führungskraft freigestellt, der Vertriebschef der Stadtenergie, Thomas Schönhoff, wurde zurück zur Muttergesellschaft abberufen, externe Wirtschaftsprüfer und Datenanalysten wurden engagiert.
Schwerer Schaden für DSW21
Den Dortmunder Mutterkonzern kommt der Skandal bei Stadtenergie, einer Vertriebstochter von DEW21, teuer zu stehen. DSW21 werde als DEW21-Anteilseigner (60,1 Prozent, Westenergie AG: 39,9 Prozent) "wirtschaftliche Konsequenzen tragen müssen", teilte das Unternehmen mit. So entfalle die erwartete Ausschüttung von der Energiesparte an DSW21 für das Geschäftsjahr 2023 in Höhe von 30 Mio. Euro.
Darüber hinaus verpflichtet sich DSW21, für 2023 die Kompensation der Ausschüttung an den weiteren Gesellschafter Westenergie AG in Höhe von 11,7 Mio. Euro zu übernehmen. Die finanziellen Auswirkungen auf DSW21 inklusive Steuern belaufen sich damit auf rund 46 Mio. Euro. (am)



