"Wir stehen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit der Rheinenergie.": Westenergie-Chefin Katherina Reiche und der Leiter Netze Deutschland bei Eon, Bernd Böddeling.

"Wir stehen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit der Rheinenergie.": Westenergie-Chefin Katherina Reiche und der Leiter Netze Deutschland bei Eon, Bernd Böddeling.

Bilder: © Westenergie/Eon

Frau Reiche, Westenergie hat über 130 Stadtwerkebeteiligungen. Im Zuge der Übernahme von Innogy durch Eon sind zum Teil Change-of-Control-Klauseln gezogen worden. Vereinzelt haben Städte die Anteile an lokalen Versorgern übernommen oder aufgestockt (siehe Radevormwald oder ELE in Gelsenkirchen), zum Teil gab es eine Neujustierung bestehender Partnerschaften. Wie fällt Ihre Bilanz hier aus und welche Bedeutung hat in diesem Kontext die Rheinland-Kooperation mit der Rheinenergie?

Katherina Reiche: Es ist uns durch viele Gespräche und Verhandlungen gelungen, die allermeisten Kommunen von der Fortsetzung der Partnerschaft mit der Westenergie zu überzeugen. Trotz der strukturellen Veränderungen ist das Vertrauen unserer Partner in uns weiter stark. Dieser Verpflichtung stellen wir uns sehr gern.

Reiche: "Immer mehr Kommunen möchten sich über Netzgesellschaften verstärkt engagieren."

Immer mehr Kommunen möchten bei der eigenen Energieversorgung mitwirken und sich über Netzgesellschaften verstärkt engagieren. Auch hier sind wir als Westenergie an ihrer Seite und gehen neue Wege. So können wir weiterhin unsere Kompetenz als Netzbetreiber und Energieversorger einbringen.

Welche konkreten Wachstumspotenziale bietet in diesem Zusammenhang die Rheinland-Kooperation, die Bündelung von über einem Dutzend Stadtwerkebeteiligungen der Rhein- und der Westenergie bei der Rhenag  und das geplante Kooperationsmodell?

Reiche: Durch unsere Kooperation mit der Rheinenergie profitieren in erster Linie unsere kommunalen Partner. Wir verfügen über unterschiedliche Stärken, die wir mit der geplanten Kooperation zusammenführen. So finden wir gemeinsam Antworten auf die Herausforderungen der Energiewende. Das bietet zusätzliche Chancen für die kommunalen Partner und Stadtwerke der Region, mit denen wir seit vielen Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Gemeinsam können wir unseren Kundinnen und Kunden zukünftig noch passendere Dienstleistungen und bessere Produkte anbieten. Und zufriedene Kundinnen und Kunden bleiben uns dann hoffentlich lange erhalten. Das stärkt auch die Westenergie nachhaltig. Rein bilanziell profitieren wir anteilig von den Ergebnissteigerungen der beiden Beteiligungsgesellschaften.

Reiche: "Die Bedeutung von Kooperationen zeigt sich gerade  bei der aktuellen Hochwasser-Katastrophe."

Wie wichtig sind Kooperationen für die Energiewirtschaft und die Stadtwerkebranche im Speziellen?

Reiche: Die Bedeutung von Kooperationen zeigt sich gerade auch in der aktuellen Krisen-Situation. Durch schwere Unwetter und Überflutungen ist es in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu Unterbrechungen in der Stromversorgung gekommen. Die Größe, Stärke und Kompetenz von Westenergie mit unserem Verteilnetzbetreiber Westnetz versetzt uns in die Lage, schnell und effizient auf die Katastrophe zu reagieren.

In den betroffenen Gebieten konnten wir an vielen Stellen die Stromversorgung auch unter allerschwersten Bedingungen bereits wiederherstellen – durch die Reparatur und Wiederinbetriebnahme ausgefallener Anlagen, durch den Einsatz von Notstromaggregaten oder durch Umleitungen. Und dies nicht nur in unserem eigenen Versorgungsgebiet.

Neben unseren kommunalen Partnerunternehmen unterstützen wir auch Kommunen und andere regionale Versorgungsunternehmen durch den Einsatz von Kolleginnen und Kollegen sowie durch Material. Ohne diese Kooperationen wäre der Wiederaufbau an vielen Stellen gar nicht möglich.

Böddeling: "Uns geht es um kommunale Nähe genauso wie um die Weiterentwicklung energiewirtschaftlicher Kompetenzen für eine starke rheinische Region."

Herr Böddeling, von einem Kooperationsmodell mit Alleinstellungsmerkmal war mit Blick auf die Rheinlandkooperation bei der Bilanzpressekonferenz der Rheinenergie im Juni die Rede. Was unterscheidet das Rheinland-Modell von den bisherigen Kooperationen in der kommunalen Energiewirtschaft und warum werden die beteiligten Stadtwerke von diesem Modell mehr profitieren als innerhalb der bisherigen Strukturen?

Bernd Böddeling: Wesentliche Beteiligungen von Westenergie und Rheinenergie in ländlichen Regionen sollen unter dem Dach der Rhenag zusammengeführt werden. Dabei wollen wir die unterschiedlichen Stärken der drei Partner zum gemeinsamen Nutzen der Gesellschaften verbinden. Durch die neue Ausrichtung sind wir deutlich besser für die vor uns liegenden Herausforderungen aufgestellt und können die Bedürfnisse unserer Kunden und Partner bestmöglich erfüllen.

Im dynamischen rheinischen Wirtschaftsraum wollen wir gemeinsam passende Lösungen entwickeln und arbeitsteilig auf die Straße bringen. Uns geht es dabei um kommunale Nähe genauso wie um die gemeinsame Weiterentwicklung energiewirtschaftlicher Kompetenzen für eine starke und wachsende rheinische Region.

Böddeling: "Die starke Rolle der Stadt Köln und die Möglichkeiten der kommunalen Einflussnahme bei der Rheinenergie bleiben erhalten."

Im Konsortialvertrag mit der Rheinenergie ist die Option einer Ausweitung der Rheinland-Kooperation auf Düsseldorf festgelegt. Sollte Eon jemals die Mehrheitsanteile an den Stadtwerken Düsseldorf von EnBW erwerben, müssten diese in die Rheinland-Kooperation eingebracht werden. Im Gegenzug könnte die Beteiligung der West- an der Rheinenergie auf bis zu 40 Prozent steigen. In nicht unbeträchtlichen Teilen der Kölner Lokalpolitik sieht man das kritisch und befürchtet deshalb künftig eine größere  Einflussnahme der Eon bei der Rheinenergie. Was erhoffen Sie sich konkret von diesem zweiten Entwicklungsschritt?

Böddeling: Wir stehen für eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit der Rheinenergie. Dieses war auch schon bisher das Fundament einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Hier wollen wir nun 20 Jahre nach der erstmaligen Beteiligung ein neues Kapitel schreiben und diese Partnerschaft weiter ausbauen. Die starke Rolle der Stadt Köln und die Möglichkeiten der kommunalen Einflussnahme bei der Rheinenergie bleiben in jedem Fall erhalten.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren. Das Interview wurde schriftlich geführt.)

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Mehr über die Rheinland-Kooperation und warum Branchenexperten in den nächsten Jahren eine deutliche Zunahme an Kooperationen erwarten, lesen Sie in der Augustausgabe der ZfK. Diese erscheint am kommenden Montag, 9. August. Zum Abo geht es hier.

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