Enorme Zusatzkosten in der Strom- und Gasbeschaffung haben den Überschuss bei den Technischen Werken Schussental (TWS) auf ein Fünftel des Vorjahreswerts schrumpfen lassen. Wie der Versorger mit Sitz in Ravensburg (Baden-Württemberg) bekanntgab, betrug der Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr 0,8 Mio. Euro. 2020 waren es 4,3 Mio. Euro gewesen.
Als "schmerzhaft" bezeichnete Geschäftsführer Andreas Thiel-Böhm die Einbußen auf der Bilanzpressekonferenz. Allerdings habe das Unternehmen sein Risikomanagement seitdem neu aufgestellt.
"Zurzeit praktisch keine Kundenabwanderungen"
Heißt: Zum einen tagt mittlerweile das interne Risikokomittee wochenweise oder in noch kürzeren Rhythmen statt wie früher quartalsweise. Zum anderen kauft der Versorger noch konservativer ein. Beschaffte er für das vergangene Jahr zu bei fest kontraktierten Mengen noch zu 80 Prozent langfristig, hat er sich für dieses Jahr ohne Berücksichtigung der Ausgleichsmengen nach eigenen Angaben bereits zu 100 Prozent eingedeckt.
Dabei kommt den Technischen Werken Schussental entgegen, dass die Angebote der Konkurrenz derzeit in der Regel deutlich teurer sind. "Im Moment kommt es praktisch nicht zu Kundenabwanderungen", sagte Thiel-Böhm. Vielmehr habe das Unternehmen infolge von Lieferstopps von Mitbewerbern allein im Laufe des zweiten Halbjahes gut 500 Haushalte in die Ersatzversorgung aufgenommen.
Risiken einer Langfriststrategie
Risikolos sei allerdings auch eine reine Langfriststrategie auf Dauer nicht, betonte der Manager. "Wir können uns nicht bis in alle Ewigkeit mit hohen Mengen eindecken", sagte er. Denn wenn die Strom- und Gaspreise an den Börsen dramatisch sinken würden, könnten Konkurrenten die Situation nutzen und Kunden mit deutlich billigeren Preisen umwerben. "Dann könnten wir auf zu Hochpreiszeiten kontrahierten Mengen sitzenbleiben. Dieses Risiko ist mindestens genauso groß wie das, das wir letztes Jahr hatten."
Die Technischen Werke Schussental hatten zu Beginn dieses Jahres ihre Gaspreise in der Grundversorgung um knapp 30 Prozent erhöht. Eine weitere Preisrunde kündigte Thiel-Böhm für Juli an. Den Neukundenvertrieb hat der Versorger stark zurückgefahren. "Wir konzentrieren uns zurzeit auf unser eigenes Netzgebiet", sagte er.
Komplette Gewinnausschüttung
Auch dank eines stark gestiegenen Gasabsatzes infolge eines außergewöhnlich kalten Winters 2020/21 sprangen die Umsätze der TWS um 15 Prozent nach oben und erreichten einen neuen Rekordwert von 176 Mio. Euro (2020: 154 Mio. Euro).
Seinen Gewinn schüttet das Unternehmen komplett an seine Anteilseigner aus. Das sind die Städte Ravensburg und Weingarten sowie der Karlsruher Energiekonzern EnBW. (aba)


