Es war ein wirtschaftlich gutes Jahr für die Stadtwerke Bochum, dieses Geschäftsjahr 2020. Am Ende stand ein operatives Ergebnis von 77,3 Mio. Euro (Vorjahr: 80,5 Mio. Euro).
Doch es hätte noch besser ausfallen können, wäre die Beteiligung des Versorgers an der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) nicht wertberichtigt worden. Die KSBG ist die Mutter des angeschlagenen Energiekonzerns Steag.
Steag drückt Ergebnis
21,2 Mio. Euro schlugen damit negativ zu Buche, wie Dietmar Spohn, Sprecher der Geschäftsführung auf der Jahrespressekonferenz erläuterte. Deshalb führen die Stadtwerke auch lediglich 56,1 Mio. Euro an die Stadt ab.
Deutlich zufriedener ist das Unternehmen mit anderen Beteiligungen, zuvorderst mit dem Gelsenkirchener Versorger Gelsenwasser und dem Bochumer Wohnungsunternehmen VBW Bauen und Wohnen. Mit insgesamt 37 Mio. Euro trug die Sparte zum Gesamtergebnis bei.
Investitionen in Erneuerbare
Viel versprechen sich die Stadtwerke künftig von ihrer Beteiligung am Trianel-Windpark Borkum II, der im Sommer 2020 vollständig ans Netz ging. Ferner hat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr mit etwa 20 Prozent an der neu gegründeten Gesellschaft Trianel Wind und Solar beteiligt.
"In den vergangenen Jahren haben wir bereits rund 400 Mio. Euro in Erneuerbare investiert", sagte Spohn. "In den kommenden Jahren werden noch einmal rund 120 Mio. Euro hinzukommen."
Ökostrom immer beliebter
Im umkämpften heimischen Strom- und Gasmarkt hätten sich die Stadtwerke als Nummer eins behauptet, berichtete Geschäftsführer Frank Thiel. "Wir liegen bei ungefähr 80 Prozent Marktanteil im Strom- und bei 78 Prozent im Gasbereich."
Positiv entwickelte sich insbesondere die im Herbst 2019 eingeführte Bochumer Ökostrom-Initiative. (Die ZfK berichtete.) "Etwas mehr als 30.000 Kunden haben sich für Ökostrom aus Wasserkraft entschieden", referierte der Stadtwerkechef. Das seien im Vergleich zum Vorjahr knapp 10.000 Kunden mehr.
Strom- und Gasabsatz rückgängig
Insgesamt verzeichneten die Stadtwerke bei Strom- und Gasabsatz Rückgänge. Im Strombereich waren es 2,52 Mrd. kWh und damit neun Prozent weniger als im Vorjahr. Thiel führte dies auf die wärmere Witterung und auf coronabedingte Effekte im Gewerbe- sowie teilweise auch im Industriesektor zurück.
Als einer der Vorreiter gelten die Stadtwerke im Bereich E-Mobilität. Mittlerweile betreiben sie 133 Ladepunkte im Stadtgebiet, davon 126 Normal- und sieben Schellladepunkte.
Aufwärtstrend bei E-Mobilität
Die Anzahl der Ladevorgänge sowie der geladenen kWh habe sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, sagte Thiel. So seien im vergangenen Jahr etwa 23.000 Ladevorgänge registriert und 306.000 kWh geladen worden. Aktuelle Zahlen zeigten, dass der Aufwärtstrend dieses Jahr fortdauere.
Noch würden die Stadtwerke mit dem Ladesäulengeschäft kein Geld verdienen, erklärte Thiel. "Wir hoffen aber, dass wir 2021 oder 2022 ausgeglichen sein können."
Videochats und Whatsapp
Die Bochumer haben die Corona-Krise genutzt, um sich noch digitaler aufzustellen. Die Stadtwerke-App sei inzwischen mehr als 37.000 Mal heruntergeladen, die Website erfolgreich modernisiert worden, sagte der Geschäftsführer.
Zudem setzen die Stadtwerke seit diesem Jahr auf Videochats und Whatsapp. Um die 50 Kunden hätten bislang Videochats genutzt, bei Whatsapp seien es 206 Kunden gewesen. "Das ist alles noch ausbaufähig, da muss man einen langen Atem haben", resümierte Thiel. "Wir sind aber überzeugt, dass das der richtige Weg ist." (ab)



