Die Stadtwerke Flensburg werden zum 1. April den Fernwärmepreis deutlich um durchschnittlich 18,7 Prozent anheben. Das zu 100 Prozent kommunale Unternehmen gibt damit nach eigenen Angaben aber nur einen Teil der massiv gestiegenen Beschaffungskosten für Erdgas, CO2-Zertifikate und auch Steinkohle an die Kund*innen weiter.
Um den Kostenanstieg für die Haushalte und das Gewerbe abzudämpfen, verzichte man auf einen Teil des Gewinns für das Geschäftsjahr 2021, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Gewinnprognose wurde entsprechend nach unten korrigiert, es wird aber dennoch ein insgesamt positives Ergebnis erwartet.
"Passen Beschaffungsstrategie an aktuelle Situation an"
Die Stadt Flensburg trägt als Alleingesellschafterin der Stadtwerke diesen Kurs mit und verzichtet auf eine Dividendenausschüttung für 2021. 98 Prozent aller Flensburger*innen werden mit Fernwärme versorgt.
„Bereits seit letztem Jahr mussten wir exorbitante Erhöhungen unserer Beschaffungskosten hinnehmen. Dies hat uns auch veranlasst, die Beschaffungsstrategie der Vorjahre an die aktuelle Situation anzupassen“, erklärte Stadtwerkechef Dirk Wernicke.
Preise steigen bei einer Wohnung im Schnitt um 12 Euro pro Monat
Unabhängig davon wolle man die hohen Beschaffungskosten nicht 1:1 an die Kunden weitergeben, sondern habe nach Lösungen gesucht, um die Situation für die Kund*innen erträglicher zu machen.
Deshalb werde man die Fernwärmepreise nicht so stark anzupassen, wie dies aus Kostengründen notwendig wäre. Zudem habe man die Preisanpassung bewusst an das Ende der Heizperiode gelegt. Die Preiserhöhung macht laut den Stadtwerken Flensburg bei einer Wohnung durchschnittlich 12 Euro und bei einem Haus 43 Euro pro Monat aus.
Auch niedrigere Stromerzeugung aus Erneuerbaren schlägt durch
Neben den höheren Beschaffungskosten sei im vergangenen Jahr erschwerend hinzugekommen, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in 2021 deutlich zurückgangen sei, heißt es weiter. Den Rückgang um rund 8 Prozent haben konventionelle Angebote wie Gas- und Kohlekraftwerke ausgeglichen, was aufgrund der gestiegenen Nachfrage ebenfalls den Preis nach oben trieb.
Für das laufende Jahr haben die Stadtwerke Flensburg laut Dirk Wernicke den „größten Teil des Erdgasbedarfes bereits zu festen Preisen gesichert“. Wie sich die hohen Beschaffungspreise auf den finalen und testierten Jahresabschluss 2021 auswirken, wird das kommunale Unternehmen im Juni kommunizieren. Erwartet wird, dass beim Ergebnis voraussichtlich ein positiver einstelliger Millionenbetrag erreicht wird. Dieser Wert werde aber unter dem ursprünglichen geplanten Jahresabschluss liegen.
"Dank breitem Brennstoffmix aktuell auf der sicheren Seite"
Unabhängig von den preislichen Rahmenbedingungen beschäftige die Stadtwerke aufgrund des Ukraine-Krieges und der Unsicherheit der russischen Gaslieferungen auch die Versorgungssicherheit. Aktuell seien noch drei Kohlekessel in Betrieb, so dass weiter Steinkohle zur Energieerzeugung eingesetzt werden könnten. Derzeit werde aber auch genügend Erdgas geliefert.
Grundsätzlich könnten die Stadtwerke Flensburg ihre Kohlekessel noch länger mit Steinkohle und auch Ersatzbrennstoffen betreiben und auf Erdgasfahrweisen verzichten, schreibt das Unternehmen. Bei Engpässen könnte leichtes Heizöl als Brennstoff eingesetzt werden. Unabhängig davon erzeugten die Stadtwerke auch heute schon über ihren Elektrodenheizkessel Wärme mit Überschussstrom. Mit dem oben beschriebenen, breiten Brennstoffmix befinde sich die Versorgung in Flensburg auf der sicheren Seite.
Die Umstellung der Energieproduktion auf erneuerbare Energien würden die Stadtwerke auf Basis ihrer aktuellen Strategie ebenfalls vorantreiben. Die darin beschriebenen Ziele sind zwar nicht von heute auf morgen umsetzbar, würden aber eine tragfähige mittelfristige Perspektive für die Unabhängigkeit der Energieversorgung von ausländischen Rohstoffen bieten. (hoe)


