Blick auf die 2010 in Dienst gestellte Motorfähre Lodi.

Blick auf die 2010 in Dienst gestellte Motorfähre Lodi.

Bild: © Stadtwerke Konstanz

Coronabedingt starke Einbußen im Bäder- und Fährebetrieb sowie im klassischen ÖPNV haben dem Konstanzer Stadtwerkekonzern im vergangenen Monaten einen Verlust vor Steuern von 2,4 Mio. Euro eingebracht (Vorjahr: plus 5000 Euro). Auch der Umsatz ging zurück: um zwölf Prozent auf 169 Mio. Euro.

Dabei verhinderten ein starkes Energiegeschäft, staatliche Zuschüsse, Sondereffekte und andere Gegensteuermaßnahmen ein noch größeres Defizit.

4 Mio. Fahrgäste weniger

Geschäftsführer Norbert Reuter zog deshalb insgesamt ein versöhnliches Fazit. "Wir sind bislang gut durch die Krise gekommen", sagte er auf der Bilanzpressekonferenz.

Wie in anderen Städten litt auch in Konstanz der ÖPNV massiv unter der Corona-Pandemie. Umsatz und Zahl der Fahrgäste im Busbetrieb brachen im Vorjahresvergleich um mehr als ein Viertel ein. Statt 14 Mio. Fahrgästen zählten die Stadtwerke im vergangenen Jahr nur noch zehn Mio.

Mehrkosten für LNG-Fähre

Die Krise hinterließ zudem im Fährebetrieb deutliche Spuren. Alle wesentlichen Indikatoren waren stark rückläufig. Mit einer Ausnahme: Die Zahl der Fahrradmitnahmen wuchs um neun Prozent.

Belastend wirkten zudem Verzögerungen beim Bau der LNG-Bodenseefähre, einem Prestigeprojekt des Unternehmens. (Die ZfK berichtete.)

Zuschüsse aus Konjunkturpaket

Die Stadtwerke hätten sich mit der beauftragten Werft verständigt, zweieinhalb Mio. Euro mehr zu zahlen als ursprünglich vereinbart, führte Reuter aus. Damit steigen die Kosten für die Fähre auf 20,2 Mio. Euro. Im Frühjahr 2022 soll das Schiff in Betrieb gehen.

Im Vergleich zu 2019 fiel das operative Ergebnis der Stadtwerke im Bus- und Fährebetrieb um vier Mio. Euro schlechter aus. Während der Fährebetrieb, in Vor-Corona-Zeiten eine Ergebnisstütze, nur knapp im Plus blieb, fielen die Verluste bei den Bussen noch stärker aus als früher. Allerdings linderten Zuschüsse für den Bundesbetrieb im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung das Defizit. Nach Unternehmensangaben wurden 90 Prozent der beantragten Mittel genehmigt.

Sondereffekt bei Bädertochter

Zu kämpfen hatten auch die Bädergesellschaft, eine Tochter des Stadtwerkekonzerns. Die Zahl der Besucher ging in fast allen ihrer Einrichtungen im Schnitt um die Hälfte zurück. Nur bei den Strandbädern gab es einen Zuwachs von sieben Prozent.

Trotzdem lag das Defizit von 4,5 Mio. Euro sogar knapp unter dem Vorjahresniveau. Verantwortlich sei dafür aber ein Sondereffekt gewesen, sagte Reuter. Denn sechs Jahre nach einem Brand im Schwaketenbad habe das Unternehmen vom Verursacher eine Versicherungszahlung von 1,7 Mio. Euro erhalten.

TK-Geschäft wächst

Als verlässlicher Gewinnbringer erwies sich einmal mehr der Energiesektor. 11,9 Mio. Euro steuerte die Sparte zum Ergebnis bei. Einen Großteil brachten dabei Erträge aus Strom- und Gasnetzen ein. Strom- und Gasabsatz gingen dagegen vorwiegend corona- und wetterbedingt im einstelligen Prozentbereich zurück. Der Stromabsatz lag bei 203 Mio. kWh, der Gasabsatz bei 1009 Mio. kWh.

Zufrieden zeigte sich Reuter mit den Verkaufszahlen im Bereich Telekommunikation. Diese seien um 15 Prozent nach oben gegangen. "Stand heute gehen wir davon aus, dass wir 2024 den Break-Even-Point erreichen und danach auch positive Erträge erwirtschaften werden", sagte er.

Noch mehr Investitionen in TK-Geschäft?

Es sei aber auch möglich, dass die Stadtwerke Möglichkeiten des novellierten Telekommunikationsgesetzes nutzen und nun deutlich mehr in den Ausbau investieren würden als bislang geplant. Heißt: Dann könnten sich erste Gewinne auch erst später realisieren lassen. (ab)

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