Rund 500 Mio. Euro investieren die Stadtwerke Konstanz in den nächsten Jahren in neue Nahwärmenetze. Diese spielen eine Schlüsselrolle bei der Wärmewende in der Universitätsstadt am Bodensee. Rund 60 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt in Höhe von rund 820 GWh soll künftig über Wärmenetze erfolgen.
Bis diese gebaut sind, werden aber noch einige Jahre vergehen. Um die Zeit bis zum Anschluss an das Wärmenetz zu überbrücken, werde man eine Art Gebrauchtwarenbörse für Gas- und Ölheizungen anbieten müssen, sagt Norbert Reuter, Geschäftsführer der Stadtwerke Konstanz, im Gespräch mit der ZfK.
Übergangslösungen gefragt
"Wenn jetzt ein Gaskessel oder eine Ölheizung bei einem Haushalt nicht mehr funktionsfähig ist, braucht man Übergangslösungen", sagt Reuter. Nur so werde man die Kunden davon überzeugen können, gewisse weitreichende Investitionen erst mal nicht vorzunehmen, weil sie später dann besser und günstiger an das entstehende Nahwärmenetz angeschlossen werden können.
Diese Gebrauchtwarenbörse werde in den nächsten Monaten entstehen müssen, ist der Konstanzer Stadtwerkechef überzeugt. "Wenn wir das nicht tun, werden dort Lösungen entstehen, die unsere Wirtschaftlichtkeitsbetrachtungen für unsere Wärmenetze ad absurdum führen werden", warnt er. Man müsse deshalb den betroffenen Gebäudebesitzern helfen, die Zeit bis zum Anschluss an das Wärmenetz zu überbrücken.
Großteil des Wärmebedarfs entfällt auf Altstadt
Man wollen den Bürgern bereits jetzt schnell aufzeigen, wo ein Wärmenetz entstehe und wo nicht. "Wir haben hier sechs Vorranggebiete definiert, die wir entsprechend priorisiert haben nach Kriterien wie Vorhandensein von Energieträgern, Wärmedichte, Verteilkosten, Vorhandensein von Ankerkunden wie der Wohnungswirtschaft und natürlich der Gebäudestruktur im Bestand". Daraus ergeben sich nun entsprechende Bedarfe.
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Rund 190 GWh des Wärmebedarfs in Konstanz entfällt allein auf die Altstadt. "Wir planen, dass wir die Altstadt über eine Nahwärmeinsel mittels der Nutzung von Seewasserwärme aus dem Bodensee und der Abwärme aus einer Kehrrichtverbrennungsanlage in der Schweiz künftig vollständig mit Wärme versorgen können". Dieses Projekt ergebe über 20 Jahre einen kumulierten positiven Deckungsbeitrag. "Das ist ein ganz wichtiger Baustein in unserer Planung". (hoe)
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