Seit 2020 gibt es die Stadtwerke Löhne. Hervorgegangen ist der kommunale Versorger aus den Wirtschaftsbetrieben Löhne, die für die Abwasserentsorgung, Stadtservice und Wasserversorgung in der Stadt zuständig waren. Mit der Umfirmierung will die hundertprozentige Tochter der Stadt Löhne Bürgernähe und Klimaschutz vorantreiben. Auch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder ist im Gespräch.
In drei Jahren will das Unternehmen mit 123 Mitarbeitern die Transformation abgeschlossen haben. Die ZfK hat mit dem Betriebsleiter der Stadtwerke, Matthias Kreft, über die bisherigen Erfahrungen gesprochen.
1. Matthias Kreft, 2019 sagten Sie, man diskutiere darüber, eigene Wärmenetze aufzubauen und sich auf regenerative Energien zu fokussieren. Wie ist nun der aktuelle Stand?
Die Umfirmierung als "Stadtwerke Löhne" ist für uns nicht nur ein Namenswechsel. Seit dem Prozess hat sich schon in vielen Bereichen eine Veränderung gezeigt: Bislang wurden die Löhner Blockkraftheizwerke von der Nahwärme-Bad Oeynhausen-Löhne GmbH betrieben. Zum 01.08.2020 wurden diese Anlagen von der neu gegründeten Energiesparte der Stadtwerke Löhne übernommen und werden dort nun betrieben und weiterentwickelt. Zurzeit versorgen wir mit 6 Blockheizkraftwerken viele öffentliche Gebäude wie das Rathaus, einige Schulen, das Hallen- und Freibad sowie einen Privatkunden. Geplant ist der Ausbau einer Leitung in die Innenstadt, um weitere städtische Gebäude wie die Musikschule, die Werretalhalle oder den Bahnhof anzuschließen. Dann wären auch Privathaushalte, städtische Mietswohnungen und Geschäfte als Abnehmer denkbar.
Wir sehen an dieser Stelle viel Potential für die nächsten Jahre. Dies gilt auch für den Bereich der Photovoltaik. Neben den PV-Anlagen auf den eigenen Dächern der Stadtwerke, sind nun schon auf vielen städtischen Gebäuden die Dächer mit Solaranlagen ausgerüstet. Dies wird auch bei all unseren Neu- und Umbaumaßnahmen mitbedacht und je nach Möglichkeit umgesetzt.
Bei Neuanschaffungen von Fahrzeugen werden "Verbrenner" durch Elektrofahrzeuge ersetzt, wo immer es die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge erlauben. Straßenbeleuchtung wird, wenn möglich durch klimaschonende LED-Beleuchtung ausgetauscht. Auch innerhalb unserer Organisation befinden wir uns in einem Reformprozess. Wir sind mitten in einem organisatorischen Wandel, denn mit den neuen Aktivitäten und dem neuen Selbstverständnis der Stadtwerke Löhne als "Rundumversorger" muss sich auch die Organisation anpassen.
2. Haben sich bereits weitere Geschäftsfelder herausgestellt, in denen die Stadtwerke aktiv werden wollen?
Die Stadtwerke Löhne möchten ergänzend zu den bisherigen Feldern Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Service mit Bauhof weiteren Themen der modernen Daseinsvorsorge widmen. Die Gas- und Nahwärmeversorgung, die Erzeugung und der Vertrieb von regenerativer Energie wurden von uns in den letzten 1,5 Jahren schon angegangen. Inwiefern sich dies noch erweitern wird, ist derzeit im Gespräch und muss gründlich analysiert werden. Wir fühlen uns aber bereit und sind offen für neue Aufgaben.
3. Haben Sie nach der Gründung Veränderungen in der Bürgernähe wahrgenommen? Welche Maßnahmen planen Sie, um sich in diesem Bereich noch weiter zu verbessern?
Die Umfirmierung ist offiziell zum 1.1.2020 geschehen und ist der Startschuss für viele Veränderungen gewesen. Leider wurden auch wir durch die Pandemie ausgebremst. Zu den Bürgern konnten wir aufgrund der Corona-Auflagen und zum gegenseitigen Schutz nur in sicherer Distanz Nähe aufbauen. Dennoch waren wir in dieser Zeit an vielen Projekten aktiv beteiligt: Sponsoring des Kulturadventskalenders, des Tierparks Herford und des Widufix-Laufs 2021, Umsetzung von Photovoltaikprojekten und die Spende von mehr als 1000 Trinkflaschen an Schüler, sowie der Aufbau eines Kundenportals.
Außerdem haben wir seit kurzer Zeit nun Auftritte in den sozialen Medien Facebook und Instagram. Dort stehen wir allen zum direkten Dialog zur Verfügung und bieten gleichzeitig Inhalte zu uns betreffenden Themen an. Wir werden weiterhin nach unserem Leitbild "Stark durch Nähe" handeln und freuen uns darauf, wenn wir bald wieder persönlich auf die Menschen vor Ort zugehen können. Diesen Fokus werden wir in Zukunft im Unternehmen noch intensiver betrachten.
4. Wie konnte die Gründung der Stadtwerke bisher zur Erreichung der Klimaziele der Stadt Löhne beitragen?
Mit dem Löhner Klimaschutzkonzept steht ein umfassendes Konzept mit detaillierten Maßnahmen für Löhne zur Verfügung, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Den Stadtwerken Löhne wird hierbei als Multiplikator und Vorbild gegenüber den Bürgern sowie den Unternehmen eine besondere Rolle zuteil. Mit dem freiwilligen Verzicht auf Glyphosat und andere Herbizide zur Unkrautbekämpfung haben wir uns schon vor Jahrzehnten diesem Gedanken verpflichtet. Die klimaschutzrelevanten Aspekte unseres Wirkens sollen aber nicht nur auf Einzelmaßnahmen beschränkt bleiben, sondern auf das gesamte künftige Leistungsportfolio der Stadtwerke ausstrahlen.
5. Welche Lernprozesse haben sich durch den Gründungsprozess ergeben? Was würden Sie anderen Städten raten, die ebenfalls Stadtwerke neu gründen wollen, gerade auch in kleineren Städten?
Für viele Löhner, aber auch unsere Beschäftigten, stellte sich zunächst die Frage nach dem "Warum". Die Wirtschaftsbetriebe waren ein bekannter und gesetzter Name in Löhne. Vieles hat sich aus gutem Grund bewährt und wird auch fortgeführt - doch das darf unseres Erachtens nach nicht zu Stillstand führen. Unsere Gesellschaft hat sich in vielerlei Hinsicht verändert und es war an der Zeit zu Handeln.
Durch die Umfirmierung wurde ein Zeichen für Veränderung gesetzt und es haben sich viele neue Chancen entwickelt. Eine Herausforderung ist es aber trotzdem, alle bei diesem Prozess mitzunehmen und die Beweggründe verständlich zu erklären. Aber das schafft man nach und nach durch viel Kommunikation. Aus der bisherigen Erfahrung können wir nur raten, nicht alles auf einmal anzugehen, weil man sich sonst schnell übernimmt und damit das gesetzte Ziel verfehlt. Außerdem sind ein transparenter Informationsfluss und intern ein offenes Ohr für mögliche Sorgen sehr wichtig.
Die Fragen stellte Julian Korb für die ZfK



