Laut Statkraft gewinnt das Geschäft mit langfristigen Stromlieferverträgen weiter an Bedeutung.

Laut Statkraft gewinnt das Geschäft mit langfristigen Stromlieferverträgen weiter an Bedeutung.

Bild: © Statkraft

Der norwegische Konzern Statkraft sieht sich nach einem von starken Preisschwankungen geprägten Jahr strategisch bestätigt und positioniert sich im deutschen Energiemarkt zunehmend als Anbieter integrierter Flexibilitätslösungen. Auf der Energiefachmesse E-World in Essen präsentierte sich das Unternehmen als Partner für ein Stromsystem, das durch steigende Anteile erneuerbarer Energien immer volatiler wird.

Bereits 2025 wurden mehr als 500 Stunden mit negativen Strompreisen registriert – ein neuer Rekord. Für Statkraft ist das kein Krisensignal, sondern ein Zeichen, dass die eigenen Fähigkeiten benötigt werden: "Je mehr Stress wir im System haben, umso stärker wird das Fundament gebraucht. Und das ist für uns unser Marktverständnis", betonte Stefan Jörg Göbel, SVP Germany & Country Manager von Statkraft, bei der Pressekonferenz während der diesjährigen E-World.

Stefan Jörg Göbel: "Je mehr Stress wir im System haben, umso stärker wird das Fundament gebraucht."Bild: © Starkraft

Seine strategische Antwort beschreibt der Konzern als integriertes Modell aus Energiehandel, erneuerbaren Energien, steuerbaren Kraftwerken und Speichern. Flexibilität sei dabei kein neues Geschäftsfeld, sondern historischer Kern des Unternehmens. "Flexibilität ist seit 130 Jahren Teil unserer DNA – angefangen bei Wasserkraftwerken bis hin zu hochmodernen Batteriesystemen von heute", sagte Göbel weiter.

Flexibilität ist seit 130 Jahren Teil unserer DNA.

"Paradigmenwechsel durch die Hintertür"

Trotz des Wachstums blickt das Management mit Sorge auf regulatorische Entwicklungen in Deutschland. Besonders kritisch bewertet Statkraft aktuelle Diskussionen über neue Netzsteuerungsmechanismen und mögliche Einschränkungen für erneuerbare Projekte in überlasteten Netzregionen. Der diskutierte Ansatz bedeute eine "Umkehrung des Verursacherprinzips" und gefährde Investitionsentscheidungen, hieß es auf der Pressekonferenz.

Ohne langfristige Planbarkeit werde Kapital zurückhaltender eingesetzt: "Sie haben ja keine Planbarkeit mehr – da wird keiner investieren." Noch deutlicher fiel die Warnung vor administrativ gesteuerten Preissignalen aus, die faktisch regionale Strompreiszonen einführen könnten. Dies wäre ein "Paradigmenwechsel durch die Hintertür" und komme einer Abkehr vom bisherigen marktbasierten Stromsystem nahe.

Das geleakte 34 Seiten langes Papier mit dem Titel "Netzanschlusspaket" des Bundeswirtschaftsministeriums sieht grundlegende Änderungen der großen Energiegesetze vor, darunter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Laut dem umstrittenen Papier soll Ausbau erneuerbarer Energieanlagen an den Ausbau der Netzkapazitäten geknüpft werden. Engpässe im Stromnetz sollen systematischer adressiert werden, statt Anlagen einfach "in Warteschlangen" zu schieben.

Zudem sollen Netzbetreiber Gebiete als kapazitätslimitiert ausweisen dürfen. Zahlreiche Verbände warnen jedoch, dass der Entwurf faktisch den Anschlussvorrang für Wind und Solar aushebelt und damit Investitions‑ und Planungssicherheit reduziert.

Langfristig bleibt Deutschland für Statkraft dennoch ein zentraler Wachstumsmarkt. Entscheidend sei jedoch politische Verlässlichkeit in einer Phase massiver Systemtransformation. Steigende Volatilität eröffne zwar neue Geschäftsmodelle für Speicher, Handel und flexible Erzeugung – sie erhöhe aber zugleich das Investitionsrisiko. Oder, wie es das Management zusammenfasste: "Risiko verursacht Kosten – und fehlende Voraussicht verursacht Kosten."

Mit einem Portfolio aus erneuerbarer Erzeugung, Speichern sowie steuerbaren Anlagen will das Unternehmen die Integration fluktuierender Energien in ein stabiles Versorgungssystem ermöglichen. In Deutschland betreibt Statkraft dafür unter anderem Gas-, Biomasse-, Wasser- und Pumpspeicherkraftwerke mit rund 1800 Megawatt Leistung.

Speichersegment wächst schnell

Besonders stark wächst derzeit das Speichersegment. Statkraft verfügt bereits über rund 240 Megawatt installierte Speicherleistung in Deutschland und treibt neue Projekte voran. Als Referenzprojekt gilt die Hybridanlage im sachsen-anhaltischen Zerbst, die im November 2025 ans Netz ging und 46,4 Megawatt Photovoltaik mit einem 16-Megawatt-Batteriespeicher kombiniert.

Solche Co-Location-Modelle erhöhen laut Unternehmen die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Anlagen deutlich, da überschüssiger Strom gespeichert und zu Zeiten höherer Preise vermarktet werden kann. Parallel prüft Statkraft große Stand-alone-Batterien an bestehenden Kraftwerksstandorten, dazu gehört ein möglicher 250-MW-Großspeicher in Landesbergen.

Auch das Geschäft mit langfristigen Stromlieferverträgen gewinnt weiter an Bedeutung. Statkraft baut sein Grünstrom-PPA-Portfolio aus und hat nach eigenen Angaben in Deutschland das Liefervolumen von grüner Energie an die Industrie auf rund 60 Terawattstunden bis 2039 erhöht. Industriekunden fragten zunehmend flexible Vertragsmodelle nach, erklärte Sascha Schröder, Vice President Central European Origination: "Der PPA-Markt entwickelt sich dynamisch. Während der Nachhaltigkeitsaspekt zur Selbstverständlichkeit geworden ist, rücken für Industriekunden zunehmend flexible Preis- und Laufzeitmodelle in den Vordergrund."

Unternehmen wie Benteler, Infineon, Leipa und Thyssenkrupp zählen inzwischen zum Kundenkreis. Parallel treibt Statkraft den Ausbau seiner Wind-Pipeline voran, die rund 2000 Megawatt umfasst, etwa zur Hälfte Repowering-Projekte mit bereits ersten Genehmigungen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg.

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