Auch der fünftgrößte Stromerzeuger Deutschlands, die Essener Steag, welche im Besitz eines Stadtwerke-Zusammenschlusses ist, hat sich auf den Weg zur Dekarbonisierung gemacht. Das Unternehmen betreibt eigene Erneuerbare-Energien-Anlagen (Photovoltaik nicht mitgerechnet) mit einer Leistung von gut 450 Megawatt (MW). Hinzu kommen weitere Anlagen, die Steag nicht gehören, für die das Unternehmen jedoch die Betriebsführung wahrnimmt.
Im Bereich der Photovoltaik ist Steag vornehmlich als Projektentwickler sowie Servicedienstleister und Betriebsführer national und international engagiert. Ein Schwerpunkt liegt auf den südeuropäischen PV-Märkten von Spanien über Italien bis Griechenland. Insgesamt belaufe sich die installierte Leistung aller PV-Projekte, d.h. auch solcher, die sich in einem frühen Planungsstadium befinden, auf rund 4,5 GW, so Steag-Sprecher Daniel Mühlenfeld gegenüber der ZfK.
Vorschauende Absicherung der Wärmeversorgung beim Kohleausstieg
4 Steinkohlekraftwerke des Unternehmens in Nordrhein-Westfalen und im Saarland liefern derzeit noch regulär Strom. Zwei weitere Kraftwerke sind von der Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft worden und stützen auf Anforderung des Netzbetreibers Amprion stunden- und tageweise das Stromnetz. Drei seiner noch regulär laufenden Steinkohlekraftwerke möchte der Versorger bis spätestens Ende Oktober 2022 – vorbehaltlich der Überprüfung einer möglichen Systemrelevanz - endgültig stilllegen, sodass danach nur noch der Kraftwerksblock Walsum 10 im nordrhein-westfälischen Duisburg am Markt sein werde, berichtet Mühlenfeld.
Wärmemauskopplung gibt es nur bei den verbliebenen Kraftwerken Herne 4 und Völklingen-Fenne. In beiden Fällen habe die Steag bereits langfristig Vorsorge getroffen, die Wärmeversorgung vorausschauend abzusichern, so Mühlenfeld. An der Saar werde u.a. die bisher ungenutzte Wärmeauskopplung der Abfallverwertungsanlage (AVA) Velsen erschlossen, die ab kommendem Herbst 170.000 MWh Wärme pro Jahr für den Fernwärmeverbund Saar (FVS) zur Verfügung stellen wird.
Stahlindustrie als wichtige Abnehmerin für grüne Wasserstoffprojekte
Im nordrhein-westfälischen Herne wird bis Mitte kommenden Jahres ein neues Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Betrieb gehen, das künftig die entsprechende Wärmeversorgung von rechnerisch 200.000 Haushalten im Ruhrgebiet übernehmen wird. Mit der Umstellung der Energieerzeugung am Standort Herne von Steinkohle auf Erdgas reduzieren sich die CO2-Emissionen in etwa um die Hälfte. Bereits heute kann die Anlage zu einem gewissen Anteil Wasserstoff mitverfeuern; eine Option auf Umrüstung des Brenners zwecks vollständiger Umstellung des Kraftwerks auf Wasserstoffbetrieb ist perspektivisch gegeben.
Laut Mühlenfeld entwickelt die Steag mit Partnern sowohl an der Ruhr als auch an der Saar Projekte zur Erzeugung grünen Wasserstoffs: In Völklingen-Fenne und Duisburg-Walsum spiele dabei jeweils die Stahlindustrie als Abnehmerin eine wichtige Rolle. Insofern leisten beide Projekte einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Stahlstandorts Deutschland. Darüber hinaus bestünden im Rahmen der Projektverbünde auch Kontakte in den Mobilitätssektor hinein. (hcn)



