Der studierte Jurist Jan Plathner hat bereits
zahlreiche Restrukturierungsprozesse von Unternehmen erfolgreich begleitet.

Der studierte Jurist Jan Plathner hat bereits zahlreiche Restrukturierungsprozesse von Unternehmen erfolgreich begleitet.

Bild: © Brinkmann & Partner

Nach dem Scheitern des Treuhänder-Modells mit der RAG-Stiftung haben die kommunalen Gesellschafter des Energiekonzerns Steag sich zeitnah auf eine Alternativlösung verständigt. Die Einigung erfolgte einvernehmlich, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft GmbH & Co. KG (KSBG).

Der Rechtsanwalt Jan Plathner, Partner der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Brinkmann & Partner, soll als Geschäftsführer einer Treuhändergesellschaft die Gesellschafteranteile übernehmen, den laufenden Restrukturierungsprozess der Steag begleiten und das Unternehmen bis 2023 für den Verkaufsprozess vorbereiten.

Der Steag-Konzern hat seinen Markenauftritt überarbeitet. Die neuen Blau- und Gelbtöne sollen leichter, frischer und dynamischer daherkommen. In Gänze soll das neue Corporate Design dynamisch und zukunftsorientiert sein.Bild: © Steag

Neuer Treuhänder gilt als Restrukturierungsexperte

In der KSBG sind die Gesellschafteranteile der Stadtwerke Bochum, der Dortmunder Stadtwerke (DSW21), der Stadtwerke Dinslaken, Duisburg und Essen sowie der Energieversorgung Oberhausen gebündelt.

Die Übertragung der Steag-Beteiligungen auf diese Treuhandgesellschaft geschieht unter dem Vorbehalt der jeweiligen Stadtwerke-Gremien. Diese müssen der neuen Treuhänderlösung nun alle noch zustimmen, ebenso die Stadtparlamente. Die Kanzlei Brinkmann & Partner bezeichnet sich auf ihrer Homepage als eine der führenden Restrukturierungs- und Insolvenzverwalterkanzleien.

Der studierte Jurist Jan Plathner soll sich durch den unternehmerischen Schwerpunkt in seiner Tätigkeit einen hervorragenden Ruf bei der Restrukturierung erworben und bereits zahlreiche Transformationsprozesse von Unternehmen erfolgreich begleitet haben.

Partnerbanken tragen neue Treuhänderlösung mit

"Wir sind uns mit den Partnerbanken einig, dass Herr Dr. Plathner die richtige Wahl ist, um den bereits eingeleiteten Transformationsprozess der Steag sowie die Konsolidierung von KSBG und Steag zu einem erfolgreichen Ende zu führen“, sagt Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender des Gesellschafters DSW21 und gleichzeitig Steag-Aufsichtsratsvorsitzender. "Seine langjährige Erfahrung als Treuhänder wird dabei sehr hilfreich sein."

Das grüne Licht von den Partnerbanken war hier entscheidend, diese hatten mit ihren Bedenken gegen eine zu große politische Einflussnahme letztlich das ursprünglich präferierte Treuhänder-Modell mit der RAG-Stiftung verhindert.

Sanierung der KSBG als zweite wichtige Erfolgsmeldung

Mindestens genauso wichtig aus Sicht der kommunalen Gesellschafter ist, dass parallel zu der Beauftragung des Treuhänders die Sanierung der Eigentümergesellschaft KSBG erfolgreich abgeschlossen wurde. Für diese bestand laut ZfK-Informationen zeitweilig sogar ein Insolvenzrisiko, weil die Bereitschaft der Kommunen, noch einmal in signifikanter Größenordnung Geld bereitzustellen, nicht vorhanden war.

Einige der Konsorten haben die Steag-Beteiligung gar nicht mehr in den Büchern oder zumindest weitestgehend abgeschrieben. Vier der sechs beteiligten Stadtwerke, DSW21, die Stadtwerke Duisburg, die Stadtwerke Essen sowie die Stadtwerke Dinslaken, werden Restrukturierungsbeiträge in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro in die KSBG einbringen. Das Engagement dieser Gesellschafter wird bei den zu erwartenden Erlösen bei einer späteren Veräußerung der Steag entsprechend berücksichtigt.

350 Mio. Euro an Krediten muss KSBG noch zurückzahlen

Die Konsorten hatten die Steag Anfang der 2010er Jahre für rund 1,2 Mrd. Euro gekauft. Der Erwerb wurde großteils über Kredite finanziert, rund 350 Mio. Euro an Darlehen müssen noch getilgt werden. Lange Zeit erfolgte die Tilgung der Kredite über jährliche Dividenden der Steag. Doch da diese 2021 und 2022 ausbleiben, funktioniert dieses Finanzierungsmodell nicht mehr. Die fehlenden Beträge müssen jetzt teils über Stundungen oder weitere Kredite finanziert werden.

Steag mit neuem Markenauftritt

In der Konzernkommunikation der Steag werden unterdessen aktuell vor allem die Fortschritte bei der Restrukturierung hervorgehoben. Die Veröffentlichung der Bilanz für 2020 steht indes noch aus, ein offizieller Termin ist bisher noch nicht bekannt. Um der laufenden Transformation auch visuell entsprechend Ausdruck zu verleihen, hat der Energiekonzern nun seinen Markenauftritt überarbeitet.

Man engagiere ich seit längerem mit Erfolg im Bereich der erneuerbaren Energien, der sich aktuell entwickelnden Wasserstoffwirtschaft sowie bei Lösungen zur Dekarbonisierung der Industrie, heißt es in einer Pressemitteilung.

Rumstadt: "Evolution statt Revolution"

„Steag stellt sich neu auf, konzentriert sich auf wachstumsträchtige, zum Teil auch neue Geschäftsfelder und Märkte“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Steag GmbH. Der Konzern setze dabei auf "Evolution und nicht auf Revolution".

Dazu gehört auch der erfolgreich vollzogene Abschied vom lange dominierenden Kraftwerksgeschäft. Bis Herbst 2022 werden alle Steinkohlekraftwerke der Steag in Deutschland vom Markt sein. Einzige Ausnahme ist das „junge“ Kraftwerk Walsum 10 in Duisburg, für das aktuell einen Brennstoffwechsel von Steinkohle auf Biomasse geprüft wird.

"Bewährtes soll erhalten bleiben"

Bei der neuen Marktpositionierung soll aber auch bewusst Bewährtes erhalten bleiben.  „Steag verfügt über immense Expertise bei Planung, Bau und Betrieb energietechnischer Anlagen, bei der Steuerung komplexer Prozesse und in Sachen Dekarbonisierung“, erläutert Christoph Dollhausen, Leiter des Steag-Marketings, die Herangehensweise. Diese bewährten Stärken nutze das Unternehmen, um sich auf den Wachstumsfeldern und-märkten der Energiewirtschaft von morgen zu behaupten.

Konkret haben sich das Unternehmenslogo und die Farbwelt sowie weitere gestalterische Elemente des Markenauftritts verändert. Grundsätzlich sei der Konzern der Hausfarbe Blau und auch dem kontrastierenden Gelb treu geblieben, setzt nun aber auf andere Farbtöne und andere Gewichtungen, heißt es. Die neuen Blau- und Gelbtöne kämen leichter, frischer und dynamischer daher. In Gänze sei das neue Corporate Design dynamisch und zukunftsorientiert.

"Schlanker, agiler, noch marktorientierter"

Gleiches gelte für das Logo, bei dem der schlankere Schnitt mit den strukturellen Veränderungen im Unternehmen korrespondiere: „Im Rahmen der Neuausrichtung werden wir in unserer Organisation schlanker, agiler und noch marktorientierter. Dabei sind wir bereits auf einem guten Weg“, so Joachim Rumstadt. (hoe)

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