Civey-Umfrage
Der Essener Energiekonzern Steag kommt bei seiner Sanierung und Transformation laut ZfK-Informationen weiterhin schneller voran als gedacht. Aufgrund der hohen Strom-Großhandelspreise laufen die verbliebenen Kraftwerke profitabel, das Unternehmen rechnet mit einem deutlich höheren Ebitda als im Vorjahr, im Bereich der Kohle sogar mit einem überproportional besseren Ergebnis.
Aufgrund dieser Fortschritte und der verbesserten Rahmenbedingungen für die Steag-Kraftwerke haben der Aufsichtsrat und die Kommunale Beteiligungsgesellschaft beschlossen, den im Laufe dieses Jahres ohnehin vorgesehenen Start des Verkaufsprozesses bereits jetzt einzuleiten. Bis Ende 2023 streben die kommunalen Eigentümer einen Verkauf des Unternehmens an.
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Der Investmentbank Morgan Stanley soll hierzu in Kürze der Auftrag für die Einleitung des Verkaufsprozesses erteilt werden. Diese soll in einem ersten Schritten im Rahmen eines sogenannten "Marketsoundings" ausloten, welche Investoren sich für einen Erwerb der Steag interessieren und zu welchem Preis.
Pehlke: "Der Verkauf der Steag erfolgt nur als Ganzes"
Die Investmentbank hat den Auftrag das komplette Unternehmen, sprich den grünen Bereich (unter anderem Erneuerbarenportfolio, Gaskraftwerke, Lösungen rund um Dekarbonisierung) sowie die Kohleaktivitäten als Gesamtpaket zu verkaufen. "Der Verkauf der Steag erfolgt nur als Ganzes", sagte der Chef der Dortmunder Stadtwerke und Aufsichtsratsvorsitzende der Kommunalen Verwaltungsgesellschaft (KSBG), Guntram Pehlke, gegenüber der ZfK.
So haben es auch der Aufsichtsrat und die KSBG beschlossen. Eine Filetierung des Unternehmens und ein jeweils separater Verkauf des schwarzen und des grünen Teils scheint allein mit Blick auf die starke Stellung der Arbeitnehmervertretung bei der Steag und des Einflusses des Chefs der mächtigen Gewerkschaft IG-BCE, Michael Vassiliadis, nur schwer vorstellbar. In der KSBG sind die Anteile der sechs kommunalen Steag-Eigner gebündelt.
Spekulationen über möglichen Unternehmenswert
Laut Berechnungen des Handelsblatts liegt der Unternehmenswert der Steag aktuell bei mehr als zwei Mrd. Euro. Dem stehen allerdings Pensionsrückstellungen in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro und eine halbe Milliarde Euro an Nettofinanzverbindlichkeiten gegenüber.
Wie zu hören ist, soll es aktuell auch Interessenten für den Kohlebereich geben, allerdings wird ein Teilverkauf der grünen Sparte im Markt als realistischer angesehen. Sechs Ruhrgebietsstadtwerke hatten die Steag Anfang der 2010er Jahre für rund 1,2 Mrd. Euro erworben. Die Finanzierung erfolgte großteils über Kredite. Die KSBG soll noch offen stehende Kredite im Umfang von rund 330 Mio. Euro in den Büchern haben.
Aufteilung in schwarzen und grünen Bereich geplant
Um die strategischen Optionen mit Blick auf die Investorensuche zu erhöhen, soll die Steag ab Anfang 2023 in einen "schwarzen" und in einen "grünen Unternehmensteil" aufgeteilt werden, das Unternehmen steht also noch vor einem herausfordernden Teilungsprozess.
Rund 1900 Mitarbeiter arbeiten aktuell im schwarzen Geschäftsbereich der Steag, weitere 3800 im grünen Teil. Dies hatte das Unternehmen im Mai anlässlich der Präsentation ihrer Jahresbilanz für 2021 bekannt gegeben. Das gesamte Kohlekraftwerksportfolio, einschließlich dem jungen Steinkohlekraftwerk Walsum 10 und den Anlagen im Ausland, soll Anfang kommenden Jahres gesellschaftsrechtlich und strukturell von dem regenerativen Wachstumsgeschäft getrennt werden. Beide Geschäftsfelder sollen aber weiterhin unter dem Dach der Steag weitergeführt werden.
Die Aufteilung sei bereits im Grundsatz beschlossen und mit allen beteiligten Stakeholdern, unter anderem den kommunalen Anteilseignern, der Gewerkschaft IG BCE, den Arbeitnehmervertretern und den Banken einvernehmlich abgestimmt worden, teilte die Steag im Mai mit. Die endgültige Entscheidung soll voraussichtlich Ende des Jahres fallen.
„Angesichts der zuletzt positiven wirtschaftlichen Entwicklung haben die Steag-Kraftwerke an Wert gewonnen. Die Chancen, dass das zweigeteilte Unternehmen als Ganzes verkauft werden kann, sind zuletzt deutlich gestiegen“ hatte der Steag-Vorstandsvorsitzende Andreas Reichel im Mai betont.
Stiftungslösung für Kohleaktivitäten als weitere Option
Denkbar wäre auch die Einbringung der Steinkohleaktivitäten in eine Stiftung. Eine derartige Lösung wäre laut Steag für einen Investor attraktiver, weil er den "schwarzen Teil" entweder selber weiterführen könne als Teil des Unternehmens oder aber an die Stiftung übertragen könnte. Gleichzeitig ließe sich in diesem Konstrukt mittelfristig auch der Rückbau der Kohlekraftwerke und ihrer Mannschaften organisieren.
Der Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung sieht vor, dass die Kohleverstromung in Deutschland idealerweise bis 2030 beendet werden soll. In diesem Zusammenhang soll auch die Errichtung einer Stiftung oder Gesellschaft geprüft werden, die den Rückbau der Kohleverstromung und die Renaturierung organisiert. Aktuell will der Energiekonzern mit Blick auf die Gaskrise für eine befristete Zeit weitere Krafterke aus der Reserve ans Netz bringen. Es geht um eine Erzeugungsleistung von 2300 MW.
Das in einer Restrukturierung befindliche Unternehmen hatte 2021 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Der Konzernumsatz erhöhte sich im Geschäftsjahr 2021 um 37,1 Prozent auf knapp 2,8 Mrd. Euro (2020: 2,0 Mrd.). Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern, das 2020 noch bei – 170,3 Mio. Euro gelegen hatte, stieg auf 307,6 Mio. Euro. (hoe)


