Die Kölner Rheinenergie AG lotet bereits die Optionen des Innogy-Deals von Eon und RWE aus. „Wir haben Gespräche dazu aufgenommen und prüfen intensiv, welche Folgen das für uns hat“, sagte Vorstandschef Dieter Steinkamp am Montag (2. Juli) auf der Jahrespressekonferenz in Köln. Die RWE-Tochter Innogy ist mit 20 Prozent an der Rheinenergie beteiligt. Mit dem Übergang des Anteilspakets auf Eon ergibt sich für den mehrheitlich kommunalen Versorgungskonzern die Möglichkeit, die Beteiligung zu überprüfen.
Mit RWE habe die Rheinenergie bisher einen Anteilseigner gehabt, mit dem die man die eigenen Ziele kompetent diskutiert habe. „Uns geht es darum, einen Partner zu haben, der uns strategisch sinnvoll begleitet. Wir fühlen uns nicht als Finanzbeteiligung“, erklärte der Rheinenergie-Chef weiter. Bisher habe Eon-Chef Johannes Teyssen aber noch nicht angerufen. Ohnehin müsse der Eigentümerwechsel ja erst formal vollzogen werden. Für die Branche bedeute der Deal „unterm Strich“ zwar eine weitere Konzentration. Doch gehe etwa im Vertrieb der Trend ohnehin weg von globalen Plattformlösungen und hin zu individuellen Systemdienstleistungen.
Ergebnisdelle durch Sondereffekte
Der Umsatz ohne Energiesteuer der Rheinenergie AG blieb 2017 mit rund 2,44 Mrd. Euro nahezu gleich, der Umsatz der Rheinenergie-Gruppe kletterte um fast 300 Mio. Euro auf 3,97 Mrd. Euro. Grund war hier eine Ausweitung der Absatzmengen bei der Handelsgesellschaft Rheinenergie Trading. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank auf 226 Mio. von zuvor 263 Mio. Euro. Beim Unternehmensergebnis gab es einen Rückgang auf 145,3 Mio. von 154,8 Mio. Euro im Jahr 2016.
Finanzvorstand Dieter Hassel begründete die Ergebnisdelle mit Sondereffekten der vergangenen beiden Jahre. So hätten 2016 Rückstellungsauflösungen und Zuschreibungen bei Beteiligungen das Gesamtergebnis positiv beeinflusst. Für 2017 habe man eine Sonderbelastung in Höhe von 20 Mio. Euro für künftige Altersteilzeit-Regelungen verbuchen müssen. Operativ habe die Rheinenergie hingegen in allen Bereichen Verbesserungen erzielen können.
„Offshore-Windkraftprojekte zu teuer“
Mit einem Effizienzprogramm will der Kölner Versorger spätestens bis zum Jahr 2025 jährlich einen „nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag“ einsparen, wie Personalvorstand Norbert Graefrath erläuterte. Die Einsparungen erfolgen zum einen durch den Wegfall von 465 Arbeitsplätzen sowie durch die Optimierung von Arbeitsprozessen durch die Digitalisierung.
Vorerst vom Tisch sind bei den Kölnern Pläne, sich an einem Offshore-Windkraft-Projekt zu beteiligen. „Unsere wirtschaftlichen Erwartungen sind derzeit nicht erfüllbar“, sagte Vorstandschef Steinkamp. Die Preise für einen Einstieg in die Offshore-Projekte seien zu hoch, die Risiken deshalb nicht zu verantworten. Die Rheinenergie werde sich deshalb auf die Onshore-Windkraft fokussieren. So beteiligt sich der Versorgungskonzern mit 80,1 Prozent an drei Windparks der Energiegenossenschaft Prokon in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mit insgesamt 33 MW Leistung. „Derzeit führen wir Verhandlungen über die Übernahme eines weiteren Portfolios von Prokon“, sagte Vertriebsvorstand Achim Südmeier.
Kein „übereiltes Vorgehen“ beim Kohleausstieg
Mit Blick auf den Start der Gespräche zur Vorbereitung des Kohleausstiegs erklärte Rheinenergie-Chef Steinkamp, es sei möglich, bis zum Jahr 2030 „einen sehr ernsthaften Anteil der Kohlekraftwerke aus dem Markt zu nehmen“. Entscheidend sei, jetzt zügig einen schnellen Einstieg zu finden. Ein kompletter Abschied von der Kohle bis 2025 sei unrealistisch, wahrscheinlich würden noch 2045 „ein oder zwei“ Kohleblöcke am Netz sein. Wichtig sei, den Strukturwandel sozial abzufedern. Ein „übereiltes Vorgehen“ bedeute auch „sterbende Orte und perspektivlose Menschen“ in den betroffenen Regionen. „Das ist Sprengstoff für die Gesellschaft.“ (hil)



