Daniel Waschow (l.) und Dirk Eichholz an der Spitze der Stadtwerke Osnabrück blicken auf ein erfolgreiches 2024 zurück.

Daniel Waschow (l.) und Dirk Eichholz an der Spitze der Stadtwerke Osnabrück blicken auf ein erfolgreiches 2024 zurück.

Bild: © Bettina Meckel-Wolf

Von Artjom Maksimenko

Ergebnis gesteigert, Trendwende geschafft? "Wir kommen aus Jahren, die sehr von Krisen gebeutelt waren, und arbeiten uns langsam, aber stetig einem guten Ziel entgegen", resümierte Daniel Waschow, Vorstandschef beim niedersächsischen Versorger. Gemeinsam mit dem Finanzvorstand Dirk Eichholz sprach er mit der ZfK über die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2024. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben die Stadtwerke Osnabrück ein Konzernergebnis in Höhe von 14,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Konzernüberschuss 2023 lag noch bei 4,4 Millionen Euro. Damit setzt sich der positive Trend bei dem kommunalen Versorger fort.

2021 standen die Osnabrücker mit einem Betrag von 16,9 Millionen Euro tief in den roten Zahlen, damals noch ohne Beteiligung und Tochtergesellschaften. Auch ein Jahr darauf blieb das Unternehmen mit minus 4,5 Millionen Euro noch in der Verlustzone. In dem aktuellen Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2024 enthalten ist ein vereinbarter, anteiliger Verlustausgleich der Stadt Osnabrück für den ÖPNV in Höhe von sechs Millionen Euro. Dabei hatte der ÖPNV besser performt als erwartet.

Ergebnisse der Neuausrichtung

"Wenn Sie es so nennen wollen: Die Trendwende ist geschafft. Aber das heißt nicht, dass der Kurs sich nicht weiter verstetigen muss – genau das ist unser Ziel", erläuterte Waschow im Gespräch mit der ZfK. Denn die strategische Neuausrichtung sei kein reines Zahlenthema. Es gehe um eine nachhaltige, langfristige Neuausrichtung. Die Grundlagen dafür wurden 2024 geschaffen.

Waschow und Eichholz übernahmen im August 2023 den Vorstand der Stadtwerke Osnabrück und setzen die Optimierungsprozesse fort, die der bisherige Interimschef Stefan Grützmacher teilweise angestoßen hatte. Wichtige Punkte für die strategische Neuausrichtung waren eine Neubewertung des Risikocontrollings bei dem Unternehmen, Konzentration auf die Region im Vertriebsgeschäft bei einem Akquise-Stopp des bundesweiten Energievertriebs sowie der Abschied aus der Erneuerbaren-Direktvermarktung.

"Unsere Ertragsquote hat sich verbessert. Wir liegen mit 193 Millionen Euro beim Rohertrag knapp unter dem Vorjahresniveau, was unter den Umständen beachtlich ist", erläuterte Eichholz. Höhere Personalkosten durch Tariferhöhungen und leicht gestiegene Zinsaufwendungen hätten dort eine Rolle gespielt. Das Konzernergebnis sei in Anbetracht der Lage unter dem Strich "sehr solide".

Umsatzrückgang

Deutliche Einbußen gab es hingegen beim Umsatz des Unternehmens. Hier ging es von etwa 743 Millionen Euro im Vorjahr auf 611,7 Millionen Euro herunter. Die Stadtwerke haben weniger Erdgas und Strom verkauft, sagte Eichholz. "Beim Gas etwa sind wir von 2,1 TWh auf rund 1,4 TWh runter, beim Strom von 700 auf 550 GWh. Das hatte natürlich spürbaren Einfluss." Laut Vorstandschef Waschow stecken hinter den rückläufigen Absatzmengen
drei wesentlichen Faktoren: Erstens sei es die Portfoliobereinigung nach dem Abschied aus dem bundesweiten Vertriebsgeschäft. Zweitens seien es die konjunkturellen Effekte, etwa im Industriekundenbereich. Drittens kamen die witterungsbedingten Einsparungen hinzu.

Mit Blick auf die Region konnte der Versorger seine Kundenzahl stabil halten. Die große Abwanderungswelle aus dem Grundversorgungstarif nach dem Ende der Krise und 2024 sei vorbei. Die Stadtwerke würden nun an konkurrenzfähigen Tarifen arbeiten. Beispielsweise hatte sich der Versorger bewusst dafür entschieden, die gestiegenen Netzentgelte nicht an die Kunden weiterzugeben. "Das hat unser Ergebnis im einstelligen Millionenbereich geschmälert – aber wir stehen zu unserer Rolle als verlässlicher Partner vor Ort", so Waschow.

Infrastruktur als Investitionsschwerpunkt

Im abgelaufenen Jahr hatten die Stadtwerke 90 Millionen investiert, wobei 70 Millionen davon auf den Netzbereich entfallen sind. Dies sei ein neuer Höchststand für das Unternehmen, so Waschow. Dazu zählen nicht nur Strom-, sondern auch Gasnetze sowie Wasser, Abwasser und Glasfaser: "Wir bauen weiterhin massiv die Breitbandversorgung in der Stadt aus – aktuell stehen wir bei etwa 50 bis 60 Prozent. Das bleibt ein großer Investitionsposten."

Ein zentrales Infrastrukturprojekt bleibt die Wasserinfrastruktur: "Allein dort investieren wir in den kommenden Jahren über 120 Millionen Euro. Das ist kein optionales Feld, sondern gehört zur Kern-DNA eines Stadtwerks", stellte Waschow klar.

Seit kurzem sind die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung der Stadt Osnabrück bekannt. Eine wesentliche Rolle bei ihrer Realisierung werden die Stadtwerke übernehmen. Laut Waschow ist die aktuelle Wärmeversorgung vor Ort stark gaslastig: "Etwa 70 bis 80 Prozent der Gebäude nutzen aktuell Gas, der Rest verteilt sich vorrangig auf Öl und Holzpellets".

Künftig soll sich die Zusammensetzung der dekarbonisierten Wärmeversorgung deutlich ändern. Osnabrück hat historisch keine starke Fernwärmeinfrastruktur, diese Technologie ist lediglich in einzelnen Gebieten in der Innenstadt sinnvoll. "Die Innenstadt ist als Eignungsgebiet ausgewiesen, dazu könnten kleinere Quartierslösungen kommen – zum Beispiel bei Schulen oder Seniorenheimen", sagte der Stadwerkechef weiter.

Daniel Waschow, Stadtwerke Osnabrück

Wärmepumpen künftig als zentrale Lösung?

Etwa 20 Prozent der künftigen Wärmeversorgung könnten leitungsgebunden sein oder andere Lösungen beinhalten, ergänzte Waschow. Dazu prüfe der Versorger zum einen die Nutzung der Abwärme aus der eigenen Abwasserreinigungsanlage sowie eines Papierherstellers vor ort. Das seien aber noch "erste Skizzen", betonte Waschow.

Ganze 80 Prozent der Wärmeversorgung sollen allerdings über strombasiere Lösungen wie Wärmepumpen laufen. Das hat einen historischen Grund: "Die Stadt hat keine zentrale Kraftwerkshistorie, viele Einfamilienhäuser und nur wenige dicht bebaute Wärmeinseln. Deshalb ist die dezentrale Lösung mit Wärmepumpen oft wirtschaftlicher", so Waschow.

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