Wer zuletzt auf dem Portal Verivox Stromtarife vergleichen wollte, der staunte nicht schlecht. Da warb der private Versorger Enstroga mit einem Kampfpreis von weniger als 20 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ihm folgte der Anbieter Tibber mit einem Kilowattstundenpreis von 21 Cent. Danach kam lange nichts.
Verglichen wurden Tarife mit einer Laufzeit von einem Jahr im bundesweit größten Versorgungsgebiet Berlin. Angenommen wurde ein Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden (kWh).
Preisgarantie für einen Monat
Die Tiefpreise mögen auf den ersten Blick überraschen. Schließlich pendelten sich die Großhandelspreise zuletzt zwischen 5 und 7 Cent pro kWh ein. Dazu kommen Netzentgelte, die im Mittel im niedrigen zweistelligen Centbereich liegen dürften, sowie Mehrwertsteuer, Vertriebskosten, Stromsteuer und weitere Abgaben. In der Summe müsste dies die Preise eigentlich weit über 20 Cent pro kWh drücken. (Hier mehr zur Zusammensetzung des Strompreises.)
Und tatsächlich stellen Enstroga und Tibber lediglich für einen Monat eine Preisgarantie aus. Danach gilt ein variabler Preis, der sich an Wohl und Wehe der Kurzfristbörse Epex Spot orientiert. Sinken die Preise, profitiert der Kunde. Steigen sie, kann es richtig teuer werden.
92 Tarife bei Check 24
Es ist wieder einiges los auf den gängigen Vergleichsportalen der Republik. Allein für Berlin listete Verivox am Mittwochnachmittag 84 Stromangebote.
Beim Konkurrenten Check 24 waren es 88 Tarife. Vorbei die Zeiten, als sich angesichts historisch hoher Strompreise nur noch eine Handvoll Versorger auf den Vergleichsportalen tummelte.
Zahl bundesweiter Anbieter stark gestiegen
Seit Jahren wertet die Unternehmensberatung Kreutzer Consulting das Treiben auf den Vergleichsportalen aus. Ihr jüngster Befund, festgehalten im Energiemarktreport 2024? Die Zahl der bundesweiten Anbieter ist wieder stark gestiegen: von 16 auf 81 innerhalb eines Jahres. Verglichen wurden der Januar der Jahre 2023 und 2024.
So intensiv wie in den Vorkriegsjahren scheint der Wettbewerb allerdings noch nicht zu sein. Im Rekordjahr zählte die Unternehmensberatung 146 bundesweite Anbieter.
Grünwelt Energie mit eigener Strategie
Wer derzeit auf den Vergleichsportalen ganz vorne steht, bietet entweder dynamische Tarife mit attraktivem Festpreis im ersten Monat an – oder winkt mit kräftigen Neukundenboni. Branchenüblich war am Mittwochnachmittag ein Neukundenbonus zwischen 130 und 140 Euro.
Die großen Stromversorger Vattenfall und Eon etwa packten noch einmal je nach Angebot mehr als 100 Euro als Sofortbonus darauf. Eine ganz eigene Strategie fuhr der Discounter Grünwelt Energie. Während er den Arbeitspreis deutlich unter die 30-Cent-Schwelle drückte, setzte er den Grundpreis auf mehr als 20 Euro hinauf.
Weiterempfehlungsrate bei Tibber gering
Dabei fallen die Kundenreaktionen nicht immer schmeichelhaft aus. So informiert Verivox zum Tibber-Angebot, dass die Weiterempfehlungsquote gering sei. Tatsächlich fällt das Berliner Start-up, das dynamische Tarife zu seinem Geschäftsmodell erklärt hat, mit einer Bewertung von 3,4 Sternen im Vergleich zu vielen Konkurrenten ab. Laut Verivox würden aktuell weniger als 70 Prozent der Kunden dieses Anbieters Tibber weiterempfehlen.
Unter allen Verivox-Anbietern wurde der Düsseldorfer Ökostromversorger Naturwerke am besten bewertet. Er kam auf 4,8 von 5 möglichen Sternen. Mit einem Kilowattstundenpreis von 30 Cent hielt er sich auch im oberen Viertel des Rankings auf.
Kommunale Anbieter zurück
Insgesamt fiel auf, dass sich neben sogenannten Energiediscountern wie Enstroga, Elektrizität Berlin und Grünwelt Energie die großen Konzerne Eon, Vattenfall und Eon samt Vertriebstöchtern ganz vorne versammelten. Die meisten der gebotenen Arbeitspreise lagen bei etwas über 30 Cent pro kWh.
Auch kommunale Unternehmen waren wieder stärker gelistet. Zu nennen sind etwa Eins Energie in Sachsen (30 Cent pro kWh Arbeitspreis), die Stadtwerke München (31 Cent) und Enercity (31 Cent).
Stadtwerke Flensburg nur bei Check 24
Seltener mischten zuletzt mittelgroße Stadtwerke mit. Neben den Stadtwerken Rostock waren beispielsweise die Stadtwerke Schwerin gelistet. Anders als vor der Energiekrise tauchten dagegen die Stadtwerke Oranienburg nicht auf. Die Brandenburger hatten zuletzt angekündigt, den bundesweiten Vertrieb überdenken zu wollen. (Die ZfK berichtete.)
Die Stadtwerke Flensburg wiederum boten auf Check 24, nicht aber bei Verivox. Die Schleswiger hatten in der Energiekrise ihren bundesweiten Gasvertrieb eingestellt hatten, hielten jedoch am überregionalen Stromvertrieb fest. (aba)



