"Soviel Zukunft wie jetzt war noch nie", betonte Holger Glockner, Managing Partner bei Z Punkt. Er stellte am Donnerstag des BDEW-Kongresses 2021 die neue „BDEW Trendstudie 2030+: Zukunftsbilder der Energiewirtschaft“ vor. Glockner verwies auf fundamentale Umbrüche in puncto Energiewende. Denn die Ziele für Klimaneutralität und einen erneuerbaren Energiemix der Zukunft seien ja politisch gesetzt, gerungen werde nun um den richtigen Weg dorthin.
"Die Energiewirtschaft steht im Epizentrum einer klimaneutralen Wirtschaft und Gesellschaft", so Glockner, was enorme Chancen biete. Gleichzeitig ergäben sich in den kommenden Jahren neue Herausforderungen, so durch soziale Polarisierung und eine drohende weitere Fragmentierung der Gesellschaft.
Aufbau neuer Geschäftsfelder an den Schnittstellen zur Energieversorgung
Das Wohnen sieht Studienautor Glockner bis zum Jahr 2030/2035 digitalisiert, ressourceneffizient und gleichzeitig bezahlbar; Mobilität und Transport vernetzt, autonom geteilt und elektrifiziert und den Konsum entgrenzt, automatisiert und nachhaltig. Die Kommunikation ist laut dem Zukunftsszenario der Studie immersiv, maschinell und selektiv und die Arbeit hybrid, sinnstiftend und kollaborativ.
Stadtwerken und Energiewirtschaft böten sich enorme Chancen, ihren Gestaltungsspielraum zu nutzen und in diesen Bereichen auch neue Geschäftsfelder und Wertschöpfung aufzubauen, vor allem an den Schnittstellen der Energieversorgung, so zum Immobilien- oder Verkehrssektor, so Glockner. Gefragt seien hierbei auch neue Wege, so beispielsweise serielles Bauen und Sanieren, eine integrierte Infrastrukturentwicklung im Sinne auch von Klimaresilienz sowie eine Mehrfachnutzung von Flächen, beispielsweise durch Agri-Photovoltaik.
Wärmeversorgung, Ladelösungen und mehr
Sowohl Christof Lange, Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Landsberg (Bayern) als auch Frank Kindervatter, Vorstandsvorsitzender von NEW (Nordrhein-Westfalen) stimmten dieser Einschätzung zu. Als besonders aussichtsreich sieht Lange die Bereiche einer möglichst klimaneutralen Wärmeversorgung, der Quartiersentwicklung, Mobilität und Verkehr, dem Ausbau der erneuerbaren Energien sowie dem Glasfaserausbau. Punkten könnten die Stadtwerke hier mit ihrer regionalen Verankerung und der Bürgernähe.
Kindervatter sieht großes Potenzial im Bereich der Ladelösungen, der Wärmewende in Kombination mit der Schaffung von neuem Wohnraum, dem Ausbau der Photovoltaik auch auf öffentlichen Dächern sowie digitalen Geschäftsmodellen.
Auch "digitales Mindset" der eigenen Mitarbeiter gefragt
Nötig hierfür sei jedoch auch ein ordnungsrechtlicher Rahmen, der entsprechende Zukunftsinvestitionen ermögliche, unterstrichen Lange und Kindervatter. Gefordert sei jedoch auch die Veränderungsbereitschaft der eigenen Mitarbeiter, ein entsprechendes "digitales Mindset" und genügend Fachpersonal.
Für entscheidend hält Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung 2 Grad, den einzelnen Branchen Pfade aufzuzeigen und zu erarbeiten, wie sie klimaneutral werden können. (hcn)



