Die Stadtwerkekooperation Trianel hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis (EBT) in Höhe von 99 Mio. Euro erzielt (2022: 66,3 Mio. Euro). Der Jahresüberschuss stieg von 27,6 Mio. Euro im Vorjahr auf 68,8 Mio. Euro. Das bedeutet zugleich ein Rekordergebnis seit der Gründung des Unternehmens vor 25 Jahren.
Das Ergebnis über Plan ermögliche es der Trianel, weiteres Wachstum abzusichern. Etwa 12 Mio. Euro sollen demnach in die Stärkung der Projektentwicklung fließen, weitere 8 Mio. Euro investiere man in die Weiterentwicklung des Handels, heißt es.
"Wir haben zudem Kapital zurückgestellt, um unsere Handelsaktivitäten zu stärken und auch mögliche Volatilitäten aus Ergebnisentwicklungen ausgleichen zu können", erläuterte Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, Sven Becker, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023 vor Journalisten. Damit sei die Trianel in der Lage, gewisse Risiken im Handelsgeschäft einzugehen.
"Während wir 2022 Geld damit verdient haben, steigende Volatilität und Preise für uns zu nutzen, war das Marktumfeld 2023 von rückläufigen Preisen geprägt", sagte Becker weiter. Das Unternehmensziel sei es, bis 2030 rund 120 Mio. Euro zu investieren.
Ausschüttungen in Millionenhöhe
90 Prozent des Ergebnisses in Höhe von 68,8 Mio. Euro gehen als Ausschüttung an die 53 kommunalen Gesellschafter der Trianel. "Neben einer attraktiven Rendite von 38 Prozent schaffen wir in einem weiter volatilen Marktumfeld für unsere Gesellschafter und Marktpartner erhebliche Mehrwerte", sagte Becker weiter.
Zu den größten Anteilseignern der Trianel gehören die Stadtwerke Bochum mit 14 Prozent und die Stadtwerke Aachen mit 12 Prozent der Anteile. Im Dezember 2023 sind zudem der Dortmunder Versorger DEW21 und Gelsenwasser hinzugekommen, die je 7,5 Prozent halten.
Die Trianel habe ihre Handelsprozesse und Systeme auf die schwankende Erneuerbareneinspeisung sowie eine intelligente Nutzung von flexiblen Anlagen umgestellt, kommentierte Geschäftsführer Oliver Runte das Jahresergebnis. Die Trianel könne zunehmend resilienter damit umgehen. Weitere Gründe für diese positive Entwicklung sieht Runte in einer erfolgreichen Optimierung der Erneuerbarenvermarktung und der Kraftwerksoptimierung.
Fokus auf Flexibilitätsprojekte
Neben dem klassischen Ausbau der Erneuerbaren richte sich der Fokus der Trianel auf ihre Integration in das Gesamtsystem, fügte Sven Becker hinzu. Dafür werde das Unternehmen eine neue Tochtergesellschaft namens Trianel Flexibilitätsprojekte GmbH & Co KG gründen. Sie soll ihre operative Arbeit in der zweiten Jahreshälfte 2024 aufnehmen. Wesentlicher Kern sei die Realisierung von Wasserstoff- und Speicherprojekten. Dazu zählte Becker den geplanten 20-MW-Elektrolyseur in Hamm, der im Februar 2024 einen Förderbescheid bekam.
Zudem habe die Trianel bereits zahlreiche Grundstücke gesichert, um mehrere Batteriespeicher zu realisieren. Gemeinsam mit den Gesellschaftern plane man am Standort Waltrop (NRW) neben dem Kraftwerk in Lünen einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 300 MW und 600 MWh Aufnahmekapazität zu bauen. Hier sei das Unternehmen zuversichtlich, im nächsten Jahr gemeinsam mit den interessierten Gesellschaftern einen Baubeschluss auf den Weg zu bringen. Die Inbetriebnahme sei "bis spätestens 2027" geplant.
"Mit unseren Planungen dieses Batteriespeicherprojektes sowie der Entwicklung eines dritten Blocks am Kraftwerksstandort Hamm ist Trianel gemeinsam mit den Stadtwerken bereit, nötige Flexibilitätskapazitäten aufzubauen", so Becker weiter. Nach einer erfolgreichen Vorprojektentwicklung in den vergangenen 12 Monaten wolle die Stadtwerkekooperation einen Schritt weiter gehen und eine Genehmigungsfähigkeit erwirken, um dann an Auktionen teilzunehmen.
Aus seiner Sicht unternehme die Bundesregierung zwar große Anstrengungen, um den Erneuerbarenausbau voranzutreiben. Gleichzeitig aber vermisse er solche Weichenstellungen, um die notwendige Flexibilität und die gesicherte Leistung bereitzustellen. "Hier ist insbesondere die Kraftwerkstrategie, die im ersten Halbjahr 2024 intensiv diskutiert wurde, von großer Bedeutung", so Becker.
"Branche wartet auf die Kraftwerksstrategie"
Hier warte die Branche auf konkrete Rahmenbedingungen sowie auch auf einen Ausblick auf den avisierten Kapazitätsmarkt, um Planungs- und Investitionssicherheit zu haben. Konkret erwarte er beim Blick auf die Kraftwerksstrategie Klarheit beim Thema Auktionsdesign und die auszuschreibende Kapazitätsmenge. "Ich halte es für wichtig, dass die Akteursvielfalt bei diesem Auktionsdesign gewahrt bleibt." Als Gegenbeispiel dafür nannte er einige Offshore-Ausschreibungen, wo große Kapazitätsmengen bei einigen wenigen großen Playern gelandet waren.
Auch sei die Trianel gewillt, ihre Bestandskraftwerke, wie beispielsweise die Anlage in Lünen, umzurüsten. Dafür laufe derzeit eine Machbarkeitsstudie. "Der Kapazitätsmarkt und auch die Kraftwerksstrategie sollen zeitnah konkretisiert werden", so Becker weiter. Dass die Kraftwerksstrategie zeitnah die nötige Reife erreicht, bezweiflt er allerdings. "Es wird länger als die verbleibenden sechs Monate brauchen, um auch die nötige Rechtssicherheit herzustellen", lautet seine Prognose. (am)



