Die Lage ist kritisch, aber Rettung naht. Diesen Eindruck hinterlassen die jüngsten Meldungen zu Deutschlands größtem Erdgasimporteur, der derzeit mit der Bundesregierung über zusätzliche staatliche Hilfen verhandelt.
Wie aus einem Papier des Bundestagsausschusses für Klimaschutz und Energie hervorgeht, müssten die bestehenden Kredite der staatlichen Förderbank KfW für den Konzern von zwei auf acht Mrd. Euro aufgestockt werden. Dies sei nötig, um kurzfristig Liquidität für die Ersatzbeschaffung von Gas bereitzustellen sowie ausreichend Rücklagen für an der Börse benötigte Sicherheitsleistungen zu haben.
Einstieg des Bundes geplant
Außerdem ist ein Einstieg des Bundes mit bis zu 30 Prozent geplant. Dies soll durch eine Kombination aus Kapitalerhöhung und weiterem hybriden Eigenkapital erreicht werden.
Ziel ist hierbei die Deckung der aufgelaufenen Verluste bei dem Düsseldorfer Konzern. Das Papier lag der Deutschen Presse-Agentur vor. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.
Was macht Fortum?
Unklar bleibt, ob Mutterkonzern Fortum die Pläne mitträgt. Dem finnischen Unternehmen schwebt eine Umstrukturierung der Düsseldorfer Tochter vor – mit dem Ziel, eine Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des Bundes zu gründen.
Der Konzern hält 78 Prozent an Uniper und gehört selbst zu mehr als 50 Prozent dem finnischen Staat. Finnland hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, dass sie gegen weitere Kapitalzuschüsse für Uniper durch Fortum sind.
Ausspeicherungen in Serie
Extrem hohe Gaspreise im Großhandel und fortwährende Unsicherheiten über die Rückkehr russischen Gases über die Pipeline Nord Stream 1 machen deutschen Gashändlern wie Uniper derweil weiter zu schaffen. Seit Mitte Juni musste der Konzern Lieferkürzungen aus Russland hinnehmen. Handelspartner Gazprom berief sich jüngst auf "höhere Gewalt".
Zuletzt war acht Tage in Folge mehr Gas aus den deutschen Uniper-Gasspeichern aus- als eingespeichert worden. Der aggregierte Füllstand sank in dieser Zeit von 60 auf 55 Prozent. Auch aus dem österreichischen Speicher Seven Fields (17,5 TWh Kapazität) wurde seit acht Tagen Gas ausgelagert.
Größter Speicherbetreiber Deutschlands
Uniper ist der größte Speicherbetreiber in Deutschland. Seine Anlagen haben eine Kapazität von insgesamt 60,6 Mio. TWh. Das entspricht knapp einem Viertel der deutschen Anlagen.
Es ist davon auszugehen, dass Uniper bei weitem nicht alleiniger Speicherkunde in den von ihm betriebenen Anlagen ist. Auch lässt sich aus den Daten nicht herauslesen, wer genau die Ausspeicherungen vorgenommen hat. Allerdings gab Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach am Montag zu, binnen einer Woche mehr als 2 TWh ausgespeichert zu haben, um Geldmittel zu schonen und Lieferverträge zu erfüllen. (aba/dpa)



