Das Russland-Geschäft könnte Uniper nun größere Probleme bereiten.

Das Russland-Geschäft könnte Uniper nun größere Probleme bereiten.

Bild: © Nmann77/AdobeStock

Es ist in den vergangenen Tagen knüppelhart gekommen für den Energieriesen Uniper. Die Eskalation des Konflikts zwischen Russland und Ukraine droht die Geschäfte des Konzerns massiv zu beeinträchtigen.

Auf der Bilanzpressekonferenz skizzierte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach vier Bereiche, die in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Erstens könnten sich stark schwankende und tendenziell weiter steigende Großhandelspreise negativ auf Margen und Liquidität des Konzerns auswirken.

Risiko Nord Stream 2

Zum Hintergrund: Schon im Januar hatte sich der Konzern unter anderem von der staatlichen Förderbank KfW bis zu 11,8 Mrd. Euro an Krediten gesichert, um sich gegen extreme Marktentwicklungen zu wappnen. (Die ZfK berichtete.) Um sich finanzielle Spielräume zu erhalten, will Uniper zudem die Dividendenzahlung auf das zulässige Minimum beschränken.

Zweitens scheint die Zukunft der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ungewisser denn je. Am Dienstag hatte die Bundesregierung das Zertifizierungsverfahren der bereits fertig gebauten Leitung auf unbestimmte Zeit gestoppt. Uniper ist mit rund 950 Millionen Euro an der Finanzierung des rund zehn Milliarden Euro teuren Projekts beteiligt.

Hoffnung auf Entspannung der Lage

"Wir prüfen derzeit die Auswirkungen der Entscheidung für Uniper, einschließlich möglicher Wertminderungen", sagte Maubach. Er hoffe, dass sich die Lage entspanne und der Zertifizierungsprozess wieder aufgenommen werden könne.

Seinen Konzern sieht er allerdings nicht in der Position, Rechtsmittel gegen den auf Eis gelegten Zertifizierungsprozess der Gaspipeline einzulegen. Wenn jemand klage, dann solle das die Betreibergesellschaft sein.

Mögliche Sanktionen gegen Uniper-Partner

Drittens könnten mögliche Sanktionen des Westens gegen Uniper-Partner die Geschäfte des Konzerns erheblich erschweren. Stand jetzt sei dies aber unwahrscheinlich, sagte der CEO.

Uniper macht einen Teil seines Geschäfts in Russland, dort unter der Marke des Stromversorgers Unipro. Die dortigen Betriebsstätten stünden aber nicht in der momentan vor allem von dem Konflikt betroffenen Grenzregion, sagte Maubach. Entsprechend sei die Versorgungssicherheit nicht gefährdet.

LNG-Geschäft wächst

Und viertens würden etwaige Unterbrechungen russischer Gaslieferungen den Energieriesen massiv treffen. Denn dann müsste der Konzern zu hohen Preisen Gas einkaufen, um die Versorgungssicherheit seiner Kunden zu gewährleisten. Nach eigenen Angaben gehört Uniper zu den größten Gasimporteuren und Gazprom-Kunden Deutschlands.

Den Handel mit Flüssigerdgas (LNG) hat der Konzern derweil stark ausgebaut. Seien 2016 noch 16 LNG-Ladungen bewegt worden, seien es fünf Jahre später bereits 356 Transporte gewesen, sagte Maubach. "In diesem Bereich haben wir einen enormen und andauernden Mengenzuwachs erreicht."

Konzernfehlbetrag von 4,1 Mrd. Euro

Das Geschäftsjahr 2021 schloss Uniper mit einem Konzernfehlbetrag von 4,1 Mrd. Euro ab. Grund dafür seien im Wesentlichen höhere Kosten für die Absicherung von Handelsgeschäften, erklärte Finanzvorständin Tiina Tuomela.

Uniper und seine Kunden sichern sich gegen schwankende Marktpreise ab und legen ihre Konditionen bis zu drei Jahre im Voraus fest. Diese Deals werden in der Rechnungslegung jedoch zu Marktpreisen bewertet.

Operatives Ergebnis positiv

Uniper schreibt daher in der Rechnungslegung Verluste. Dieses Ungleichgewicht hebt sich aber auf, wenn der im Voraus verkaufte Strom geliefert wird.

Um die operative Entwicklung besser widerzuspiegeln, berechnet Uniper ein um diese Diskrepanz bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Dieses belief sich im vergangenen Jahr auf 1,2 Mrd. Euro plus (2020: 998 Mio. Euro). Entsprechend sprach Maubach von einem "erfolgreichen, wenn auch turbulenten Jahr".

Gewinnbringer Datteln 4

Am deutlichsten legte der Konzern im Handelsbereich zu. Dies sei insbesondere auf das internationale Portfolio zurückzuführen, das von ungewöhnlichen Wetterbedingungen in Nordamerika und dem Asiengeschäft profitieren hätte können, hieß es. Auch das Gasgeschäft habe sich positiv ausgewirkt.

Das Segment Europäische Erzeugung erreichte hingegen das Vorjahresergebnis knapp nicht. Unter anderem eine vorübergehende Nichtverfügbarkeit des niederländischen Steinkohlekraftwerks Maasvlakte 3 habe sich negativ ausgewirkt. Demgegenüber hätten das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 sowie die Gaskraftwerke Irsching 4 und 5 "ganzjährig" zum Ergebnis beigetragen. (aba)

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