Klaus-Dieter Maubach, CEO von Uniper

Klaus-Dieter Maubach, CEO von Uniper

Bild: © Uniper

KfW-Kreditlinien im Umfang von neun Mrd. Euro sieht das Rettungspaket der Bundesregierung für den angeschlagenen Energieversorger Uniper vor. Aufgrund seines hohen Liquditätsbedarfs hat dieser bisher bereits fünf Mrd. Euro davon in Anspruch genommen. Seit Mitte Juni muss das Unternehmen, weil Gazprom die vereinbarten Gasvolumen deutlich reduziert hat, die benötigten Ersatzmengen zu rekordhohen Preisen am Spotmarkt nachkaufen.

"Es ist künftig noch schwerer zu sagen, wie viele Verluste wir bis Ende September durch die Ersatzbeschaffung machen werden, weil wir die Preise und Mengen nicht kennen", erklärte Konzernchef Klaus-Dieter Maubach bei der gestrigen Vorstellung der tiefroten Halbjahreszahlen.

Bleibe es bei den bisherigen durchschnittlichen Kosten in der Ersatzbeschaffung, summierten sich die zusätzlichen Kosten bis Ende September auf 6,5 Mrd. Euro. In diesem Fall würden die Kreditlinien, die sowohl der Liquiditätsabsicherung als der Abdeckung von Verlusten dienen, ausreichen.

Über die Hälfte der Kosten für die Gasumlage entfällt auf Uniper

Vom 1. Oktober an können Uniper und andere von den Lieferausfällen betroffene Gasimporteure 90 Prozent ihrer Ersatzbeschaffungskosten bei ihren Kunden geltend machen. Über die sogenannte Gasumlage sollen diese Kosten auf alle Gasverbraucher - Haushalte wie Firmen - umgelegt werden.

Bis Anfang April 2024 haben aktuell zwölf Gasimporteure 34 Milliarden Euro an erwarteten Kosten geltend gemacht. Davon entfielen über 50 Prozent auf Uniper, sagte Maubach. Die genaue Summe nannte er nicht.

Zeitweise liegen die täglichen Verluste bei über 100 Mio. Euro

Uniper schreibt seit der Reduzierung der russischen Gasliefermengen Mitte Juni nach eigenen Angaben täglich im Schnitt über 60 Mio. Euro Verlust. Grund ist die Gas-Ersatzbeschaffung. Zeitweise lägen die täglichen Verluste sogar bei über 100 Millionen Euro, sagte Maubach. Vom 15. Juni bis Mittwoch hätten sich die Verluste auf insgesamt 3,8 Milliarden Euro summiert.

Im gesamten ersten Halbjahr hat der Energieversorger einen Verlust von mehr als zwöf Milliarden Euro gemacht. Davon stünden mit 6,5 Milliarden Euro über die Hälfte im Zusammenhang mit erwarteten künftigen Gaslieferunterbrechungen. Außerdem sind in der Summe bereits bekannte 2,7 Milliarden Euro an Abschreibungen enthalten - unter anderem für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2.

Außerordentliche Hauptversammlung im Herbst

Um den Konzern zu stützen, hat die Bundesregierung im Juli ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt. Es sieht unter anderem vor, dass der Bund mit 30 Prozent bei dem Düsseldorfer Unternehmen einsteigt. Die Genehmigung des Stabilisierungspaketes sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst erteilten. Außerdem steht noch die beihilferechtliche Genehmigung der EU aus.

Bis 2024 will Unternehmen die Verlustzone verlassen

"Das Stabilisierungspaket gibt uns Sicherheit. Nun muss es uns gelingen, unser Gasportfolio neu zu strukturieren, insbesondere die Verträge mit Gazprom", sagte Maubach.

Die operative Entwicklung des Geschäfts im ersten Halbjahr sei in allen anderen Geschäftsfeldern solide verlaufen, die Stromproduktion etwa habe auf dem Niveau des Vorjahres gelegen.

Uniper rechnet mit einer Besserung erst in den kommenden Jahren. Für 2023 wird eine Ergebnisverbesserung erwartet, ab 2024 soll die  Verlustzone verlassen werden.

Uniper prüft weiter rechtliche Schritte gegen Gazprom

Auch für das gesamte Jahr 2022 erwartet Uniper infolge der deutlich reduzierten russischen Gaslieferungen ein negatives Ergebnis. Die Angabe einer adäquaten Bandbreite sei angesichts des volatilen Umfelds aber nicht möglich.

Mögliche juristische Schritte gegen Gazprom werden weiterhin geprüft. "Gazprom hat unser Unternehmen mit seinem Handeln bis an den Rand der Insolvenz gebracht. Wir werden alles versuchen, um sie dafür haftbar zu machen", versicherte Maubach auf Nachfrage.

Uniper spielt als größter deutscher Gasimporteur wegen der seit Wochen stark verminderten Gaslieferungen aus Russland eine zentrale Rolle in der Gaskrise. Der Konzern beliefert mehr als 100 Stadtwerke und Industriefirmen.

Aktie büßt erneut deutlich ein

Der Kurs der Aktie lag am Nachmittag mit gut 7 Euro fast zehn Prozent unter dem Vortageswert. Von ihrem rund drei Wochen alten Rekordtief bei 5,64 Euro sind die Aktien trotz des Kurseinbruchs aber noch ein Stück entfernt. (hoe/dpa)

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