Den Ton setzte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan gleich zu Beginn. Das erste Geschäftsjahr der frisch rekommunalisierten Wärme Hamburg sei ein "voller Erfolg" gewesen, lobte der Grünenpolitiker, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Wärmeversorgers ist, auf der Jahrespressekonferenz. "Damit wird die Erfolgsgeschichte der Rekommunalisierung [im Hamburger Energiebereich] fortgeschrieben."
Tatsächlich befindet sich das Unternehmen, das 2019 aus dem Vattenfall-Konzern herausgelöst wurde, noch mitten in der Neuausrichtung.
Verluste geringer als erwartet
So überschatteten auch das vergangene Jahr Trennungskosten, die das Ergebnis in den negativen Bereich drückten. Allerdings fielen die Verluste geringer aus als erwartet, stand am Ende ein Minus von 22,9 Mio. statt der geplanten 38,6 Mio. Euro.
Dazu kamen Belastungen aus der Corona-Pandemie, die Wärme Hamburg mit etwa vier Mio. Euro bezifferte. Witterungsbedingt sank zudem der Fernwärmeabsatz leicht auf etwa 3,9 Mrd. kWh (2019: 4,0 Mrd. GWh). Der Stromabsatz dagegen ging nach oben: um mehr als zehn Prozent auf 2,2 Mrd. kWh.
Ausstieg aus Kohle
Die nächsten Jahre prägen wird die Umstellung der Wärmeerzeugung auf grüne Alternativen. Wärme Hamburg will bis 2030 aus der Kohle aussteigen und mit Einsparungen von rund 600.000 Tonnen jährlich gegenüber 2020 den größten Einzelbeitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaziele erbringen.
Bis 2025 soll das Heizkraftwerk Wedel vom Netz gehen. An seiner Stelle soll eine Power-to-Heat-Anlage mit einer Leistung von 80 MW Windstrom in Wärme umwandeln. Die Inbetriebnahme ist spätestens bis Ende 2023 geplant.
"Energiepark Hafen"
Bis 2030 soll dann das Kohlekraftwerk Tiefstack folgen. Alternativen dafür will Wärme Hamburg in einem Dialogprozess mit Akteuren der Zivilgesellschaft diskutieren.
Die Power-to-Heat-Anlage ist eingebunden in ein größeres Konzept, "Energiepark Hafen" genannt. Geplant sind dort außerdem eine moderne Gas- und Dampfturbinen-Anlage sowie die Nutzung bereits vorhandener lokaler Wärmequellen wie die der Kupferhütte Aurubis.
Aquifer-Speicher: Demo-Betrieb ab 2024
Dazu soll ein Aquifer-Speicher kommen, mit dem der unterschiedliche Wärmebedarf zwischen Sommer und Winter teilweise ausgeglichen werden soll. Der Speicher soll in den kommenden beiden Jahren geplant und errichtet werden. Der Demonstrationsbetrieb soll 2024 starten.
Bis dahin dürfte Wärme Hamburg als eigenständiges Unternehmen schon lange wieder Geschichte sein. Denn wie der Hamburger Senat beschloss, soll der Wärmeversorger bis Anfang nächsten Jahres mit dem städtischen Strom- und Gasanbieter Hamburg Energie fusionieren. Wie das neue Gemeinschaftsunternehmen heißen soll, ist noch nicht bekannt. (ab)
Siehe auch: Hamburg Wasser: Zum Doppelabschied fast ein Rekordgewinn
