Nach der Rückführung von Strom und Wärme in kommunale Hand werden Hamburg Energie und Wärme Hamburg in einem einzigen städtischen Unternehmen zusammengeführt. Die Fusion sei ein logischer Schritt auf dem Weg zur Energiewende und erfolge zum 1. Januar kommenden Jahres, sagten Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Die Parteien hätten bereits im vergangenen Jahr in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass rekommunalisierte Unternehmen Synergien heben und stärker kooperieren sollen, um effektiver zum Klimaschutz beizutragen.
«Die Fusion bringt Vorteile für die Energiewende, bei der Erreichung der Klimaziele und letztlich auch bei den Kosten», sagte Kerstan, Aufsichtsratsvorsitzender beider Unternehmen. Ein Stellenabbau sei nicht geplant. «Wir brauchen die Kompetenz aller Mitarbeiter, wir brauchen deshalb auch alle Mitarbeiter», sagte Dressel. Bei Hamburg Energie sind rund 100, bei Wärme Hamburg etwa 750 Mitarbeiter beschäftigt. Energie Hamburg, derzeit noch unter dem Dach von Hamburg Wasser, wird für die Fusion aus dem Konzern herausgelöst.
"Große strategische Übereinstimmungen"
"Mit der Fusion sind wir in der Lage, unseren Kundinnen und Kunden ein noch breiteres Angebot an Produkten und Dienstleistungen zu bieten. Gleichzeitig können wir bei wichtigen Klimaschutz- und Zukunftsprojekten künftig unser Know-how bündeln und gemeinsam die urbane Energiewende voranbringen. Hamburg Energie und Wärme Hamburg haben große strategischen Übereinstimmungen", erklärte Christian Heine, Geschäftsführer von Wärme Hamburg.
Die Fusion biete die Chance, ein gemeinsames Unternehmen zu etablieren, das den Ausstieg aus fossilen Energien ganzheitlich weiter voranbringe, ergänzte Michael Prinz, Geschäftsführer von Hamburg Energie. Zukünftig könnten den Menschen und Unternehmen in Hamburg Strom- und Wärmelösungen aus einer Hand geboten werden.
Gewerkschaft nimmt Politik in die Pflicht
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hofft, dass die Fusion nicht zu Lasten der Beschäftigten geht. «Die jetzt beschlossene Fusion wird zu Personalverschiebung und zum Wegfall von Tätigkeiten im Hause Hamburg Wasser führen. Hierbei darf es keine negativen Konsequenzen für die Beschäftigten geben. Ich freue mich, dass die Politik eine Zusage gegeben hat, woran wir sie allerdings auch messen werden», sagte Torben Bartels, Betriebsratsvorsitzender der Hamburger Wasserwerke, am Samstag laut Mitteilung.
Das neue Unternehmen soll nach der Fusion die gesamte Wertschöpfungskette von Erzeugung, Verteilung und Vertrieb für Energie anbieten – von Ökostrom, Gas, Fern- und Nahwärme bis zur Elektromobilität, so die Senatoren weiter.
Name des neuen Unternehmens steht noch nicht fest
In Hamburg würden sich viele «die gute alte HEW» zurückwünschen, sagte Dressel. Dennoch sei über den Namen des neuen Unternehmens noch nicht entschieden, außerdem wurden die Markenrechte an dem Namen HEW Kerstan zufolge 2002 bei der Privatisierung mit an Vattenfall verkauft. Als leistungsstarker und wettbewerbsfähiger regionaler Versorger sei man aber «ein Stück weit wieder auf den Spuren der alten HEW», sagte Dressel.
In den kommenden Monaten müsse noch geklärt werden, an welchen Standorten die Unternehmensteile aufgestellt würden. Für die Strom- und Fernwärmekunden ändere sich nichts. Hamburg Energie versorgt nach eigenen Angaben 150.000 Kunden ausschließlich mit Ökostrom und ist damit der größte Anbieter erneuerbarer Energie in der Stadt.
Wärme Hamburg versorgt rund 500.000 sogenannte Wohneinheiten, dazu zählen auch Industrie- und Gewerbekunden sowie Wohnungsunternehmen mit Tausenden Haushalten und große Gebäude wie die Elbphilharmonie. Insgesamt sind es rund 12.000 direkte Kunden. (dpa/hoe)



