Die Stadtwerke Marburg senken zum 1. November 2023 die Arbeitspreise in der Grundversorgung und im Wahltarif ErdgasPremium22. Die Grundpreise bleiben in beiden Tarifen unverändert.
In der Grundversorgung ErdgasPlus sinkt der Arbeitspreis um 4,40 Cent auf 11,95 Cent (brutto) und im Wahltarif Premium22 um 3,61 Cent auf 9,95 Cent (brutto) pro Kilowattstunde. Damit fallen beide Tarife unter die staatliche Preisbremse. Dies entspricht einer Senkung bei einem Durchschnittsverbrauch von jeweils rund 26 Prozent.
Begründet wird die Entlastung der Kunden mit der derzeitigen positiven Marktentwicklung und der Absenkung der Bilanzierungsumlage.
Deutliche Preissenkung auch in Leipzig
Zusätzlich wird ab dem 1. Oktober 2023 der neue Wahltarif SWMRGas angeboten. Mit Einführung des neuen Tarifs eröffnen die Stadtwerke auch Neukunden im gesamten Landkreis wieder die Möglichkeit, einen neuen Gasvertrag mit den Stadtwerken abzuschließen.
Auch die Lepziger Stadtwerke haben gestern eine umfassende Senkung der Strrom- und Gaspreise zum 1. Januar 2024 angekündigt, die Preise hier sinken zwischen 31 und 43 Prozent.
Dutzende Grundversorger senken die Strompreise
Beim Vergleichsportal Verivox sind für September, Oktober und November bislang 146 Strompreissenkungen von Grundversorgern bekannt. «Die Preise sinken um durchschnittlich 16 Prozent, was für eine dreiköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden eine Entlastung von rund 351 Euro bedeutet», rechnet Verivox-Experte Thorsten Storck vor.
Einige würden aber auch erhöhen. Zehn Grundversorger würden ihre Preise um durchschnittlich 3,5 Prozent anheben. «Das entspricht Mehrkosten von 52 Euro pro Jahr.»
Bei Gas sind Verivox für die drei Monate bisher 112 Preissenkungen bekannt. Im Schnitt gingen die Preise dabei um 26 Prozent runter. Gleichzeitig hätten neun Gas-Grundversorger Erhöhungen um durchschnittlich 5 Prozent angekündigt.
Strom-Experten rechnen nicht mit «Preisexplosionen»
Strommarktexperten rechnen in der nächsten Zeit nicht mit großen Preisausschlägen. «Sofern wir von einem durchschnittlichen Winter und keinen geopolitischen Extremereignissen ausgehen, deutet nichts auf Preisexplosionen am Strommarkt in den kommenden Quartalen und im nächsten Jahr hin», sagt Strommarktexperte Mirko Schlossarczyk vom Beratungsunternehmen Enervis.
Die aktuellen Großhandelspreise für Lieferungen in den kommenden Monaten und in 2024 tendierten seitwärts oder leicht fallend. «Die Strom-Endverbraucherpreise dürften sich daher auch in der nahen Zukunft im Mittel im Bereich von 30 bis 35 Cent je Kilowattstunde bewegen.»
Gas-Experten bewerten Markt weiterhin als «angespannt»
Bei Erdgas sehen Experten größere Unwägbarkeiten. So seien die Großhandelspreise im kommenden Winter vom LNG-Angebot im Weltmarkt, der Verfügbarkeit von Pipeline-Gas sowie der Temperaturentwicklung, aber auch von der Einsparung durch Industrie und Haushalten abhängig, sagt Enervis-Gasmarktexperte Sebastian Gulbis.
«In einem besonders kalten Winter können erneut hohe Preise auftreten und in einem warmen Winter vergleichsweise niedrige Preise. Der Markt ist weiterhin angespannt.» Für Haushaltskunden dürfte daneben auch die Wiederherstellung des Mehrwertsteuersatzes eine Rolle spielen, so Gulbis.
Sonderregelung für Mehrwertsteuer auf Gas könnte frühzeitig auslaufen
Wegen der hohen Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für Gas vorübergehend von 19 auf 7 Prozent gesenkt und Gas so billiger gemacht. Nun soll diese Sonderregelung drei Monate früher als geplant bereits zum Jahreswechsel auslaufen, heißt es in Regierungskreisen.
Beim Vergleichsportal Check24 zahlt ein Musterhaushalt derzeit für Strom 37,3 Cent je Kilowattstunde, 13 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Das Portal Verivox kommt auf 38,9 Cent. Bei Erdgas sind die Preise für Durchschnittshaushalte noch deutlicher gefallen: Bei Check24 um 48 Prozent auf 11,3 Cent je Kilowattstunde, bei Verivox auf 11,9 Cent.
Laut Check24 liegen aktuell knapp 70 Prozent der Gastarife der Grundversorger über dem Niveau der aktuellen Preisbremsen von 12 Ct pro kWh und 59 Prozent der Stromtarife über dem Preisdeckel von 40 Ct pro kWh. (hoe/dpa)



