Der Hauptsitz des VNG-Konzerns in Leipzig

Der Hauptsitz des VNG-Konzerns in Leipzig

Bild: © Eric Kemnitz

Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender des Leipziger Gaskonzerns VNG, warnt vor einem sofortigen Embargo auf russisches Erdgas. "Die Auswirkungen auf den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschlands [...] wären auch mit Blick auf die gesellschaftlichen Folgewirkungen aus unserer Sicht zu gravierend", sagte er auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens.

Zugleich bezeichnete er das Vertrauen in Russland als Handelspartner infolge des Ukraine-Kriegs als "massiv und nachhaltig beschädigt".  Der russische Angriff habe die VNG "schockiert" und "erschüttert". Er sei eine "Zäsur für die europäische und deutsche Energiewirtschaft und mithin auch für unser Unternehmen". Eine weitere Diversifizierung der Erdgaslieferungen sei unumgänglich.

VNG-Lieferungen aus Russland

Derzeit bezieht die VNG nach eigenen Angaben rund ein Fünftel ihres Erdgases über Direktlieferverträge aus Russland. Ein Vertrag, der gut ein Drittel aller vereinbarten Liefermengen ausmacht, läuft demnach Ende des Jahres aus. Die restlichen Verträge laufen bis spätestens 2030.

Ebenso bestehen Lieferbeziehungen zu Norwegen. Der tatsächliche Anteil russischen Erdgases am VNG-Mix dürfte jedoch deutlich größer sein. Denn auch ein beträchtlicher Teil des am Großhandel gekauften Erdgases stammt in der Regel aus Russland.

KfW-Kredit "reine Vorsorgemaßnahme"

Die extremen Preisschwankungen an den Energiemärkten machen auch der VNG Sorgen. Erst jüngst hatte die VNG einen Kredit bei der staatlichen Förderbank KfW beantragt.

Finanzvorstand Bodo Rodestock unterstrich, dass der Konzern seinen bisherigen Liquiditätsbedarf "jederzeit aus der eigenen finanziellen, soliden Situation heraus erfüllt hat, ohne dabei auf eigene Back-up-Liquiditäten zurückgreifen zu müssen".

Vollzug bei KfW-Kredit

Für den Fall aber, dass sich an den Energiebörsen noch größere Preisverwerfungen ergeben könnten, sei "als reine Vorsorgemaßnahme" ein Kreditvertrag in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro beantragt worden. "Wir befinden uns hier in guten Gesprächen und sind zuversichtlich, den Vertrag in Kürze abschließen zu können", sagte Rodestock.

Am Abend meldete die VNG schließlich, dass sie mit der KfW einen Kreditvertrag mit einer Laufzeit bis zum April 2023 unterzeichnet habe. Demnach sei der zur Verfügung stehende Finanzierungsrahmen um eine Milliarde Euro erhöht worden.

Katharina-Speicher im Fokus

Als einer der größten Gasspeicherbetreiber Deutschlands fällt der VNG in diesem Sommer eine besondere Rolle zu. Die eigenen Speicher seien aktuell zu 42 Prozent und damit "überdurchschnittlich" gefüllt, berichtete Technikvorstand Hans-Joachim Polk.

Unter dem Schnitt liegt dagegen der Gasspeicher Katharina bei Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt), der von der VNG und Gazprom Export betrieben wird. Er war zuletzt zu 20 Prozent gefüllt. Trotz der jüngsten Turbulenzen rund um die bisherige Gazprom-Export-Tochter Gazprom Germania will die VNG an dem Gemeinschaftsunternehmen festhalten. Im Prinzip sei die Zusammenarbeit stabil, sagte VNG-Chef Heitmüller. Das sei auch wichtig, weil der Speicher für die Versorgungssicherheit in Deutschland vomn Bedeutung sei.

Zufrieden mit Geschäftsverlauf

Darüber hinaus plane die VNG weder neue Projekte mit russischen Unternehmen noch neue Lieferverträge, stellte der Manager klar.

Mit dem Verlauf des abgelaufenen Geschäftsjahres zeigte sich der Konzern mit Sitz in Leipzig zufrieden. Trotz extremer Preissprünge an den Gasmärkten habe die VNG "eine starke operative Performance" gezeigt, sagte Finanzvorstand Rodestock. "Von Transport über Speicherung und Vertrieb bis Handel haben wir in allen Geschäftsbereichen eine deutliche Ergebnisverbesserung gesehen." Den größten Zuwachs habe der Konzern im Handel erzielt.

Ergebnis steigt um 26 Prozent

In Zahlen heißt das, dass das operative Konzernergebnis (angepasstes Ebit) im vergangenen Jahr auf 225 Mio. Euro stieg. Das entspricht einem Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zudem verdoppelte der Konzern seinen Umsatz von 9,8 Milliarden auf 18,5 Milliarden Euro. Die VNG habe dabei von den extremen Preissteigerungen beim Gas profitiert, erläuterte Rodestock. Der Gasabsatz wiederum betrug 726 Mrd. kWh (2020: 599 Mrd. kWh). (aba)

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