Umbruch bei den Stadtwerken Frankenthal in Rheinland-Pfalz. Die Suche nach Stromkunden fern der Heimat ist zu Ende, der steuerliche Querverbund muss wohl neu justiert werden und dann geht auch noch der Geschäftsführer. Und das alles mitten in der Corona-Krise, die auch den Stadtwerken Frankenthal gehörig zu schaffen macht.
Zuerst zum Ausstieg aus dem bundesweiten Geschäft mit Firmenkunden. Diesen Strategiewechsel haben die Stadtwerke schon vor der Corona-Krise schrittweise vorgenommen. Geschäftsführer Thomas Bollheimer fühlt sich jetzt bestätigt: "Das Buhlen um Kunden bundesweit bietet Wachstumschancen, aber auch Risiken", sagt er. "Letztere haben wir in der Corona-Krise einmal mehr vor Augen geführt bekommen." Er meint Kunden, die plötzlich in finanzielle Nöte geraten, sinkende Nachfrage nach Energie und fallende Preise an der Börse.
Fokus auf E-Mobilität
Also geben die Stadtwerke fürs Erste derlei überregionale Ambitionen auf, selbst wenn zwischenzeitlich bis zu 20 Prozent des Stromumsatzes aus diesem Geschäft stammten. Die letzten laufenden Verträge dürften "fast komplett" im nächsten Jahr auslaufen, sagt Bollheimer.
Stattdessen wollen sich die Stadtwerke stärker auf Kunden und den Netzbetrieb vor Ort konzentrieren. Wichtiger sollen auch Geschäftsfelder wie E-Mobilität (Stichwort öffentliche Ladesäulen) und Technologien wie Wasserstoff werden. "Ich persönlich bin davon überzeugt, dass wir uns von den fossilen Energien verabschieden müssen", sagt Bollheimer. "Ziel muss ein defossilisierter Energievertrieb sein."
Neue Kooperationen
In welcher Formation die Stadtwerke diese Themen angehen werden, ist dabei offen. Zum einen stellt sich die Frage der Kooperationen. Aktuell beteiligen sich die Stadtwerke Frankenthal unter anderem an der Thüga AG und an den Pfalzwerken. Aus Sicht der Stadt sind das "erstklassige Kooperationspartner". Gleichfalls sähen es Gesellschafter und Geschäftsführung als ständigen Prozess an, Kooperationsmodelle zu prüfen, weil diese den immer komplexert werdenden Energiemarkt von morgen noch mehr prägen würden als heute.
Zum anderen könnten die Stadtwerke bald ihre Sparten Strand- und Ostparkbad sowie die Parkhausbetriebe verlieren. Der Grund für die wahrscheinliche Abspaltung liegt aber nicht an EU-Regelungen, wie die Stadt Frankenthal versichert. Im Frühjahr hatte der Europäische Gerichtshof wider Erwarten doch nicht geprüft, ob die gängige Praxis kommunaler Unternehmen rechtens sei, chronisch defizitäre Tätigkeiten mit gewinnbringenden Sektoren steuerlich zu verrechnen und dadurch faktisch Steuern zu sparen. (Die ZfK berichtete.)
Tochter oder Schwester
Stattdessen verweist die Stadt auf eine "spezielle gesellschaftsrechtliche Situation, die die ertragssteuerliche Organschaft zwischen der Stadtwerke Frankenthal GmbH und ihrem Mehrheitseigner, der Congress Forum Frankenthal GmbH nach einer Übergangsfrist ab 2022 unmöglich machen würde". Unter dem Dach des Congress Forum Frankenthal versammeln sich mehrere städtische Betriebe Frankenthals, darunter auch die Stadtwerke.
Oberbürgermeister Martin Hebich sieht zwei Möglichkeiten. Entweder könnten Bäder und Parkhäuser eine Tochter der Stadtwerke werden. Oder eine Schwester, vereint unter dem Dach des Congress Forum Frankenthal. Die Stadt sei aber noch im Prüfungsprozess, heißt es aus dem Rathaus.
Abenteuer viertes Quartal
Zumindest eines blieb die vergangenen knapp elf Jahre konstant bei den Stadtwerken Frankenthal. Bollheimer war Geschäftsführer. Doch auch das ändert sich. Bollheimer hört Ende März 2021 auf. Aus "persönlichen Gründen", wie er sagt. (Die ZfK berichtete.)
Die Arbeit ausgehen dürfte ihm bis dahin aber nicht. Schließlich wütet ja noch immer Corona. Und auch wenn sich die wirtschaftliche Lage für die Stadtwerke insbesondere im Energiesektor "erfreulicherweise stabilisiert hat", wie Bollheimer versichert, steht der Winter mit möglichen weiteren Verwerfungen bevor. Auch deshalb sagt Bollheimer, gerade mit Blick auf die firmeneigenen Bäder: "Das vierte Quartal wird ein Abenteuer." (ab)


