Der Biomethanhändler bmp greengas ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Den Turnaround soll ein Schutzschirmverfahren bringen; falls das nicht funktioniert, lässt sich wohl eine Insolvenz kaum verhindern.
Dass es sich um einen durchaus beachtlichen Marktplayer handelt, zeigt die Menge des gehandelten Biomethans: Nach eigenen Angaben steht bmp greengas für ein Handelsvolumen von über 4 Terawattstunden. Laut Fachverband Biogas speisen Biogasanlagen 10 Terawattstunden Biomethan jährlich in das Erdgasnetz ein.
Der Schuh bei den Stadtwerken drückt also ziemlich, seitdem bmp greengas seinen Kund:innen mitteilte, sich nicht mehr an die vertraglich zugesagten Liefermengen halten zu können. Dazu setzte das Unternehmen für jedes Stadtwerk neue Änderungsverträge auf, die neben reduzierten Liefermengen auch höhere Preise vorsehen – und mit einer Frist bis zum 5. Juli 2023 versehen sind.
Gros der Stadtwerke nutzt Biomethan in EEG-Anlagen
Kaum verwunderlich, dass sich rund 40 Interessierte aus 24 verschiedenen EVU fanden, die sich im von der ASEW moderierten Webinar zum Thema austauschen wollten. Schnell zeigte sich: Die Herausforderungen, die sich für die betroffenen Unternehmen ergeben, sind groß.
Dies ergibt sich vor allem aus der Struktur der Biomethannutzung: Denn der überwiegende Teil der anwesenden Stadtwerke nutzt Biomethan in EEG-Anlagen. Aus der Verwendung im EEG folgt zugleich, dass eine mögliche Ersatzbeschaffung aus dem Ausland nicht möglich ist. Die Verträge mit bmp greengas zur Biomethanbeschaffung weisen zudem eher längere Laufzeiten auf.
Der deutsche Markt ist für die Jahre 2023/24 praktisch „leergekauft“. Erst danach sind wieder größere Mengen Biomethan verfügbar. Ein bedeutender Faktor hierbei ist die „aktuelle Verdrängung“ von Biomethan aus dem EEG-Bereich zugunsten des Einsatzes im Verkehrssektor – dort lassen sich schlicht und ergreifend bessere Umsätze erzielen.
Vertrauen der Stadtwerke in bmp greengas erschüttert
Insgesamt zogen die teilnehmenden Stadtwerke ein sehr eindeutiges Fazit: Das Vorgehen rund um die Änderungsverträge hat das Vertrauen in den Partner bmp geengas erschüttert. Dies umso mehr, da es bereits vor Einsetzen des Schutzschirmverfahrens (im Herbst 2022) Kontakte von bmp greengas zu einigen Partnern gab.
"Große Unklarheit, was in den kommenden Wochen passiert"
Ziel war damals wohl bereits eine Reduzierung von Biomethanmengen, um das Schutzschirmverfahren doch noch abzuwenden. Es besteht insofern auch eine große Unklarheit, was in den kommenden Wochen passiert. Es manifestierte sich generell der Eindruck, dass die Bedeutung des Falles unterschätzt werde.
Es vollziehe sich gerade ein deutlicher Marktumbruch. Das Vorgehen von bmp greengas ziehe eine Vertrauenskrise im Biomethanmarkt nach sich.
Einig waren sich die Teilnehmer:innen in ihrem Wunsch nach einem Nachfolgetermin zum Erfahrungsaustausch, um sich im gleichen Kreise erneut auszutauschen, was nach dem Ablauf der Frist passiert. (Ein Gastbeitrag von Kara Hoffmann, Gruppenleiterin Ökoenergie-Produkte, ASEW)



