Die Vorstände der VSE, Stephan Tenge (links) und Hanno Dornseifer, bei der Jahrespressekonferenz zur Geschäftsbilanz 2021.

Die Vorstände der VSE, Stephan Tenge (links) und Hanno Dornseifer, bei der Jahrespressekonferenz zur Geschäftsbilanz 2021.

Bild: © VSE AG

"Die sichere und verlässliche Versorgung des Saarlandes mit klimafreundlicher und bezahlbarer Energie hat durch den Krieg in der Ukraine eine neue Dimension erreicht", sagte VSE-Vorstand Hanno Dornseifer gleich zu Beginn der Vorstellung der Geschäftszahlen für das Jahr 2021. Die richtige Antwort darauf sei es, erneuerbare Energien auszubauen, die Infrastruktur weiter zu modernisieren, den Wärmemarkt sukzessive zu elektrifizieren sowie Energie-Effizienz-Maßnahmen umzusetzen.

"In diesen Zeiten des Krieges und der Klimakrise sowie der lange noch nicht überwundenen Folgen der Corona-Pandemie gilt es, die Unternehmen der VSE-Gruppe als verlässliche Partner für Energieversorgung und Infrastruktur in den Fokus zu rücken", ergänzte VSE-Vorstand Stephan Tenge. Er war erst zum Anfang April 2022 als technischer Vorstand von der Eon-Tochter Avacon ins Saarland gewechselt. Die ZfK berichtete.

Steigende Umsatzerlöse

Bei den Geschäftszahlen zeigte sich ein widersprüchliches Bild: Hier sanken sowohl die Stromabgabe (von 9175 auf 7415 GWh), als auch die Erdgasabgabe (von 10.793 auf 8.975 GWh) sowie die Wasserabgabe (von 6,8 auf 6,5 Mio. Kubikmeter) gegenüber dem Vorjahr. Beim Strom nahmen Industrie und Großhändler deutlich weniger ab. Beim Gas blieb der Absatz in der Industrie weitestgehend konstakt, während der Absatz an den Großhandel nachließ.

Trotzdem stiegen die Umsatzerlöse, von 0,98 auf 1,02 Mrd. Euro. Neben den deutlich gestiegenen Beschaffungspreisen für Strom und Gas war dafür die hohe Nachfrage nach nachhaltigen, energienahen und innovativen Dienstleistungen verantwortlich, hieß es.

Hohe Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen

So baute der Energieverdorger sein Dienstleistungsgeschäft mit Stadt- und Gemeindewerken sowie Industriekunden weiter aus, zum Beispiel beim Bau von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität und damit verbundene digitale Dienste, vermarktete mehr aus dezentralen Erzeugungsanlagen bereitgestellte Energie an der Börse und forcierte ihr Geschäftsmodell zur Asset-Optimierung im Gas- und Strombereich.

Zudem verzeichnete das Unternehmen eine zunehmende Nachfrage nach Telekommunikationsdienstleistungen, angefangen bei höheren Bandbreiten über Sprachmehrwertdienste bis hin zu hochsicheren Rechenzentrumsleistungen.

110 Mio. Euro für die Stromnetze

"Wir wollen in den nächsten drei Jahren Rekordinvestitionen tätigen", sagte Tenge. "Die VSE ist ganz klar auf Wachstumskurs. Investitionen zwischen 70 und 90 Mio. Euro pro Jahr. Wollen nochmal eine Schippe drauflegen." Insgesamt will das Unternehmen 230 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren ausgeben.

Der Schwerpunkt der Investitionen liegt bei den Stromnetzen: 110 Mio. Euro fließen dorthin in den nächsten drei Jahren. Haupttreiber sind dabei der Ausbau der Netze für die zunehmenden erneuerbaren Energien sowie die Digitalisierung der Mittel- und Niederspannungsnetze. Besonders der Strombedarf von E-Ladesäulen und Wärmepumpen sei hier ein Treiber.

Glasfaser als Standortvorteil

Zu einem wichtigen Geschäftsfeld entwickelt sich außerdem Fiber to the Home. "Glasfaser und hohe Übertragungsvorteil gehören zum Wettbewerbsvorteil der Region", sagte Dornseifer. "Hier investieren wir hohe Summen". Rund 30 Mio. Euro sollen dort in den nächsten drei Jahren eingesetzt werden. Nochmal rund 20 Mio. Euro gehen in die Telekommunikation.

120 Mio. Euro investiert die VSE darüber hinaus bis 2024 in Erneuerbare-Energien-Anlagen. Hier habe das Unternehmen "hochinteressante Projekte in der Pipeline sowohl bei der Photovoltaik als auch bei der Winenergie", versprach Tenge. Windkraftanlagen mit einer Leistung von 53,2 MW Windkraft und 16,4 MW Photovoltaik befinden sich demnach in der Projektierung.

Personal für Wärmepumpen

Eine große Herausforderung sei die Suche nach Fachkräften. "Wir sind auf der Suche nach mehr als 130 neuen Kolleg*innen, die wir in den nächsten drei Jahren finden wollen", sagte Dornseifer. Vor allem in den technischen Berufe werde gesucht. Darüber hinaus sind derzeit 70 junge Menschen bei der VSE in Ausbildung.

Die Ausbildung könnte auch dabei helfen, ein anderes Problem zu lösen. "Der Handwerkermarkt ist leergefegt", sagte Dornseifer. Mit dem aktuellen Personal habe der Versorger Schwierigkeiten, die Wärmepumpen-Nachfrage zu bedienen. Auch bei der Hardware könnte es langfristig zu Engpässen kommen. (jk)

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