Octopus Energy will in Deutschland bis 2024 eine Million Strom- und Gaskunden gewinnen.

Octopus Energy will in Deutschland bis 2024 eine Million Strom- und Gaskunden gewinnen.

Bild: © Octopus Energy

Es soll schon bessere Zeiten gegeben haben, um als Energieversorger Gelder und Neukunden zu akquirieren. Oder vielleicht doch nicht?

Die beiden digitalen Anbieter Octopus Energy und Ostrom jedenfalls haben in jüngster Zeit mit mancher Erfolgsmeldung aufgewartet – trotz Strom- und Gaskrise.

4,4 Millionen Euro mehr

So verkündete das Berliner Start-up Ostrom am Montag auf seinem Blog, 4,4 Millionen Euro von mehreren Investoren eingesammelt zu haben. Unter den Geldgebern befindet sich beispielsweise die Berliner Investorengruppe 468 Kapital.

Ostrom wirbt mit festen, transparenten und jederzeit kündbaren Stromtarifen sowie einer App, die auf Software des IT-Unternehmens Powercloud basiert. Das Unternehmen startete im Mai seinen Stromvertrieb.

Kunden in mehr als 400 Kommunen

Nach eigenen Angaben hat der Anbieter Kunden in mehr als 400 Städten und Gemeinden. Nähere Angaben machte er auf ZfK-Anfrage nicht. Ostrom will vor allem Millennials und digital-affine Großstädter ansprechen.

Etwas länger im Geschäft ist Octopus Energy Germany. Es hat auch deutlich mehr Geld in der Hinterhand. 2019 hatte der britische Mutterkonzern Octopus Energy das Münchner Start-up 4hundred übernommen und für den deutschen Markteintritt in der Folge eine Anfangsinvestition von 80 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Verivox-Rückzug

Im Dezember teilte Octopus nun mit, seine Kundenzahl in Deutschland seit November 2020 versechsfacht zu haben. Demnach lag sie im oberen fünfstelligen Bereich. (Die ZfK berichtete.)

Aus den gängigen Vergleichsportalen wie Verivox, wo Octopus Anfang Dezember noch weit vorne platziert war, hat sich das Unternehmen allerdings vorerst zurückgezogen.

Lieferstopps von Billiganbietern

Octopus begründet dies mit der volatilen Marktsituation, die teilweise zu sehr hohem Kundenzuwachs geführt habe, sowie mit der Weihnachts- und Ferienzeit im Team.

"Besonders hervorzuheben sind die vielen Insolvenzen, auch größerer Anbieter", teilt eine Sprecherin mit. Dies führe zu erheblichem Mehraufwand beim Onboarding betroffener Kunden, die zu Octopus wechselten. Im Dezember hatten mit Gas.de und Stromio Energieanbieter mit insgesamt mehreren hunderttausend Kunden ihre Lieferungen eingestellt.

Direktvertrieb "sehr erfolgreich"

Auf der eigenen Website bietet Octopus weiterhin Strom- und Gastarife an. Zudem setzt das Unternehmen auf das Haustürgeschäft. Generell laufe der Direktvertrieb derzeit "sehr erfolgreich", heißt es.

Aktuell bietet Octopus für einen Durchschnittshaushalt (Jahresverbrauch 2000 kWh) in Berlin-Pankow einen Tarif mit einem Arbeitspreis von 43,58 Cent pro kWh bei einer Preisgarantie von zwölf Monaten.

Nur Grundversorger Vattenfall günstiger

Der monatliche Grundpreis beträgt 7,02 Euro. Damit wäre auf dem Vergleichsportal Verivox derzeit nur Grundversorger Vattenfall günstiger.

Ostrom berechnet für denselben Durchschnittshaushalt einen Arbeitspreis von 38,27 Cent pro kWh. Dazu kommen zusätzliche Gebühren in Höhe von 10,01 Euro.

Ostrom setzt auf PPAs

Welche Vertriebskanäle Ostrom aktuell nutzt, welche Wege besonders erfolgreich sind und ob sich der derzeitige Tarif angesichts hoher Energiepreise wirtschaftlich überhaupt rechne, ließ das Unternehmen mit Verweis auf "Geschäftsgeheimnisse" unbeantwortet.

Auch zur Beschaffungsstrategie äußerte sich das Unternehmen nicht. Nur so viel: "Wir setzen hier zunehmend auf Direktabnahmeverträge, sprich PPAs."

Große Ziele

Ihren Optimismus haben sich die beiden Anbieter trotz Energiekrise jedenfalls nicht nehmen lassen. So kündigt Ostrom an, sein Energieproduktportfolio sowie seine App nicht nur in Deutschland, "sondern europaweit und später auch global skalieren" zu wollen.

Und Octopus hält unvermindert an seinem Ziel fest, im Jahr 2024 bundesweit eine Million Strom- und Gaskunden haben zu wollen. (aba)

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