Von Hans-Peter Hoeren
In Sachen Fernwärme sind die Mainzer Stadtwerke bereits gut aufgestellt. Das Fernwärmenetz hat eine Länge von mehr als 100 Kilometern. Mehr als 1000 größere Immobilien werden bereits mit Fernwärme versorgt, unter anderem auch der Mainzer Dom, die Universität, die Unikliniken, das Bundesligastadion von Mainz 05 sowie zahlreiche Ministerien und Hotels. Der Wärmemasterplan 2.0, den die Mainzer Stadtwerke und die Stadt Mainz vor etwa zwei Jahren erstellt haben, sieht künftig zudem große Ausbaupotenziale vor allem in innenstadtnahen Stadtteilen mit einem großen Bestand an Mehrgeschosswohnungsbau sowie in den Arealen, in denen größere Gewerbebetriebe angesiedelt sind.
"Die genauen Potenziale werden aktuell in der kommunalen Wärmeplanung durch die Stadt Mainz erstellt, die bis Mitte 2026 fertig sein wird", erklärt Daniel Gahr, der Vorstandsvorsitzende des Kommunalversorgers aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.
Erneuerbaren-Anteil in der Fernwärme liegt bei 30 Prozent
Die Fernwärme des diesjährigen Gastgebers des VKU-Stadtwerkekongresses am 30. September und 1. Oktober in Mainz (mehr zum Programm finden Sie hier und in unserer Sonderbeilage ganz am Ende des E-Papers in der Print-Ausgabe für August der ZfK) weist bereits heute einen Erneuerbare-Energien-Anteil von rund 30 Prozent auf. Sie entspricht damit bereits heute dem durch das Wärmeplanungsgesetz ab 2030 verpflichtenden Anteil an grüner Wärme.
"Wir werden da natürlich nicht aufhören, denn der Erneuerbarenanteil muss bis 2045 auf 100 Prozent steigen", sagt Kerstin Stumpf, Vorständin der Mainzer Stadtwerke. Sie wird bei dem Branchentreffen in einem Praxispanel "Erfolgreiche Wärmewende: Von der Planung über die Finanzierung bis hin zur Umsetzung" einen kurzen Einblick in die strategischen Herausforderungen und die Strategie der Mainzer Stadtwerke geben.
Auch Abwärme aus Rechenzentrum soll genutzt werden
Ein Großteil der Fernwärme in Mainz wird bereits sehr umweltfreundlich produziert und stammt aus der Abwärme der Stadtwerke-Tochter Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) AG sowie aus der Abwärme der dortigen Abfall- und Klärschlammverbrennung. Künftig soll auch die Abwärme aus dem neuen Rechenzentrum, das auf dem KMW-Gelände entsteht, für die Fernwärmeversorgung genutzt werden.
Die Wärmewende, insbesondere die Transformation der Wärmeversorgung im Bestand, sei für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung, verdeutlicht Kerstin Stumpf. "Auf uns als Versorger kommt hier ein enormer Finanz- und Personalbedarf zu, etliche Kilometer an zusätzlichen Fernwärmeleitungen und -anlagen oder zusätzliche Stromleitungen und -anlagen können vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels nicht einfach durch das vorhandene Personal mitgeplant und umgesetzt werden", so die Vorständin weiter. Hier müssten zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden. Und auch auf die Bürgerinnen und Bürger kämen einige Herausforderungen zu – und das nicht nur wegen der Baustellen. "Eine sozialverträgliche Umsetzung bedarf deshalb der Unterstützung durch die Politik", stellt Stumpf klar.
Die Aufwendungen für die Energie- und Verkehrswende allein in Mainz werden bei vielen hundert Millionen Euro liegen. Mittel- bis langfristig wird im Zuge der Wärmewende mit der Installation von mehreren zehntausend neuen Wärmepumpen im Stadtgebiet gerechnet. Diese benötigen genauso Strom, wie der Ausbau der Elektromobilität und neue Rechenzentren, die durch die Nähe zum Internetknotenpunkt Frankfurt in der Region wie Pilze aus dem Boden schießen.
Stromlast im Netz wird massiv steigen
"Unterm Strich wird die Stromlast in unserem Verteilnetz in den nächsten fünf bis zehn Jahren um mehrere hundert Megawatt steigen", verdeutlicht Vorstandsvorsitzender Daniel Gahr. Dies erfordere hohe Investitionen und zusätzliche Personalkapazitäten für den Ausbau des Stromnetzes. "Aufgrund der vielfältigen Herausforderungen müssen wir sehr wohlüberlegt vorgehen und hoffen natürlich auf passende wirtschaftliche Rahmenbedingungen, für die großen anstehenden Investitionen", sagt Gahr.
Ein wichtiger Baustein bei der Wärmewende in Mainz ist der Wasserstoff, hier nimmt Mainz mit seinem Energiepark seit Jahren eine Vorreiterrolle ein. Zudem ist der Aufbau eines initialen Wasserstoffnetzes mit einer etwa drei Kilometer langen Leitung entlang der Rheinschiene geplant. "Dieses Netz ist vor allem für Unternehmen und den Wissenschaftsstandort Mainz wichtig“, betont Kerstin Stumpf. Die künftige Nutzung von Wasserstoff liegt aus ihrer Sicht eher in Hochtemperaturanwendungen in der Industrie, im Schwerlastverkehr und bei der Rückverstromung in Dunkelflauten in Kraftwerken.
Initialnetz für Wasserstoff geplant
Genau hier setze auch das geplante Wasserstoffinitialnetz Mainz an. Die geplante Leitung solle zum einen eine Wasserstofftankstelle anbinden, die demnächst von Wiesbaden nach Mainz umziehen werde. Zum anderen werde sie an den vorhandenen Gaskraftwerken vorbei zu den großen Mainzer Industriebetrieben führen, die ihre bisher auf Erdgas basierenden Produktionsprozesse klimagerecht umstellen möchten. "Dieses Initialnetz wird zunächst mit Wasserstoff versorgt durch eine neue Elektrolyseanlage und kann später an das geplante bundesweite Wasserstofftransportnetz angebunden werden", erklärt Stumpf.
Aktuell spielt Wasserstoff bereits eine wichtige Rolle für die Mobilität in Mainz. "Wir fahren heute schon mit sechs Brennstoffzellenbussen, die mit Wasserstoff betrieben werden", sagt Daniel Gahr. Weil aktuell einige wichtige Anlagenteile ersetzt werden müssen, kann der hierfür benötigte Wasserstoff nicht im Energiepark in Hechtheim hergestellt werden. Man arbeite aber mit dem Partner Linde mit Hochdruck daran, dass dies demnächst wieder möglich sei.



