Von Hans-Peter Hoeren
Die Stadtwerke Münster wollen bereits in diesem Jahr auf freiwilliger Basis einen ersten internen Nachhaltigkeitsbericht nach den Anforderungen der EU-Nachhaltigkeitsdirektive CSRD erstellen. Und das, obwohl der Kommunalversorger aufgrund der von der EU geplanten Lockerungen und Anpassungen der Vorgaben wohl nicht wie ursprünglich vorgesehen ab dem kommenden Jahr, sondern erst ab 2028 berichtspflichtig werden dürfte.
"Weil wir das Thema früh erkannt und mit Hochdruck vorangetrieben haben, sind wir nun startklar. Der erste Bericht wird nicht nur uns, sondern auch unseren Stakeholdern wichtige Erkenntnisse zur nichtfinanziellen Unternehmensentwicklung liefern und ihr Vertrauen in uns stärken", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Jurczyk. Anders als viele andere sehe man in der Nachhaltigkeitsberichterstattung keinen überbordenden EU-Bürokratismus, sondern die große Chance, die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern. "Der Nachhaltigkeitsbericht liefert uns datenbasiert Erkenntnisse zu Marktchancen und Entwicklungspotenzialen", so Jurczyk weiter.
Prozessoptimierung und Ausbau
"Der erste freiwillige Bericht ist fast fertig. Wir haben einen Großteil der Daten bei den Fachbereichen abgefragt und werden den Bericht in diesem Jahr noch veröffentlichen", sagt Elisabeth Schedlmeier, Strategiemanagerin bei den Stadtwerken Münster. Bei ein, zwei Datenpunkten sei man noch nicht ganz sicher, ob man diese jetzt erheben müsse. Insofern könne der Bericht an der einigen wenigen Stellen etwas weniger umfassend ausfallen.
Gleichzeitig arbeite man daran, die internen IT-Prozesse weiter zu optimieren und den Automatisierungsgrad bei der Berichterstellung entsprechend auszubauen, um hier in den kommenden Jahren entsprechende Effizienzen heben und Reportings schnell erheben zu können. Aktuell etwa würden die ersten Kennzahlen für die Treibhausgasbilanz automatisiert erfasst. "Beim Erstellen des Berichtes allein wollen wir es nicht belassen. Wir wollen in diesem Jahr schon mit den Ergebnissen und Zahlen, die wir veröffentlichen, operativ arbeiten", verdeutlicht Katharina Brunert, Leiterin Strategie und Politik.
"Nachhaltigkeit ist bereits fester Bestandteil unserer Strategie"
Viele der Transformations-Herausforderungen seien bereits im Rahmen der Strategieentwicklung benannt und erkannt. "Mit den jetzt erhobenen Daten kann man die konkrete Entwicklung noch klarer aufzeigen und mit konkreten Maßnahmen hinterlegen", erklärt Brunert. Als Beispiel nennt sie die Treibhausgasbilanz, hier könne der Nachhaltigkeitsbericht die wichtigsten Hebel und Stellschrauben sichtbar machen und ganz konkret aufzeigen, woran man künftig verstärkt arbeiten müsse.
Das Gleiche gelte für Themen wie den Erneuerbarenausbau oder die Elektrifizierung der Busflotte. Diese seien zwar mit Zielwerten bereits in der Strategie verankert, dennoch könnten hier die Daten aus dem Nachhaltigkeitsbericht helfen, die nachhaltige Entwicklung noch stärker zu monitoren und wo erforderlich entsprechend nachzujustieren. "Nachhaltigkeit ist bereits ein fester Teil unserer Strategie. Deshalb überschneiden und ergänzen sich der Nachhaltigkeitsbericht und unsere Strategie an einigen Stellen“, so die Leiterin Strategie und Politik.
Das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung biete für die Stadtwerke vor allem Chancen beim Thema Finanzierung, ist Brunert überzeugt. "Gespräche mit Investoren oder der Kreditwirtschaft zeigen uns, dass eine nachhaltige und langfristig ausgerichtete Strategie und deren Unterlegung mit jährlich erhobenen Daten von Vorteil ist", erklärt sie. Gerade auch mit Blick auf die anstehenden großen Investitionsherausforderungen im Zuge der Energiewende erhofft man sich hier durch das Nachhaltigkeitsreporting gegebenenfalls auch schnellere und günstigere Finanzierungszusagen. Auch gegenüber dem kommunalen Stakeholder, der Stadtgesellschaft und generell in der Kommunikation sei es zunehmend wichtig, sich als nachhaltig orientiertes Unternehmen zu positionieren.
Datenerfassung und -reporting erfolgt noch in eigenen Systemen
Für die noch anstehenden finalen Festlegungen der EU in Sachen EU-Nachhaltigkeitsdirektive erhofft man sich in Münster vor allem bei einigen geforderten Datenpunkten noch mehr Klarheit und Aussagekraft. Und generell eine längerfristige Planungssicherheit. "Es wäre schön, wenn das, was wir jetzt erarbeiten, nicht in wenigen Jahren schon wieder komplett überholt ist", betont Katharina Brunert.
Ein eigenes, spezifisches Tool für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nutzt man in Münster noch nicht, momentan arbeite man primär mit den bestehenden Systemen. Wirklich zufriedenstellende Lösungen, die alle Sparten eines Unternehmens abbildeten, seien momentan aber auch noch nicht im Markt, heißt es.
Interdisziplinäres Team aus verschiedenen Fachabteilungen
In Münster hat man sich frühzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, es ist seit 2020 in der Strategie verankert. "Wir konnten hier auf entsprechenden Grundlagen aufbauen, weil wir unsere Strategie 2030 bereits weit entwickelt und mit klaren Zielen untermauert haben, die den Weg zur Klimaneutralität leiten", ergänzt Elisabeth Schedlmeier.
Als sich die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung abzeichnete, wurde ein interdisziplinäres Team mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Fachabteilungen aufgebaut, etwa aus den Bereichen Finanzen, IT oder Revision. Das Nachhaltigkeitsmanagement ist in Münster im Bereich Strategie und Politik angesiedelt.
"Geschäftsführung und Fachbereiche frühzeitig eingebunden"
"Erfolgsentscheidend war, dass die Geschäftsführung und die Managementebene frühzeitig abgeholt und mit eingebunden wurden, aber auch die Fachbereiche, die dann für die Erhebung und Lieferung von Daten verantwortlich sind", sagt Schedlmeier. Das habe ein frühzeitiges Verständnis dafür geschaffen, was auf das Unternehmen zukommt, aber auch welche Chancen sich daraus ergeben. So sei es gelungen, die notwendige Akzeptanz sicherzustellen. "Es macht einen Unterschied, ob solch eine Herausforderung ausschließlich von unten oder von unten und oben gleichermaßen mitgetragen wird", sagt Schedlmeier. Dies sei gerade auch mit Blick auf den Aufbau und die Bereitstellung der notwendigen personellen und organisatorischen Ressourcen sehr wichtig gewesen.
Beim Aufbau der Berichterstattung nach CSRD und der Erstellung einer Treibhausgasbilanz hat man auch auf externe Unterstützung zurückgegriffen und sich zudem in einschlägigen Netzwerken wie der Asew-Klimaschutzinitiative mit anderen Stadtwerken ausgetauscht, die vor der selben Herausforderung standen.
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Durch die jüngsten Ankündigungen der EU zur Lockerung der Nachhaltigkeitsdirektive CSRD (Omnibus-Verordnung) hat das Thema Nachhaltigkeitsreporting noch einmal an regulatorischer Dynamik gewonnen. Viele Fragen sind offen. Bisherige Strategien müssen auf den Prüfstand gestellt und angepasst werden.
Wie können kleinere kommunale Unternehmen an das Thema herangehen und die sich ergebenden Chancen nutzen? Wie weit sind große kommunale Versorger in der Umsetzung, welchen Blick haben die Finanzwirtschaft, Wirtschaftsprüfer und Berater auf das Thema? Darüber wollen wir mit Ihnen und hochkarätigen Gästen bei der diesjährigen ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz am 17. Juni in Berlin diskutieren. Zum Programm und zur Anmeldung geht es hier.


