So viel Solarstrom wie in diesem Sommer wurde in Deutschland noch nie produziert. Wichtig: Das Bild ist von Künstlicher Intelligenz generiert worden.

So viel Solarstrom wie in diesem Sommer wurde in Deutschland noch nie produziert. Wichtig: Das Bild ist von Künstlicher Intelligenz generiert worden.

Bild: © Denis

Mit diesem Artikel startet die ZfK-Sommerserie 2025 zum Thema Direktvermarktung. In den kommenden Wochen folgt eine Reihe von Grafiken, Analysen und Beiträgen über große Direktvermarkter. Außerdem wird unser ZfK-Überblick zur Direktvermarktung aktualisiert. Sie sind Direktvermarkter und wollen ebenfalls gelistet werden oder haben einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann wenden Sie sich gern an den zuständigen Redakteur Julian Korb (j-korb(at)zfk(dot)de).

Von Julian Korb

Seit dem Jahresanfang hat die Mehrzahl der Direktvermarkter ihr Portfolio ausgebaut – teilweise sogar erheblich. Einige Portfolios blieben auch konstant, nur zwei Unternehmen vermarkten zum 1. Juli 2025 weniger Anlagen als noch zum Jahresanfang.

In absoluten Zahlen konnte der zweitgrößte Direktvermarkter, die EnBW, am stärksten zulegen. Mit einem Plus von fast 800 Megawatt (MW) hat der Karlsruher Energiekonzern die Schwelle von 10.000 MW wieder durchbrochen, der Spitzenwert von über 11.000 MW aus dem Jahr 2023 ist aber noch nicht wieder erreicht. Mit seiner Photovoltaik-Plattform ist das Unternehmen nach eigenen Angaben vor allem im kleinteiligen Markt gewachsen.

Prozentual am stärksten gewachsen sind mit rund 13 Prozent Impuls Energy und Inpower. Der Kölner Händler Impuls Energy arbeitet vor allem mit White-Label-Partnern zusammen, zu denen Stadtwerke und andere Direktvermarkter gehören. Man habe sich bei den Anlagengrößen und individuellen Wünschen offen gezeigt, erklärt Geschäftsführer Johannes Päffgen gegenüber der ZfK die Entwicklung.

Ausgewogene Balance im Portfolio

In der Spitzengruppe weisen überhaupt alle großen Direktvermarkter ein zweistelliges Wachstum auf – mit einer Ausnahme: Next Kraftwerke. Hintergrund der Entwicklung beim Kölner Anbieter sind wohl auch die zunehmenden Negativpreise und Schwankungen an der Strombörse. "Negative Preise erhöhen auf Seiten der Direktvermarkter den Bedarf, Anlagen zuverlässig regeln zu können", erklärt Vertriebschef Mark Lindenberg gegenüber der ZfK.

"Als größter deutscher PV-Direktvermarkter achten wir daher im verstärkten Maße auf eine gute Regelbarkeit von PV-Anlagen, die wir in unseren Pool integrieren, beziehungsweise denen wir auch bessere Konditionen bieten können." Man müsse der volatilen Erzeugung durch eine ausgewogene Balance zwischen steuerbaren und volatilen Energieträgern begegnen.

So will die Tochter des Energiekonzerns Shell künftig auch noch stärker Batteriespeicher ins Portfolio aufnehmen. Auch sei für 2026 ein Produkt für ausgeförderte Windkraftanlagen – sogenannte Post-EEG-Anlagen – geplant.

Negativpreise verschärfen den Wettbewerb

Zahlreiche Direktvermarkter nannten der ZfK Negativpreise und volatile Erzeugung als große Herausforderung der Branche. "Die stark gestiegene Zahl negativer Strompreise am deutschen Spotmarkt ist ein ernstzunehmendes Warnsignal", sagt Quadra-Geschäftsführer Thomas Krings. Der Markt sei nicht in der Lage, die Volatilität durch den massiven PV-Ausbau ausreichend aufzufangen.

Mit Blick auf die Anzahl der Negativpreise dieses Jahr seien 700 Stunden noch eine konservative Schätzung. Maßgeblich wird dafür das Windaufkommen im Herbst und Winter sein, das im vorangegangenen Winterhalbjahr historisch niedrig ausfiel.

Allerdings fällt auch auf, dass die Negativpreise mittlerweile weniger stark ins Minus rutschen als noch im Vorjahr. "Das ist auch ein Zeichen dafür, dass die Direktvermarkter stärker abregeln und dadurch für Preisstabilität sorgen", so Krings weiter. Quadra selbst musste im ersten Halbjahr 2025 so viel Strom aus erneuerbaren Energien systemdienlich abschalten wie im gesamten Jahr 2024. Die Menge könnte sich bis zum Jahresende noch verdoppeln.

Vermarktungskosten abhängig von Flexibilität

Für Direktvermarkter erwartet Krings durch diese Entwicklung eine starke Differenzierung der Vermarktungskosten abhängig von der Flexibilität, die eine Anlage zur Verfügung stellen kann. Während man für nicht beziehungsweise schwer steuerbare Windenergie- oder Solaranlagen mit steigenden Vermarktungskosten zu rechnen hat, darf man für hochflexible Anlagen von stabilen bis leicht sinkenden Vermarktungskosten ausgehen.

Grundsätzlich werde die Bepreisung in der Direktvermarktung durch den Redispatch, durch die steigende Preisvolatilität und durch zunehmende Schaltungen der Wettbewerber ein "unheimlich komplexes Unterfangen". Zutreffende meteorologische Daten und genaue Prognosen würden immer wichtiger. "Die Wettbewerbsintensität wird in diesem Umfeld ganz sicher weiter zunehmen", ist sich Krings sicher.

Nahezu alle Anbieter wollen Batterien aufnehmen

Als wesentliche Reaktion auf Negativpreise gaben die Direktvermarkter der ZfK gegenüber das Abschalten von Anlagen und das Einspeichern von Strom in Batteriespeicher oder Pumpspeicherkraftwerke an. Auch deshalb nannten die meisten der insgesamt 37 teilnehmenden Anbieter als eine ihrer Prioritäten den Ausbau des Speicherportfolios oder einen Einstieg in die Batterie-Vermarktung.

Nur zwei Direktvermarkter gaben dies explizit nicht an. Darüber hinaus sehen mehrere Anbieter große Chancen in der Vermarktung von Regelenergie. Hier gewinnt auch die negative Regelleistung durch das Abschalten von Windkraftanlagen an Bedeutung.

Eine Handvoll Anbieter hat zudem bereits Flexibilität bei der Stromnachfrage ins Portfolio aufgenommen, so etwa der Essener Energiekonzern RWE. Auch der Nürnberger Versorger N-Ergie nannte das sogenannte Demand Side Management als künftige Flexibilitätsoption im Portfolio.

Zuwachs vor allem bei PV und Wind

Insgesamt ist der Direktvermarktungsmarkt im ersten Halbjahr 2025 um knapp fünfeinhalb Gigawatt (GW) gewachsen – vor allem in den Technologien Wind und PV, wie aus einer Übersicht der Übertragungsnetzbetreiber hervorgeht. Mehr als die Hälfte des Zuwachses entfällt auf die Photovoltaik.

Die meisten Betreiber neuer Solar- und Windanlagen entscheiden sich derzeit für die staatlich bezuschusste Marktprämie. Einige dürften auch aus der sonstigen Direktvermarktung zurück in die Förderung gewandert sein.

Kaum Zuwächse ergaben sich dagegen bei Wasserkraft und Biomasse. Bei der Biomasse zeigt der Trend in die sonstige Direktvermarktung ohne staatliche Förderung. Die Menge an direktvermarkteter Geothermie ging insgesamt sogar zurück.

Hinweis: Eine Übersicht mit allen Tabellen im Sommer 2025 finden Sie hier.

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