Wie bekommen Stadtwerke die Wärmewende finanziert? Welche Informationen und Aufbereitung kommunale Unternehmen liefern müssen, um Banken und Investoren für die Finanzierung ihrer Wärmeprojekte zu gewinnen, erklärt Claudia Fleig, Partnerin Finance & Transaction Services bei Fischer Create Cooperate Finance (CCF), in einem Webinar. Im Webinarformat "Warm-up" beschäftigt sich CCF regelmäßig mit Themen der Wärmefinanzierung.
Basisfakten müssen bekannt sein
Bevor es zu den Geldgebern geht, müssen grundlegende Dinge geklärt werden. An erster Stelle steht somit das Investitionsvolumen. "Noch besser ist es, wenn Sie bereits mit einem Planungsbüro zusammengearbeitet haben und daraus zum Beispiel eine Wirtschaftlichkeitsberechnung oder eine Machbarkeitsstudie entstanden ist", so Fleig. "Manchmal fällt in dem Zusammenhang auch der Begriff VDI-Planung. Das ist schon eine sehr gute Basis, auf der Sie aufsetzen können." Zudem sollten erste Angebote von wesentlichen Dienstleistern und Bauträgern eingeholt sein, um das Volumen besser konkretisieren zu können.
Fördermittel früh beantragen
Wichtig sei zudem zu wissen, wo das Projekt bezüglich Abnahmeverträgen und Abnahmequoten steht. "Ich empfehle Ihnen außerdem, wenn Sie schon an diesem Punkt sind, auch gleich in die Beantragung der Fördermittel einzusteigen", so Fleig. "Je früher Sie mit der Beantragung starten und je früher Sie eine Zusage haben, desto leichter wird es Ihnen später bei der Finanzierung fallen – weil Sie dann schon mehr Sicherheit haben, dass die Quote auch tatsächlich erfüllt wird."
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Investorenblick als Chance sehen
Alles lästige Zahlenschieberei? Finanzierungsexpertin Fleig sieht in der Investorensicht eine Chance. Banken und Investoren prüften, ob Projekte eine überschaubare Risikostruktur haben, ob sie durchfinanziert sind und ob sie genug Einnahmen generiert, um das aufgenommene Fremdkapital mit Zinsen und Tilgung zurückführen zu können. "Sehen Sie es als Chance, wenn externe Partner und mögliche Investoren sich mit Ihrem Projekt auseinandersetzen", sagt Fleig, "wenn diese es als wirtschaftlich tragfähig einstufen, haben Sie einen Lackmustest am Markt bestanden. Sie wissen dann: Ihr Projekt steht auf guten Beinen, es scheint funktionsfähig zu sein – und es ist sogar in der Lage, eine dritte Partei zu begeistern."
Investoren könnten zudem Erfahrung einbringen: "Wer bereit ist, in ein solches Projekt zu investieren, kommt in der Regel aus dem Wärmesektor und hat dort bereits Erfahrungen gemacht", so Fleig. Das hieße ein Finanzierungspartner bringe oft einen wertvollen Erfahrungsschatz und Fachwissen mit und könne helfen, das Projekt an der einen oder anderen Stelle noch krisen- und zukunftssicherer aufzustellen.
Mit der Planung geht es zu den Finanzierern
Für den ersten Kontakt mit Bank oder Investor braucht es laut Fleig vor allem eine solide Planung. Die Berater würden immer zehn plus zehn Jahre empfehlen, denn üblicherweise wird nach zehn Jahren refinanziert, deshalb betrachtet man in der Regel 20 Jahre – simuliert aber nach zehn Jahren eine Refinanzierung. "Sie brauchen eine Gewinn- und Verlustrechnung, eine Bilanz und einen Cashflow-Plan, jeweils für zehn plus zehn Jahre", führt die Expertin aus.
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Laufende Betriebskosten im Blick haben
Ein wichtiger Punkt, den Fleig in vielen Planungen vermisse, sei, dass Wirtschaftlichkeitsberechnungen und VDI-Planungen häufig nur auf das Investment abstellen und noch keine laufenden Betriebskosten beinhalten. "Denken Sie zum Beispiel an Versicherungen – die Anlage sollte möglichst frühzeitig versichert sein", erläutert sie. Hinzu kämen Kosten für die Betreuung der Anlage, also Wartungs- und Serviceverträge: Wer überwacht die Steuerung? Was passiert bei einem Stillstand? Müssen Teile ausgetauscht werden? Können regionale Partner im Notfall schnell reagieren? All dies koste Geld.
Zudem einstünden Bürokosten– Telefon, laufende Verwaltung. "Wenn Sie über eine Projektgesellschaft agieren, kann das zwar von einer Muttergesellschaft aus erbracht werden, aber auch diese Kosten sollten über eine interne Verrechnung ins Projekt eingerechnet werden", so Fleig. "Wenn Sie in eine Projektgesellschaft gehen, kommen außerdem Kosten für Buchführung und Jahresabschluss hinzu – auch die müssen geplant sein."
Die Bauphase sollte auf Monatsebene geplant werden, weil in den ersten Jahren bis zum Bauabschluss erhebliche Mittelabflüsse entstünden. Gleichzeitig müssten Projektierer immer im Blick haben, wann Eigen- und Fremdkapital in das Unternehmen oder die Projektgesellschaft zugeführt werden muss – damit diese zahlungsfähig bleiben und spätestens zum Jahresabschluss nicht in ein Negativkapital rutschen.
Wer die Liquidität nicht im Blick hat, kann in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.
Für die Bauphase sollten Gewinn- und Verlustrechnung als auch die Liquiditätsplanung erstellt werden. "Wer die Liquidität nicht im Blick hat, kann in ernsthafte Schwierigkeiten geraten", warnt Fleig.
Wichtig sei zudem, Risikofaktoren zu simulieren. Insbesondere bei Fördermitteln sei mit Zeitverzug zu rechen. "Wenn Sie zu früh mit dem Rückfluss von Fördermitteln planen, kann eine Liquiditätslücke entstehen – und die müssen Sie schließen können", so Fleig.
Die richtige Ansprache
Liegen alle Zahlen und Fakten parat, kann es zur Vorstellung bei den Investoren kommen, aber: "Schicken Sie bitte keine großen Excel-Tabellen voraus", rät Fleig für die Investorenpräsentation. "Überfrachten Sie Ihr Gegenüber nicht, geben Sie ihm zunächst die Chance, Ihr Projekt kennenzulernen."
Ihr wichtigster Rat ist daher: "Geben Sie zunächst einen Projektüberblick." Das heißt: Keine Excel-Tabellen am Anfang, keine Details, die erst erklärt werden müssen. "Holen Sie Ihr Gegenüber ab – damit Sie überhaupt den Einstieg zu einem Investor oder einer Bank bekommen." Einfache Übersichten mit den wichtigsten Kennzahlen und auch Bilder helfen, das erste Interesse zu sichern. Erst wenn das Gespräch positiv läuft, sollte man in die Analyseebene gehen und die vollständige Planung zur Verfügung stellen.



